Reiten: Historischer Rückblick
50 Jahre Turniergeschehen beim RV Ascheberg

Ascheberg -

Fast auf den Tag genau vor einem halben Jahrhundert richtete der RV St. Hubertus Ascheberg sein erstes Reitturnier aus. Tags zuvor war eine wahre Legende des Sports zu Besuch in der Gemeinde.

Samstag, 10.06.2017, 06:06 Uhr

Morgens vor der Egge, abends auf dem Dressurviereck – Josef Fallenberg erinnert sich noch genau an die 60er Jahre: Pferde wurden nicht nur für Galoppwechsel und den versammelten Trab geboren. Sie waren in der Landwirtschaft unverzichtbar. Warum auch für Einsätze auf Turnieren vorbereiten. „Über viele Jahre gab es das Kreisturnier, mehr nicht“, blickt Alois Küter zurück. Der Reitlehrer, ein Junge aus Altlünen, hat das Reiten in Ascheberg auf ein neues Level gehoben. „Er hat den Verein mehr als 20 Jahre geprägt“, sagt Fallenberg.

Dieser Blick zurück hat einen einfachen Grund: Vor 50 Jahren richtete der RV St. Hubertus Ascheberg sein erstes Turnier aus. Am 28. Mai 1967 wurde erstmals neben dem Kreisturnier in Lüdinghausen ein zweiter Wettbewerb in der Region ausgerichtet. „Danach haben sich die Turniergemeinschaften gebildet“, erinnert sich Küter. Die Ascheberger, die den Aufbruch in die neue Zeit markierten, wurden vom Kreisvorstand mehr als kritisch beäugt. Er konnte aber nicht mehr verhindern, was nicht aufzuhalten war: Fünf Jahre später wurden bereits sieben Turniere im damaligen Kreis Lüdinghausen ausgetragen. Die Ascheberger richteten 1970 zum zweiten Mal die Wettbewerbe der Turniergemeinschaft Ost aus.

Reitlehrer Alois Küter

Reitlehrer Alois Küter Foto: Theo Heitbaum

Mit dem Turnier stellten die Ascheberger die neue Reithalle am Windmühlenweg vor, erst die zweite Halle in der Region. Beim Abriss der alten Realschule hatten Mitglieder des RV St. Hubertus 1964 dafür erstmals in die Hände gespuckt, denn der Schutt wurde für die Reithallen-Fundamente gesichert. „Die haben wir per Hand ausgehoben“, erinnert sich Fallenberg. Der Verein brachte damals 30 000 Mark als Spenden und 25 000 Mark als Eigenleistung ein. Belohnt wurden die Aktiven mit dem Turnier am 28. Mai, zu dem die Nachbarvereine Herbern, Ottmarsbocholt und Nordkirchen eingeladen worden waren.

Geritten wurde auf Schlingermanns Weide. Die war nicht so eben, wie man Reitplätze heute kennt.

Josef Fallenberg, Premierensieger

Fünf Prüfungen sahen die Zuschauer. Besonders im Blickfeld war der Mannschaftswettbewerb. „Geritten wurde auf Schlingermanns Weide. Die war nicht so eben, wie man Reitplätze heute kennt“, schmunzelt Josef Fallenberg, der mit Dorette zur Siegermannschaft gehörte. Heinz Thyering und Alfa, Josef Fallenberg und Dorette sowie Hubert Fallenberg und First Lady komplettierten das Gewinner-Quartett. Zweite wurden Theo Hattrup mit Delila, Fritz Bummann mit Format und Heinz Freisfeld mit Alma. Platz drei: RV Ottmarsbocholt mit Josef Lindfeld und Anke, Robert Tönnissen und Jenka, Friedhelm Jungmann und Lümmel sowie Hermann Tönnissen und Schatzi. In der besten Herberner Mannschaft ritten Theobald Kümer mit Annette, Dieter Sommer mit Athene und Theo Hölscher mit Fury. Die Geschichte des RV Ottmarsbocholt endet übrigens ein Jahr später, auch der RV Nordkirchen wird aufgelöst.

Einen jährlichen Turnier-Rhythmus hat der RV St. Hubertus Ascheberg sich erst vor wenigen Jahren zugelegt, vorher lud er die Reiter nur alle zwei Jahre ein. Dafür war er aber stark engagiert, wenn es Turniere für den Kreis oder Altkreis auszurichten gab. Eindeutiger Höhepunkt in der Turniergeschichte des Vereins vom Windmühlenweg ist das Provinzialturnier 1990. Besonders beim Geländeritt in der Hegemer-Bauerschaft war eine wahre Menschenwanderung am Rande der Strecke zu erleben.

Der Tag des ersten Ascheberger Reitturniers war übrigens Tag eins nach dem Besuch einer Legende: Boxidol Max Schmeling kehrte auf dem Weg zum Wildpferdefang im Dülmener Bruch mit einer Hamburger Gruppein das „Haus Klaverkamp“ ein.

Aus der Turnierordnung von 1967

Ländliche Leiter im Sinne dieser Ausschreibung sind hauptberufliche Landwirte und deren Kinder, soweit diese sich in der Ausbildung befinden, außerdem Personen der ländlichen Bevölkerung, die ihre Reit- und Fahrausbildung in einem dem Provinzialverband angeschlossenen ländlichen Reiterverein erhalten haben. Berufsreiter, Gestütsbeamte, Angehörige der berittenen Polizei sowie ehemalige Angehörige dieser Gruppen gelten nicht als ländliche Reiter.

Wer in einer Prüfung absichtlich seine Kopfbedeckung abwirft, wird von der Richtergruppe sofort mit einer Buße von fünf Mark belegt.

In allen Prüfungen sind nur Reiter und Pferde von Vereinen teilnahmeberechtigt, die wenigstens eine Mannschaft für Prüfung eins stellen

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