Fußball: WN-Umfrage zum Bundesliga-Topspiel
„In München bist du Marionette“

Gronau -

Drei Fanlager, drei Fragen: Wie bewerten die heimischen Fußball-Aktiven die Entlassung von Niko Kovac? Wer gewinnt das Topspiel zwischen Bayern und den BVB? Und welche Chancen hat eigentlich der aktuelle Tabellenführer Borussia Mönchengladbach?

Samstag, 09.11.2019, 01:00 Uhr aktualisiert: 09.11.2019, 09:26 Uhr
In Frankfurt sind die Bayern derbe ausgerutscht. Stellt heute Abend die Borussia aus Dortmund dem deutschen Rekordmeister auch ein Bein?
In Frankfurt sind die Bayern derbe ausgerutscht. Stellt heute Abend die Borussia aus Dortmund dem deutschen Rekordmeister auch ein Bein? Foto: dpa

Bei den Bayern geht es drunter und drüber – und in der 1. Bundesliga auch deswegen absolut spannend zu. Erst die 1:5-Packung bei Eintracht Frankfurt, dann die Entlassung von Niko Kovac . Wie in einem perfekten Drehbuch erwartet der deutsche Rekordmeister ausgerechnet jetzt heute Abend im Topspiel die Dortmunder Borussia.

Das Gipfeltreffen ist mehr als brisant. Denn: Zwischen dem Zweiten BVB und Platz neun liegen gerade einmal zwei mickrige Pünktchen. Die Münchner? Liegen genau irgendwo dazwischen auf Rang vier. Zumindest für eine Nacht könnten die Schwarzgelben mit einem Dreier an der Isar die Tabellenführung übernehmen. Dann ist morgen Mittag der aktuelle Spitzenreiter an der Reihe: Borussia Mönchengladbach.

Es gibt also viel zu besprechen. Zum Beispiel mit sechs Vereinsverantwortlichen aus der Region. Dirk Bültbrun (Trainer Vorwärts Epe) und Andre Hippers (Spielertrainer FC Epe) halten die schwarzgelbe Fahne hoch. Markus Krüchting (Spielertrainer VfB Alstätte) und Orhan Boga (Spielertrainer Fortuna Gronau) nehmen als Bayern-Fans Stellung. Und Dirk Werenbeck (Trainer Vorwärts Epe 2) sowie Sven Terglane (Leiter Senioren beim FC Epe) träumen vielleicht schon heimlich endlich mal von einer Meisterfeier am Niederrhein.

Nach dem 1:5 in Frankfurt musste Niko Kovac seinen Hut nehmen. Ist diese Maßnahme richtig – oder hätte es andere Lösungsansätze gegeben?

Dirk Bültbrun: Kovac ist für mich ein sehr sympathischer, fairer und auch kompetenter Trainer. Er kann 17 Clubs in der Bundesliga trainieren. Bei Bayern sind aber selbst einfache und schlichte Erfolge zu wenig. Man erwartet immer eine dominante Spielweise und glanzvolle Siege. An diesen Maximen ist Kovac gescheitert.

Sven Terglane: Außerdem gab es ja schon in der letzten Saison eine kritische Phase für Kovac, die er dann mit dem Double super gelöst hat. Einen leichten Stand hatte er bei den Bayern nie. Doch ich hätte mir durchaus vorstellen können, dass er auch dieses Mal wieder die Kurve bekommen hätte. Nur zählen in München nun einmal nur Siege.

Dirk Werenbeck: Aber hätte man nicht bis zur Winterpause warten können? Ich finde schon.

Niko Kovac wirkt authentisch, ist kein Dirigent wie Mourinho.

Orhan Boga

Andre Hippers: Zumindest hätten die Münchner bis Montag warten können. So wird die Aufgabe jetzt nicht leichter für Dortmund. Bei einem Trainerwechsel geht immer ein Ruck durch die Mannschaft. Als Trainer bist du in München auch immer ein Stück weit Marionette. Wenn du deine Philosophie durchziehst und dann die Ergebnisse nicht passen, wird es schnell kritisch. Dabei ist noch gar nicht viel passiert. In der Champions League steht Bayern exzellent da, in der Bundesliga ist auch alles offen. Da hätte man den Ball auch flach halten können.

Markus Krüchting: Finde ich nicht. Ich stehe zwar dafür, dass Trainer auch in einer kritischen Phase in Ruhe arbeiten sollten. Trotzdem glaube ich, ist diese Entlassung richtig. Es gab keinen dominanten Fußball mehr. Wer daran mehr Schuld trägt? Letztendlich bleibt der Trainer schwächstes Glied in der Kette. Auch beim Rekordmeister.

Orhan Boga: Dafür hatte ich das Gefühl, dass Niko Kovac nicht nur authentisch ist, sondern auch nah dran an der Mannschaft, kein Dirigent wie Mourinho. Aber Zeit bekommst du eben in München nicht, das ist korrekt. Ein Missverständnis war diese Liaison nicht, doch vielleicht kam der Schritt für Kovac etwas zu früh. Die Bosse mussten so entscheiden. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel in den nächsten Wochen.

Zum Beispiel das Topspiel gleich heute Abend. Wie geht es denn aus?

Markus Krüchting: Ich kann nicht anders und sage 3:1 für die Bayern.

Orhan Boga: Ich schließe mich da an. Es wird hochinteressant, aber immer noch in München gespielt. Deswegen gewinnen die Bayern mit 3:2.

Was sagt die Dortmunder Fraktion?

Dirk Bülbrun: Als BVB-Fan tippe ich auf einen 2:1-Auswärtssieg, obwohl ich nach dem Trainerwechsel bei den Münchnern eine deutliche Leistungssteigerung erwarte.

Hauptsache nicht schon wieder Angsthasenfußball.

Andre Hippers

Andre Hippers: Seit dem 3:2 gegen Inter bin ich wieder etwas optimistischer. Hauptsache, Dortmund spielt heute Abend nicht schon wieder solch einen Angsthasenfußball wie in den vergangenen Jahren in der Allianz-Arena. Mit einem Punkt wäre ich zufrieden und tippe auf 2:2.

Und die Gladbacher hoffen erst recht auf ein Unentschieden, oder?

Dirk Werenbeck: So ist es. 2:2 wird das heute Abend ausgehen. Das kann ich so bestätigen.

Sven Terglane: Zumindest kann in dieser Partie wirklich alles passieren. Dortmund spielt wieder besser als noch vor einigen Wochen. Bayern wird sich beweisen wollen. Ich glaube, dass München 3:2 gewinnt.

Wenn die Bayern wirklich siegen, dann bleibt die Borussia aus Mönchengladbach definitiv Spitzenreiter. Was sagt ihr zur neuen Spannung in der Bundesliga? Könnte die Saison sogar mit einem Überraschungsmeister enden?

Sven Terglane: Ich würde es mir wünschen, zumindest dass es bis zum Ende spannend bleibt. Wenn München, Dortmund und Leipzig konstant weiter Punkte herschenken und meine Borussia sich weiter oben hält, vielleicht wird es nach 43 Jahren wirklich mal was mit der Schale (lacht). Aber wenn ich die Sache realistisch betrachte, wird es der FC Bayern wohl machen.

Orhan Boga: Da darfst du von ausgehen. Und für mich darf es ruhig langweilig werden. RB und Gladbach kommen mit der Doppelbelastung nicht klar. Der BVB wird uns nur gefährlich, wenn er wirklich konstant ein hohes Level hält. Meister wird trotzdem der FC Bayern.

Ich sehe die Spannung eher als Schwäche.

Markus Krüchting

Dirk Werenbeck: Warten wir mal ab. Anfang Dezember kommen die Bayern ja nach Mönchengladbach. Das könnte dann wieder – so wie heute Abend – ein Topspiel werden.

Andre Hippers: Die Gladbacher haben diese Saison doch schon zwei Mal gegen den BVB verloren. Ich denke, da reicht die Qualität des Kaders in der Breite einfach nicht. Ob es für Dortmund besser aussieht? Die letzte Saison mit einem teilweise gigantischen Vorsprung hat gezeigt, dass es nur klappen kann, wenn du nie an Konstanz nachlässt.

Markus Krüchting: Alles schön und gut. Für die Fans ist eine spannende Liga top. Aber ich sehe es eher als Schwäche der großen Clubs, dass sie sich nicht zumindest ein wenig absetzen können. So spannend die Bundesliga sein mag, so sehr entfernt sich dann aber auch der deutsche Fußball von der internationalen Spitze.

Dirk Bültbrun: Endlich einmal Spannung. Ich finde es trotzdem wunderbar so. Und ich bin tatsächlich sehr gespannt, wer hinter dem BVB dann Zweiter wird.

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