Fußball | 50 Jahre Altherren des ASC Schöppingen
Als der Präsident beichten musste

Schöppingen -

Walter Tischler und Franz-Josef Küper sitzen ganz entspannt bei einer Tasse Kaffee zusammen. Die beiden haben nichts zu tun mit dem Vorbereitungsstress für die Jubiläumsfeier am Samstag und Sonntag anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Altherren-Abteilung des ASC Schöppingen. Dabei haben sie diese über Jahrzehnte mitgeprägt.

Donnerstag, 06.08.2015, 08:08 Uhr

Zwei Torjäger werfen einen Blick in alte Unterlagen. Walter Tischler (l.) und Franz-Josef Küper erzielten zusammen 1283 Tore für die Altherrenabteilung des ASC Schöppingen.
Zwei Torjäger werfen einen Blick in alte Unterlagen. Walter Tischler (l.) und Franz-Josef Küper erzielten zusammen 1283 Tore für die Altherrenabteilung des ASC Schöppingen. Foto: Rupert Joemann

1283 Tore haben die beiden für die ASC-Altherren geschossen. Die beiden führen die ewige Torschützenliste wohl uneinholbar an: Franz-Josef Küper traf 684 und Walter Tischler 599 mal. Tischler war zudem von 1982 bis 1999 Altherren-Präsident und für den Spielbetrieb zuständig. „Walter hat dafür gesorgt, dass wir kein freies Wochenende hatten“, erzählt der 65-jährige Küper grinsend. „Wir hatten auch schon mal an einem Wochenende drei Turniere“, ergänzt Tischler lächelnd. Teilweise schickten die Grün-Weißen drei Gruppen auf den grünen Rasen. Die Teams wurden ausgelost, sodass es keinen Ärger gab.

Es waren andere Zeiten. „Heute ginge das sicherlich nicht mehr“, weiß auch Walter Tischler um die gesellschaftlichen Veränderungen. „Wir waren eine große Gemeinschaft. Keine Ehe ist daran kaputtgegangen“, springt ihm Küper verbal zur Seite. Viel wurde mit den Familien zusammen unternommen. Jedes Jahr gab es zudem ein großes Kinderfest .

Aber zunächst waren die Schöppinger erst einmal eins: fußballverrückt – und zwar richtig. „Einmal haben wir sogar an einem Kommunionstag nachmittags noch trainiert, weil am nächsten Tag ein Endturnier anstand“, erinnert sich Franz-Josef Küper. Neben der sportlichen Begeisterung besaß der ASC viele gute Fußballer in seinen Reihen. Regelmäßig gingen und gehen Kreismeistertitel an die Vechte.

Seine fußballerische Grundausbildung genoss Walter Tischler beim SuS Stadtlohn. „In der Jugend war Karl-Heinz Marotzke mein Trainer“, erinnert sich der 67-Jährige. Marotzke trainierte später den FC Schalke 04 , VfL Osnabrück und die ghanaische Nationalmannschaft. Mit der nahm Marotzke 1968 an den Olympischen Spielen in Mexiko teil. Nach seinem beruflichen Wechsel als Lehrer zur Schöppinger Schule schnürte Tischler für den ASC die Fußballschuhe. Gemeinsam mit Küper wurde Tischler Bezirksliga-Meister. „Zu Verbandsliga-Zeiten mussten wir noch einmal im Pokal aushelfen, weil zu wenige Spieler da waren“, erinnert sich Tischler.

Sein Torjäger-Partner Franz-Josef Küper hatte Pech, dass er sich im ersten Senioren-Jahr einen Nierenriss zuzog. Vier Jahre musste Küper pausieren. Doch es juckte in den Füßen. „Einmal bin ich in guten Klamotten zum Training gegangen, um einfach zuzugucken. Ich bin dann so aufs Feld gelaufen und habe mitgespielt.“ Beide verkörpern echte, ursprüngliche Fußballbegeisterung.

Doch sie waren nicht alleine. „Bernd Lehr hat fast 50 Einsätze in einem Jahr gehabt. Er war immer ein guter Torwart“, sagt Walter Tischler. Oder beispielsweise Wolfgang Thiel, eine absolute Integrationsfigur – egal ob als Spieler oder Betreuer. Thiel stellte sogar eigens ein Zimmer in seinem Haus für die schier endlos vielen Pokale zur Verfügung. Seitdem treffen sich die Altherren traditionell mit Putzlappen ausgestattet immer am Gründonnerstag zum Pokaleputzen. Heute findet das bei Bernhard Oettigmann statt.

Walter Tischler wurde mit gerade 33 Jahren Präsident der Altherren. „Ich bin als Jungspund zur Versammlung gegangen. Als ich zurückkam, musste ich meiner Frau beichten, dass ich Vorsitzender geworden war“, erzählt der 67-Jährige schmunzelnd. Er führte sein Amt mit sehr viel Akribie. Dem ausgewanderten Bernhard Schulze Althoff schickte er zum Beispiel jedes Jahr den Geschäftsbericht nach Kanada. So wuchs die Abteilung auf bis zu 117 Mitglieder an.

Viele spielen altersbedingt zwar keinen Fußball mehr, unternehmen aber immer noch zusammen Radtouren, Weihnachtsmarkt-Besuche oder Vatertags-Ausflüge. Beim Jubiläum werden sicher auch viele vorbeischauen. Dann werden auch Walter Tischler und Franz-Josef Küper wieder entspannt einen Kaffee trinken. Und selbst vielleicht noch einmal auflaufen, um den fehlenden 600. Treffer mit einem Strafstoß zu erzielen? Das kommt für Tischler nicht in Frage: „Von den 599 wurde mir kein Tor geschenkt. So soll es auch bleiben.“

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