Erfolgreiche Reitsportlerin wurde Teamtrainerin
Bettina Hoy führt ein Leben zwischen Rheine und der weiten Welt

Bettina Hoy sitzt auf ihrem Erfolgspferd Designer. Den 13-jährigen Dunkelbraunen, den alle nur „Hasi“ nennen, bildet sie seit langer Zeit aus, im Alter von fünf Jahren kam der Wallach in ihren Stall. Auf dem Gelände des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf widmet sie sich mit ihrem Pferd an diesem Vormittag dem Training, trabt locker durch die Reithalle und wechselt ein paar freundliche Worte mit Kollegen.

Donnerstag, 23.02.2017, 16:02 Uhr

Erfolgreiche Reitsportlerin wurde Teamtrainerin : Bettina Hoy führt ein Leben zwischen Rheine und der weiten Welt
Enge Vertrautheit im heimischen Stall:</hervorhebung> Bettina Hoy mit Designer und Seigneur Medicott (r.). Foto: Sven Rapreger

Hier auf der Anlage sind ihre vier Pferde untergebracht, hier trainiert die Reiterin und gibt ihren Schülern Unterricht. Abends steht für Hoy die Heimfahrt an: Im Auto geht es zurück nach Rheine, dort leben ihre Eltern. Die familiären Pflichten fordern ein Leben zwischen Warendorf und der Emsstadt. „Um mir ab und zu einen Ausgleich zum Alltag zu schaffen, gehe ich ins Fitnessstudio“, erzählt Hoy. „Bei Spinningkursen kann ich abschalten.“ Und wenn sie doch einmal einen Tag frei habe, sei ihr meist schon zur Mittagszeit langweilig. Keine Frage, Bettina Hoy steht immer unter Strom.

In der Welt der Reiter ist die Pferdenärrin, die beim RV Altenrheine erste Erfahrungen im Sattel sammelte, fest etabliert. Seit der Olympia-Bronzemedaille mit der Equipe im Jahr 1984 in Los Angeles reitet sie „ganz oben“ mit. Und noch immer steckt sie sich neue Ziele. „An den Olympischen Spielen in Rio hätte ich gern teilgenommen“, berichtet Hoy.

Ein Tag mit Bettina Hoy in Warendorf

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  • Die Deutschlandfarben zieren den Eingangsbereich: Auf dem Gelände des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf wird der olympische Geist großgeschrieben. Überall sind Bilder zu sehen, die an Erfolge der deutschen Reiter erinnern.

    Foto: Sven Rapreger
  • Das silberne Lorbeerblatt ist die höchste Auszeichnung für deutsche Spitzensportler. In den Gebäuden des DOKR gibt es davon gleich mehrere zu bestaunen.

    Foto: Sven Rapreger
  • Im Foyer finden sich lebensgroße Pferdefiguren, die künstlerisch gestaltet wurden. Auf diesem Exemplar haben zahlreiche bekannte und erfolgreiche Reiter unterschrieben. Das Bild dahinter zeigt die Dressurreiter, die 2016 in Rio de Janeiro die olympische Goldmedaille erritten haben.

    Foto: Sven Rapreger
  • Bettina Hoy hat aktuell vier Pferde auf der Anlage des DOKR untergebracht. Hier trainiert sie ihre beiden Erfolgspferde "Desigenr" und "Seigneur Medicott" (Foto) sowie mehrere junge Nachwuchspferde.

    Foto: Sven Rapreger
  • Bettina Hoy lebt diesen Sport mit Leib und Seele: Liebevoll kümmert sie sich um ihre Pferde, hier "Designer" (links) und "Seigneur Medicott" (rechts).

    Foto: Sven Rapreger
  • Aktuell tut sich viel in der Karriere der erfolgreichen Vielseitigkeitsreiterin: Seit Januar 2017 steht fest, dass Hoy das Trainign der niederländischen Vielseitigkeits-Mannschaft übernimmt. Für Lehrgänge und Seminare jettet sie rund um die Welt.

    Foto: Sven Rapreger
  • "Wenn ich mich morgens auf das erste Pferd setze, geht es mir gut", sagt die Rheinenserin. Keine Frage: Der Sport macht Bettina Hoy aus.

    Foto: Sven Rapreger
  • Die olympischen Ringe im Hintergrund: In der Reithalle auf dem Gelände des DOKR trainiert Bettina Hoy ihre Pferde. Keine Frage, hier weht ein Hauch olympischer Luft, zahlreiche international erfolgreiche Sportler kommen hier im Trainingszentrum Tag für Tag zusammen.

    Foto: Sven Rapreger
  • Das Deutsche Olympiade-Komitee in Warendorf: ein Leistungszentrum für Reiter und Pferde. Hier werden junge Nachwuchssportler ausgebildet, es finden Seminare und Lehrgänge statt. Zusätzlich beherbergt die Reitanlage regelmäßig Reitturniere und die traditionellen Bundeschampionate für junge Pferde. Kein Zweifel: Hier ist das Pferdezentrum Deutschlands.

    Foto: Sven Rapreger
  • Doe olympischen Ringe am Vordereingang des traditionsreichen Gebäudes erinnern an den olympischen Geist, der die Anlage prägt. Eins steht außer Frage: Die Olympionikin Bettina Hoy hat hier einen adäquaten Ort für die Unterbringung und das Training ihrer Vierbeiner gefunden.

    Foto: Sven Rapreger

Sie habe sich und Designer jedoch zu sehr unter Druck gesetzt, sodass es letztlich nur für einen Reserveplatz in Rio reichte. „Deswegen steht nun wieder der Spaß im Vordergrund, wenn ich reite“, lacht sie. „Ich habe gelernt, dass ich Designer so akzeptieren muss, wie er ist. Dann kann dieses Pferd auch alles leisten.“

Vertrauen zwischen Mensch und Tier spürbar

Es ist wohl diese Leidenschaft für den Sport, der die Vielseitigkeitsreiterin ausmacht: Auch aus Niederlagen schöpft sie Kraft. Beinahe scheint es, als hätten die Tiefpunkte ihrer Karriere, die bei über 30 Jahren auf dem internationalen Parkett nicht ausblieben, Hoy erst zu der Reiterin gemacht, die sie heute ist. Wenn sie die Stallgasse betritt, dringt aus den Boxen ein freudiges Wiehern, das Vertrauen zwischen Mensch und Tier ist spürbar. Hoy steht für gelebte Freude an dieser Sportart.

Wenn sie nicht auf dem Pferderücken sitzt, jettet die Rheinenserin als Trainerin um die Welt. Nun gelang ihr ein besonders großer Coup: Vor wenigen Tagen wurde sie zur offiziellen Teamtrainerin der niederländischen Vielseitigkeitsreiter ernannt. „Es ging alles ganz schnell, Ende des vergangenen Jahres begannen die Gespräche mit der niederländischen Reitvereinigung, in der letzten Januarwoche habe ich den Vertrag unterschrieben“, erinnert sie sich.

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Bettina Hoy mit ihrem Paradepferd Designer – auch als niederländische Nationaltrainerin will sie weiter in den Turniersattel steigen. Foto: Sven Rapreger

Als Coach soll Hoy die niederländischen „Buschreiter“ zu großen Erfolgen führen, ein Etappenziel ist die diesjährige Europameisterschaft, langfristig peilt die Mannschaft eine Olympia-Medaille in Tokio 2020 an.

Ich habe gelernt, dass ich Designer so akzeptieren muss, wie er ist. Dann kann dieses Pferd alles leisten.

Bettina Hoy

Neue Ziele gesteckt

Trotz ihrer neuen Verantwortung denkt Bettina Hoy aber gar nicht daran, die eigene Turnierkarriere auf Eis zu legen: „Ich werde versuchen, das Engagement als Trainerin und die Turnierstarts mit meinem Pferd Designer unter einen Hut zu bringen“, sagt sie fest entschlossen. „Die niederländische Mannschaft hat natürlich Priorität, aber mit dem Reiten aufhören, möchte ich auf keinen Fall.“

Wenn überhaupt, werde sie maximal auf die Starts auf Championatslevel, also bei großen Meisterschaften, verzichten. Mitglied des A-Kaders ist Hoy noch immer. Für die kommende Turniersaison hat sie sich bereits neue Ziele gesteckt.

Im März geht es für acht Wochen nach Großbritannien, wo sie sich auf das traditionsreiche Turnier in Badminton vorbereitet. „Aber ich habe meinem Teamkollegen Dirk Schrade ein Versprechen abgenommen: Wenn er denkt, es sei Zeit für mich, aufzuhören, muss er es mir sagen – egal, ob ich dann sauer bin“, lacht Hoy. „Viele Reiter erkennen nicht, wann der Zenit überschritten ist.“

Eine weitere Herausforderung 

Der neue Trainerjob als Chefin der niederländischen Equipe erweitert ihren ohnehin schon prall gefüllten Alltag um eine weitere Komponente, aber auch diese Herausforderung dürfte die Powerfrau meistern. In den kommenden Wochen beginnt ein Crashkurs in Niederländisch, dann wird Hoy die Reiter des holländischen Kaders besuchen und gemeinsam mit ihnen das Training optimieren.

Die Karriere der Vollblutreiterin ist noch immer in vollem Gang. Oder wie heißt es so schön: Das Beste kommt noch...

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