Herzensangelegenheit
Rheinenser will 500 Marathons absolvieren

Wenn es die viel besungenen „sieben Brücken“ gibt, dann hat sich Volkmar Henke ganz fest vorgenommen, auch diese noch zu bezwingen. Wobei die „Brücken“ bei ihm immer mindestens 42,195 Kilometer lang sind. 

Freitag, 08.06.2018, 07:48 Uhr

Zeit-Limits sind inzwischen tabu: Volkmar Henke geht seine Marathons nach einem Vorderwand-Herzinfarkt längst nicht mehr so forsch an wie in den vergangenen Jahren. Aber Spaß hat er noch immer.
Zeit-Limits sind inzwischen tabu: Volkmar Henke geht seine Marathons nach einem Vorderwand-Herzinfarkt längst nicht mehr so forsch an wie in den vergangenen Jahren. Aber Spaß hat er noch immer. Foto: Paul Nienhaus

Denn die Marathondistanz hat der 74-jährige Ausdauersportler aus Rheine schon 493 Mal läuferisch in offiziellen Wettkämpfen bewältigt. „Manchmal waren die Strecken auch länger, denn es sind auch etliche Ultra-Läufe dabei“, sagt der Mediziner, der vor seinem Ruhestand mehr als drei Jahrzehnte lang eine Hausarztpraxis geführt hat.

Und ausgerechnet ihn, der eigentlich immer Wert auf eine konsequente kardiologische Begleitung seines Sporttreibens gelegt hatte, traf ein gesundheitlicher Rückschlag wie aus heiterem Himmel. Beim Marathon von Tallin (Estland) plagten ihn im September 2016 plötzliche Schmerzen im Brustkorb. „Ich habe sie auf die kalte Ostseeluft zurückgeführt und bin weitergelaufen“, berichtet Henke . Insgesamt schwächelte er an dem Tag, fühlte sich nicht wohl, brachte aber auch diesen Lauf in 4:47 Stunden ins Ziel.

Kardiologen gaben grünes Licht

Dass er enormes Glück hatte, diesen und einen sich noch anschließenden Marathon lebend überstanden zu haben, stellte sich kurze Zeit später bei einer Routineuntersuchung vor einer Augen-Operation heraus. „Ich habe es dann selber auf dem EKG ablesen können, dass mit meinem Herzen etwas nicht stimmt“, sagt der gelernte Internist. Die nähere Untersuchung im Rheiner Mathias-Spital ergab dann die niederschmetternde Diagnose: großer Vorderwand-Herzinfarkt!

„Damit konnte ich mein Ziel natürlich nicht mehr erreichen, noch im Laufe des Jahres 2017 die 500 Marathonläufe zu erreichen“, bedauert Henke. Zwei Stents wurden ihm implantiert, anschließend unterzog er sich der üblichen Therapie nach Herzinfarkt. „Letztlich muss ich schon froh sein, den Lauf in Tallin überlebt zu haben“, sagt er und ist seinem Schicksal letztendlich sogar noch ein wenig dankbar.

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Volkmar Henke Foto: Paul Nienhaus

Zumal sich Volkmar Henke im Laufe des Jahres plangemäß erholte und von seinem Kardiologen nach einigen Monaten grünes Licht bekam, mit dem Ausdauertraining wieder starten zu dürfen. „Am 28. Dezember habe ich mir ein verspätetes Weihnachtsgeschenk bereitet und bin in Hamburg-Öjendorf erstmals nach meinem Infarkt wieder einen Marathon gelaufen – schön langsam in 5:55 Stunden“, erzählt der mittlerweile sechsfache Großvater von seinem Comeback.

Noch sieben Läufe in diesem Jahr

Somit schöpfte der Rekonvaleszent auch wieder Hoffnung, die magischen 500 vielleicht doch noch erreichen zu können. „Anfang des Jahres fehlten mir noch 13 Läufe, mittlerweile sind es nur noch sieben“, zählt Henke zusammen. Wobei er sich bewusst Zeit lässt. „Mittlerweile lege ich bei meinen Läufen auch größere Walking-Passagen ein, um auch ganz sicher über die Strecke zu kommen“, sagt er. Auch meidet er die großen City-Läufe, bei denen es ein Zeit-Limit gibt. „Den Druck möchte ich gar nicht haben“, betont er und spricht davon, mittlerweile viel Geduld mit sich zu haben.

Anfang des Jahres fehlten mir noch 13 Läufe, mittlerweile sind es nur noch sieben.

Volkmar Henke

Ein gutes Stück vorangebracht hat ihn vor einigen Wochen die kleine Münsterland-Laufserie eines privaten Laufveranstalters aus Warendorf. „Das war eine Benefiz-Geschichte, bei der man gegen Zahlung eines Spendenbetrages in fünf Tagen fünf Marathons hätte laufen können“, erläutert Henke, der vier von diesen Läufen erfolgreich absolvierte. „Nur die Schlussetappe in Oelde habe ich mir verkniffen“, sagt er und berichtet noch von einem weiteren Langdistanz-Lauf in der Nähe von Köln, bei dem er in zwölf Stunden die Strecke von 75 Kilometern überwand, was seiner Statistik ebenfalls zugute kam.

„Die verbleibenden sieben Läufe möchte ich möglichst noch in diesem Jahr schaffen“, steckt sich Henke die nächsten Ziele. Ein mögliches Datum für den magischen „500.“ hat er sich innerlich auch schon gesetzt. Ende Dezember veranstaltet der „MC 100“ – der Club der Läufer, die mindestens 100 Mal in ihrem Leben einen Marathon absolviert haben – wieder seinen Traditions-Lauf in Hamburg-Öjendorf. „Weil ich ja dort auch im vergangenen Jahr mein Comeback gefeiert habe, wäre das vielleicht der passende Ort“, meint der Mann, den lange Distanzen nicht schrecken.

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