Tennis: Spielverbot in der Halle
Neidische Blicke über die Landesgrenze

Gronau -

Man könnte sich wie ausgesperrt vorkommen. Während die Tennisspielerinnen und -spieler in Gronau und Umgebung zusehen und untätig bleiben müssen, wird wenige Kilometer entfernt munter gespielt Doch es geht den Vereinen nicht nur um den Sport.

Donnerstag, 11.02.2021, 17:20 Uhr
Was in Niedersachsen möglich ist, ist in Westfalen kategorisch verboten: Tennis in der Halle.
Was in Niedersachsen möglich ist, ist in Westfalen kategorisch verboten: Tennis in der Halle. Foto: Schaper

Es ist irgendwie wie im richtigen Leben. Neidisch gehen die Blicke in die Nachbarschaft. Nicht wegen eines neuen Autos oder eines neuen Gartenmöbels. Der Blick der Tennisspieler geht traurig über die Landesgrenze, weil im benachbarten Niedersachsen dem Hobby mit Racket und Filzkugel in der Halle nachgegangen werden darf. Nach wie vor. Anders als in Westfalen.

„Da kann man auf jeden Fall neidisch werden“, räumt Klaus Pölling ein. „Im Einzel stehen die Spieler doch so weit auseinander. Zudem trifft man sich dabei nur mit der einen erlaubten Kontaktperson“, empfindet der Presse- und Sportwart des TC GW Schöppingen die unterschiedliche Regelung „mehr als ärgerlich.“

Jenseits der Landesgrenze sieht es für den Tennissport besser aus. Beispielsweise in Bad Bentheim, beim TV Sparta Nordhorn oder in Schüttorf. Natürlich auch in Osnabrück. Längst scheuen nicht wenige eine Anreise von über 50 Kilometern, um auch aus Warendorf oder Münster einmal pro Woche nach Haste oder Hasbergen zu fahren – um dort zu spielen. Wer nicht mit Weitblick bucht, wartet inzwischen schon mal drei Wochen auf einen freien Platz – und ein ersehntes Spielerlebnis.

Volle Tennishallen im benachbarten Bundesland

„Ich kenne mindestens zwei Mitglieder aus unserem Verein, die sich auch schon mal sonntags auf den Weg nach Osnabrück gemacht haben. Aber inzwischen ist es schwierig, einen Platz zu bekommen. Selbst die späten Abendstunden sind oft weg“, berichtet Klaus Pölling. Des einen Leid, ist des anderen Freud. Denn auch die neue Form des Tennis-Tourismus sorgt im benachbarten Bundesland für volle Hallen und ebenso gefüllte Kassen. Anders als in Gronau und Umgebung.

Wir können es nicht ändern.

Christian Bauer, 1. Vorsitzender des TV Grün-Gold Gronau

Christian Bauer hat derweil auch schon den Weg über die Grenze gesucht und in Bad Bentheim gespielt. „Inzwischen muss man durchaus vier Wochen warten, bis man einen Platz buchen kann. Die Hallen in Niedersachsen werden sehr gut frequentiert“, gesteht der Vorsitzende des TV Grün-Gold Gronau wohl auch ein Stück weit neidisch, ehe er ergänzt: „Es ist schwer zu verstehen, aber wir müssen das akzeptieren und das Beste daraus machen. Wir können es nicht ändern.“

Das weiß ebenso Manfred Hinrichsen : „Viele Mitglieder möchten liebend gerne spielen.“ Zumal Einzel doch unbedenklich seien, sagt der Geschäftsführer des TV BW Epe . Neidisch ist auch er – auf seine Tochter. Die wohnt in Winterberg und spielt im nahen Hessen. Dort sowie in Niedersachsen wurden bislang erfolgreich und ohne große Zwischenfälle Einzel in der Halle gespielt. Die unterschiedliche Handhabung ist schwer zu vermitteln.

Der Verband müsste doch mehr Gewicht haben

Manfred Hinrichsen, Geschäftsführer des TV BW Epe

Der Tennissport hat offenbar keine Lobby bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung. „Der Verband müsste doch mehr Gewicht haben“, wundert sich wohl nicht nur Hinrichsen. Auch eine von den NRW-Tennisverbänden unterstützte Klage vor dem OVG Münster gegen das Verbot von Hallentennis hatte im Dezember keinen Erfolg. „Eine Lösung muss schnell her“, fordert weiterhin Robert Hampe. Der WTV-Präsident liegt damit auf einer Wellenlänge mit dem neunen DTB-Präsidenten Dietloff von Arnim: „Wir müssen deutlich machen, dass wir Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sind. Von einem normalen Einzelspielbetrieb im Tennis geht keine Gefahr aus.“

Dabei bleibt ja nicht allein der sportliche Aspekt für die Clubs. Ob Vereinshalle oder kommerzielle Spielstätte – es fehlen Einnahmen. Ob Abos oder Einzelbuchungen. In Schöppingen sind sie vorbereitet. Als im Frühjahr des vergangenen Jahres „nur“ vier bis sechs Wochen nicht gespielt werden durften, verzichteten viele Mitglieder auf die Erstattung der Hallen- und Platzmiete. „Wir warten jetzt die Winter-Saison ab, stellen dann eine separate Rechnung über die tatsächlich gespielten Stunden. Die Differenz zur Rechnung, die wie üblich vor Beginn der Winterrunde gestellt wurde, wird erstattet“, haben sich die Grün-Weißen laut Klaus Pölling schon Gedanken gemacht. Den wirtschaftlichen Ausfällen steht man auch in Schöppingen ohnmächtig gegenüber. „Das interessiert niemanden“, klagt Pölling.

TV BW Epe erwartet 15000 Euro Mindereinnahme

Ähnlich wird auch in Epe verfahren. Unter Abzug der wenig gespielten Stunden wird der Rest des zu Saisonbeginn gestellten Rechnungsbetrags erstattet. „Es bricht eine Menge weg. Ich schätze mal etwa 15 000 Euro“, beziffert Hinrichsen das Minus in der Vereinsschatulle. In einem Brief an die Mitglieder, der gerade in Vorbereitung ist, wir er über das Prozedere informieren.

Noch nicht abschließend beurteilt haben sie beim TV Grün-Gold in Gronau den Umgang mit den (nicht genutzten) Abos. „Wir hoffen aber auf das Entgegenkommen unserer Mitglieder“, sagt Christian Bauer.

Überlegungen und Probleme, die es im benachbarten Bundesland nicht gibt.

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