Fußball: Ex-Schöppinger Andreas Hemsing ist heute Bundesvorsitzender einer Gewerkschaft
Als die Hosen deutlich kürzer waren

Schöppingen/Gescher -

Für den früheren Oberligafußballer des ASC Schöppingen und Preußen Münster und späteren sportlichen Leiter des Landesligisten Eintracht Ahaus hatte der Fußball immer einen besonderen Stellenwert. Heute ist Andreas Hemsing nicht nur Bundes-, sondern auch Landesvorsitzender der komba gewerkschaft NRW. Die Erinnerungen an den Fußball sind aber noch immer präsent und willkommen.

Dienstag, 06.04.2021, 17:46 Uhr aktualisiert: 07.04.2021, 07:40 Uhr
Fußball: Ex-Schöppinger Andreas Hemsing ist heute Bundesvorsitzender einer Gewerkschaft: Als die Hosen deutlich kürzer waren
Foto: sh

„Nach zähen und intensiven Diskussionen sind die Redaktionsverhandlungen erfolgreich zu Ende gegangen. Die strittigen Punkte konnten ausgeräumt werden. Der Abschluss ist ein wichtiges und notwendiges Signal an die Beschäftigten im öffentlichen Dienst.“ Das sind Sätze, die würde man im ersten Augenblick nicht einem Fußballer zuschreiben. Doch genau so wird Andreas Hemsing zitiert, ehemaliger Spieler des Oberligisten ASC Schöppingen und späterer Spielertrainer der Grün-Weißen.

Die Betonung liegt hier natürlich auf „ehemalig“. In dieser Weise geäußert hat sich Hemsing im März als Bundesvorsitzender der komba gewerkschaft. Damit bezog sich der Gescheraner auf eine Einigung in der Tarifrunde für Beschäftigte von Bund und Kommunen.

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Andreas Hemsing

Andreas Hemsing Foto: Markus Klügel

Als früherer Oberligafußballer des ASC Schöppingen und Preußen Münster und später auch Sportlicher Leiter beim Landesligisten Eintracht Ahaus kamen eher Statements zu sportlichen Belangen über Hemsings Lippen. Damals hatte der Fußball einen anderen Stellenwert für den gebürtigen Emsdettener, der heute nicht nur Bundes-, sondern auch Landesvorsitzender der komba gewerkschaft NRW ist und etliche weitere gewerkschaftliche Ämter auf Bundes- und Landesebene bekleidet.

Sein Interesse am Fußball hat Andreas Hemsing aber nie verloren, die Erinnerungen daran auch nicht. Wird er nach den Fixpunkten seiner sportlichen Vita befragt, muss der 56-Jährige kaum nachdenken, wann er wo gespielt hat. Das meiste kommt wie aus der Pistole geschossen. Dabei hat er in seiner beinahe 20-jährigen Karriere als Fußballer in meist höheren Ligen einiges erlebt.

„Und wenn man sich die Geschichten bei irgendwelchen Ehemaligentreffen erzählt, dann sind sie heute meistens besser, als sie live wirklich waren“, weiß der Gewerkschafter nur zu gut, dass manchmal nur ein kleiner Schritt zwischen Wahrheit und Legende liegt.

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Andreas Hemsing

Andreas Hemsing Foto: sh

Als legendär bezeichnet der Gescheraner allerdings seinen Physiotherapeuten Josef „Jupp“ Paries, der ihn – egal bei welchem Wehwehchen – gut durch seine Zeit als Fußballer gebracht hat. Der Kontakt ist nie abgerissen. „Das waren nicht nur Zerrungen, aber zum Glück nie Brüche oder Ähnliches. Aber Josef hat mich immer wieder hingekriegt. Allerdings spielte man früher ja auch mit einem Bänderriss weiter. Der wurde getapt und das war‘s“, erzählt Hemsing.

Mit dem Wechsel vom SC Nordwalde nach Emsdetten, wo er in der B-Jugend in der höchsten deutschen Jugendliga spielte, begann 1982 seine Karriere. Als die Preußen aus Münster ihn holten, gab es für den Rechtsfuß, der es auch mit dem anderen gut kann, kein Halten mehr. „Günther Exner hat mich zuerst im Angriff aufgestellt. Helmut Horsch hat mich danach zum Innenverteidiger gemacht, bis ich dann auf der linken Seite gelandet bin. Damals gab es ja immer Pärchenbildung auf den Flügeln. Ich spielte mit Uwe Pieper zusammen auf der linken Seite. Ich war ja beidfüßig“, erinnert sich Hemsing.

Oberligist ASC Schöppingen

Oberligist ASC Schöppingen

Dann kam der Wechsel 1987 nach Schöppingen. „Vor einem Spiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft – wir spielten mit Münster gegen Bayern Münchens Amateure – bekam ich im Hotel einen Anruf von Heinz Tummel. Er wüsste ja, dass ich für die nächste Saison in Münster noch nicht zugesagt hätte. Ob ich nicht beim ASC spielen wolle. Ein Freund aus Emsdettener Zeiten, Reinhard Kloppenborg, spielte zu dem Zeitpunkt schon in Schöppingen. Der hat mich mehr oder weniger dorthin gelockt. Fünf Jahre bin ich in Schöppingen geblieben und habe unter Trainer Bernard ,Ennatz` Dietz gespielt“, blickt Hemsing an die Zeit beim ASC zurück.

Nach einigem Gerangel mit den Münsteranern um die Freigabe stand Hemsing am 9. August 1987 zum Saisonauftakt doch auf dem Platz. Die Dietz-Schützlinge holten ein 1:1 beim FC Gütersloh.

Am 27. Mai 1990 wurden die Schöppinger mit Andreas Hemsing als Mannschaftskapitän Westfalenpokalsieger. Gegen den DSC Wanne-Eickel gelang nach Treffern von Meinolf Reichel, Olaf Jablonowski, Klaus Zumbülte, Andreas Richler und nochmals Reichel ein triumphaler 5:0-Erfolg.

Andreas Hemsing als Mannschaftskapitän des ASC Schöppingen mit dem Westfalenpokal.

Andreas Hemsing als Mannschaftskapitän des ASC Schöppingen mit dem Westfalenpokal. Foto: aho

Damit nahmen die Fußballer aus der kleinen Vechtegemeinde an der Hauptrunde im DFB-Pokal teil. Nur knapp mit 1:2 unterlagen sie vor fast 5000 Zuschauern Eintracht Frankfurt mit den beiden Weltmeistern Andreas Möller und Uwe Bein. Vize-Westfalenmeisterschaft und die Teilnahme an der deutschen Amateur-Meisterschaft folgten 1991. Glorreiche Zeiten. Andreas Hemsing erinnert sich gerne.

Aus dem vielen Sport von damals ist heute weniger geworden. „Eigentlich nix, Tennis, ein bisschen Rad fahren“, sagt er. In seiner ehemaligen Heimat Nordwalde schaut er regelmäßig noch vorbei. „Meine Eltern und meine Schwester leben dort.“ Altherrenfußball mit 32-Jährigen, darauf habe er keine Lust. Das seien ungleiche Waffen, denn „der legt den Ball an mir vorbei und rennt hinterher“, kann und will der 56-Jährige nicht mitmachen

 

ZUR PERSON

Andreas Hemsing wurde 1964 in Emsdetten geboren, ist aber in Nordwalde aufgewachsen und machte seine ersten Schritte im Fußball beim SC Nordwalde. Hemsing ist verheiratet, hat drei Kinder und ist Vorsitzender der Gewerkschaft Komba, die sich um die Belange von Beamten und Beschäftigten von Kommunen kümmert.

Im zweiten B-Jugendjahr zog es den Nordwalder weg vom SCN nach Emsdetten zum SV Borussia, wo er im zweiten A-Jugendjahr zum Senior erklärt wurde und dann in der Landesliga spielte. 1984 wechselte Hemsing zu Preußen Münster und im Sommer 1987 zum ASC Schöppingen, wo er fünf Jahre lang blieb und unter Europameister Bernard Dietz als Trainer spielte. Mit 27 Jahren wurde er danach Spielertrainer bei Borussia Emsdetten, ging aber schon nach einem Jahr „aus persönlichen und beruflichen Gründen“ zu Eintracht Ahaus, wo er weitere vier Jahre als Spielertrainer agierte. Mit Ahaus stieg Hemsing 1994 in die Landesliga auf.

Andreas Hemsing

Andreas Hemsing Foto: sh

Ab 1996 war er als Nachfolger von Guido Berlekamp für weitere fünf Spielzeiten und insgesamt 146 Punktspiele als Spielertrainer beim Landes- und Bezirksligisten ASC Schöppingen am Ball.

Mit 35 Jahren war Hemsing immer noch als Spielertrainer aktiv, zog sich dann aber vom aktiven Fußball zurück und wurde Sportlicher Leiter beim Landesligisten Eintracht Ahaus.

Von 2004 bis 2008 reizte das Traineramt nochmals, Hemsing schloss sich GW Lünten an.

Aktuell wohnt Andreas Hemsing in Gescher.

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