Isabell Werth hat mit Bella Rose das große Los gezogen
Ein Paar mit Zukunft

Münster -

Reiten ist für sie „eine Herzensangelegenheit“, „eine blinde Passion“. Pferde zu beobachten, Visionen zu entwickeln, junge Vierbeiner in den ganz großen Sport zu führen, das alles macht ihr unglaublich großen Spaß.

Dienstag, 06.01.2015, 15:01 Uhr

Isabell Werth hat mit Bella Rose das große Los gezogen : Ein Paar mit Zukunft
Bereits ein Weltmeisterpaar: Isabell Werth und Bella Rose haben Mannschaftsgold in Caen gewonnen. Foto: Jürgen Peperhowe

Und nicht nur das, denn nebenbei ist Isabell Werth zur erfolgreichsten Dressurreiterin der Welt geworden. Seit 1989 mischt sie oben mit, hat 26 Goldmedaillen bei den großen Championaten gewonnen, ist fünffache Olympiasiegerin. Um mit dem unvergessenen Dr. Reiner Klimke auf einer Stufe stehen zu können, fehlt ihr noch ein einziges Olympiagold.

Nicht ausgeschlossen, dass sie das schon 2016 in Rio de Janeiro gewinnen kann. Mit Bella Rose verfügt die 45-jährige Juristin aus Rheinberg über eine Stute, der großes Talent und eine noch größere Zukunft bescheinigt werden. Da ist sich die Fachwelt einig, auf die grandiose Elfjährige wird Werth noch lange bauen können. Zumal sie das Glück hat, mit Madeleine Winter-Schulze eine Sponsorin zu haben, die ihr regelmäßig guten Beritt finanziert. Und das ist auf Langfristigkeit angelegt, so dass ihr kurzfristig nichts unter dem Sattel weggekauft werden kann. Ein beruhigendes Gefühl.

Zur Person: Isabell Werth

Die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten wurde am 21. Juli 1969 in Sevelen bei Issum geboren. Sie ist ausgebildete Juristin und Mutter eines Sohnes. Ihre sportlichen Erfolge sind sehr beeindruckend. Fünf Gold- und drei Silbermedaillen bei Olympischen Spielen, siebenfache Weltmeisterin (plus zweimal Bronze) und 14-malige Europameisterin (plus einmal Silber). Bei Deutschen Meisterschaften hat sie elf Titel errungen und dazu zweimal den Weltcup gewonnen. Das alles auf verschiedenen Pferden, die sie in der Regel selbst ausgebildet hat.

...

„Sponsoren stehen im Dressursport nicht Schlange, das ist ein rares Feld.“ Umso glücklicher kann sie sein, dass ihr verlässliche Partner zur Seite stehen. Dass da nichts von selbst geht, liegt auf der Hand. „Ihr wisst ja selbst, dass ihr als Kälbchen geboren wurdet und nicht als Kuh zur Welt gekommen seid“, umschrieb es Pferdekommentator Carsten Sostmeier unlängst beim Treffpunkt Reitsport in Münster in seiner blumenreichen Sprache. Werth ist sich dessen bewusst und weiß auch, wer ihr in all den Jahren die Stange gehalten hat. „Man muss sich in guten Zeiten so benehmen, dass die Sponsoren auch in schlechten Zeiten zu einem stehen.“

Denn auch letztere gab es in der grandiosen Karriere von Werth. Dopingvorwürfe wegen unerlaubter Medikation zogen eine sechsmonatige Sperre nach sich, aus der „Gold-Isabell“ war plötzlich eine fragwürdige Sportlerin geworden. Dass sie für die Vorkommnisse in ihrem Reitstall verantwortlich ist, will und wollte sie nie von der Hand weisen. Aber ärgerlich sei es schon, bei aller Sorgfaltspflicht, wenn die Kontamination von El Santo durch die Gitterstäbe zur Nachbarbox des dort mit Cimetidin behandelten Pferdes erfolgt sei. Alles Schnee von gestern. Zum Glück.

Heute ist Isabell Werth wieder da, vielleicht bald ganz oben. Bella Rose hat sie als Dreijährige bei einem Züchter entdeckt und war sofort begeistert. „Das Pferd war von Anfang an eine In­spiration. Immer leistungsbereit, immer willig.“ Sie hat dem jungen Vierbeiner die Zeit gegeben, die nötig war. Sie hat Bella Rose behutsam in den Sport gebracht, vorsichtig in den großen Championaten eingesetzt, nichts überstürzt. „Das Pferd war im Sport ein absoluter Newcomer.“ Da konnte und wollte sie nichts verlangen. Ein Ritt auf der Rasierklinge sei es dennoch nie gewesen, weil Bella Rose neben viel Talent auch eine gewisse Gelassenheit besitze, die vieles einfacher mache. „Nicht so wie Satchmo. Der konnte zwar alles, hatte aber auch hin und wieder ein paar Aussetzer.“

Mit Bella Rose gewann Werth im August 2014 im französischen Caen den WM-Mannschaftstitel. Weitere Medaillen in der Normandie blieben ihr versagt, weil das Pferd wegen einer Verletzung passen musste. Huflederhaut-Entzündung wegen einer zu harten Silikonschicht („der Hufschmied meinte es nur zu gut“) war die Diagnose. Die schmerzte zwar im Moment, sowohl Pferd als auch Reiterin, war aber zum Glück nicht wirklich schlimm. Sostmeier dazu: „Auch vierbeinige Damen haben also schon mal ein Silikon-Pro­blem.“

Ein paar Tage später war Bella Rose wieder flott unterwegs. Isabell Werth hofft, dass das noch sehr lange – und erfolgreich – anhält.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2982186?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F195%2F4845742%2F4845754%2F
Nachrichten-Ticker