Fußball | Oberliga Westfalen: ASC Schöppingen
Vor 25 Jahren endete ein Fußball-Märchen

Schöppingen -

Am 17. Mai 1992, genau vor 25 Jahren, bestritt der ASC Schöppingen sein letztes Spiel in der Oberliga Westfalen. Beim SC Preußen Münster verlor der Dorfclub, der zehn Jahre lang ein Fußball-Märchen geschrieben hatte, seine Abschiedsvorstellung vor dem freiwilligen Rückzug in die Bezirksliga mit 0:1. Mit im Team stand mit Lothar Everding auch ein waschechter Schöppinger. 

Mittwoch, 17.05.2017, 12:05 Uhr

Abschiedsszenen: Beim SC Preußen Münster verlor der von Bernard Dietz trainierte ASC Schöppingen sein letztes Oberliga-Spiel mit 0:1. Hier der spielentscheidende Treffer von Heiko Ueding (verdeckt).
Abschiedsszenen: Beim SC Preußen Münster verlor der von Bernard Dietz trainierte ASC Schöppingen sein letztes Oberliga-Spiel mit 0:1. Hier der spielentscheidende Treffer von Heiko Ueding (verdeckt). Foto: Jürgen Peperhowe

Einen kleinen Moment muss Lothar Everding überlegen bei der Frage, was ihm zum 17. Mai 1992 einfällt. „Hmmmm, . . . Ah! Das muss unser letztes Oberliga-Spiel bei Preußen Münster gewesen sein“, sprudelt es dann aus dem damaligen Kicker des ASC Schöppingen heraus, der an jenem Tag als 23-Jähriger auf dem Platz stand. „Wahnsinn! Ein Vierteljahrhundert ist das nun schon her.“

Heiko Ueding trifft zum 1:0 für Preußen Münster

Genau heute vor 25 Jahren bestritten die Vechtestädter mit dem 314. Punktspiel in der Oberliga ihr letztes in der damaligen 3. Liga vor dem freiwilligen Rückzug in die Bezirksliga . Vor über 12 000 Zuschauern im Preußen-Stadion verloren die Schöppinger gegen den Westfalenmeister der Saison 1991/92 mit 0:1. Das Tor des Tages für die Preußen gelang in der 20. Minute Heiko Ueding, der später als Trainer unter anderem Davaria Davensberg und den FC Nordkirchen coachte.

Trainer Bernard Dietz mit Andreas Funk, den er in Münster einwechselte.

Trainer Bernard Dietz mit Andreas Funk, den er in Münster einwechselte. Foto: Jürgen Peperhowe

In Reihen der Gäste standen unter anderem auch Guido Berlekamp (später Trainer des ASC Schöppingen, SV Wilmsberg, Eintracht Ahaus) und Alco Joosten (später Coach von Matellia Metelen).

Freiwilliger Rückzug in die Bezirksliga

Die Saison beendete der ASC zwar als Tabellensiebter, verabschiedete sich aber dennoch nach zehn Jahren aus der Oberliga. Weil die Suche nach in dieser Klasse unerlässlichen neuen Sponsoren immer schwieriger geworden war und Mäzen Heinz Tummel abgekündigt hatte, seine finanzielle Unterstützung drastisch einzuschränken, hatte der Verein die Entscheidung getroffen, in der Saison 1992/1993 in der Bezirksliga einen kompletten Neuanfang zu machen.

Trotz aller Wehmut, die am 17. Mai 1992 beim ASC Schöppingen spürbar war, ein nachvollziehbarer Schritt für Lothar Everding. „Für den Verein war das die richtige Entscheidung“, blickt er zurück. „Wenn man die schlechten Beispiele von anderen Vereinen sieht, war es für uns vernünftig, auf kleinerer Flamme weiterzumachen.“ Die 1. Mannschaft des Clubs stieg in der Folgezeit noch einmal in die Landesliga auf, wurde in den Jahren danach aber bis in die B-Liga durchgereicht. Heute ist sie in der Kreisliga A1 Ahaus/Coesfeld beheimatet.

Da haben sich viele tolle Erlebnisse auf meiner Festplatte eingebrannt, die mir keiner mehr nehmen kann.

Lothar Everding, ehemaliger Oberliga-Kicker des ASC Schöppingen

Die Zeit als junger Kicker in der Oberliga ist heute für Lothar Everding zwar sportlich weit entfernt. „Emotional ist das aber noch ganz nah. Da haben sich viele tolle Erlebnisse auf meiner Festplatte eingebrannt, die mir keiner mehr nehmen kann“, erinnert er sich.

Begonnen hatte das Fußballmärchen in der Provinz mit dem Aufstieg 1982 in die damalige dritthöchste Liga unter Spielertrainer Hans-Werner Moors. 1986 wurde die Mannschaft mit dem „Tummel-t“ auf dem Trikot mit Trainer Klaus Hilpert (später Manager des VfL Bochum) Westfalenmeister und nahm sogar an der Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga teil – in der sie aber als Gruppenletzter unter fünf Teams chancenlos blieb.

DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt Vereinshighlight für den ASC

Unter Trainer Bernard Dietz wurden die Schöppinger 1990 Westfalenpokalsieger. Der Lohn war ein Heimspiel in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Bundesligisten Eintracht Frankfurt mit den frischgebackenen Weltmeistern Andreas Möllers und Uwe Bein, das die Gastgeber am 4. August 1990 vor fast 5000 Zuschauern knapp mit 1:2 verloren. Mit im Team des ASC stand damals als einziger waschechter Schöppinger Lothar Everding.

Der größte Tag in der Vereinshistorie - und im Sportlerleben von Lothar Everding (2.v.r.): Im Erstrundenspiel des DFB-Pokals hatte der ASC Schöppingen 1990 Bundesligist Eintracht Frankfurt im Vechtestadion zu Gast.

Der größte Tag in der Vereinshistorie - und im Sportlerleben von Lothar Everding (2.v.r.): Im Erstrundenspiel des DFB-Pokals hatte der ASC Schöppingen 1990 Bundesligist Eintracht Frankfurt im Vechtestadion zu Gast. Foto: Jürgen Peperhowe

„Es war schon toll, auf einmal im Mittelpunkt zu stehen als Dorf- oder Bauern-Verein, wie wir oft genant wurden“, erinnert er sich und sieht Parallelen zum aktuellen Überraschungsteam der 3. Liga, den Sportfreunden Lotte.

Lothar Everding wurde im letzten Spiel eingewechselt

Die sind heute Klassenkonkurrent von Preußen Münster – jenem Club, gegen den der ASC Schöppingen am 17. Mai 1992 seine Abschiedsvorstellung in der Oberliga gab. Mit einem letzten Kurzeinsatz von Lothar Everding, der nach zwei Fußbrüchen in der Saison eigentlich noch nicht wieder richtig fit war, in der 78. Minute aber dennoch von Bernard Dietz eingewechselt wurde. „Das war eine super Geste von ihm“, freut sich Everding noch heute.

Eine weitere Szene aus dem Spiel am 17. Mai 1992 im Preußen Münster.

Eine weitere Szene aus dem Spiel am 17. Mai 1992 im Preußen Münster. Foto: Jürgen Peperhowe

Fast hätte er die Preußen auf dem Weg zum Titel sogar noch geärgert, als er mit einem Kopfball knapp den Ausgleich verpasste. „Schade, ich hätte ihnen gerne in die Suppe gespuckt“, erinnert er sich mit einem schelmischen Grinsen.

WN Schatzkiste: Oberliga-Abschied des ASC Schöppingen 1992

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Zwei Tage später, am 19. Mai 1992, gab es zum Ende der Oberliga-Dekade im Schöppinger Vechtestadion noch ein rauschendes Fußball-Fest. In einem Freundschaftsspiel trat der ASC gegen Bundesliga-Absteiger MSV Duisburg an (1:1) – ehe sich die Mannschaft der Gastgeber in alle Himmelsrichtungen auflöste.

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