Tischtennis: Jugendtrainer ist 90 Jahre alt
Unersetzliche Erfahrung für Westfalia Senden

Senden -

Michael Last, die Cornelissen-Schwestern Lena und Larissa . . . das sind nur einige Namen von in der Region bekannten Spielern, die einst bei Gerd Schüttpelz ihre ersten Ballwechsel einübten. Er ist noch heute Nachwuchstrainer – mit nun 90 Jahren.

Mittwoch, 20.02.2019, 17:30 Uhr
Jeden Dienstag und Donnerstag trainiert er den Nachwuchs und greift dann noch selbst zum Schläger: Der 90-jährige Gerd Schüttpelz, hier mit weiteren Jugendtrainern und Spielern von Westfalia Senden – Tim Raschke (v.l.), Hanna und Felix Möller (vorne), Aaron Reckmann, Michael Last, Peter Lange, Felix Behrens, Christoph Scheuner, Sara Dresselhaus und Felix Hake.
Jeden Dienstag und Donnerstag trainiert er den Nachwuchs und greift dann noch selbst zum Schläger: Der 90-jährige Gerd Schüttpelz, hier mit weiteren Jugendtrainern und Spielern von Westfalia Senden – Tim Raschke (v.l.), Hanna und Felix Möller (vorne), Aaron Reckmann, Michael Last, Peter Lange, Felix Behrens, Christoph Scheuner, Sara Dresselhaus und Felix Hake. Foto: Christian Besse

„Ruhig, nicht so überhastet . . .“, ruft der ältere Mann, der am Rand der Sporthalle auf einem Stuhl sitzt, einem der beiden Jugendlichen zu, die sich an einer Tischtennisplatte die Bälle zuspielen. Der Mann, stolze 90 Jahre alt, ist nicht etwa ein Großvater eines der beiden Spieler, sondern einer der Jugendtrainer von Westfalia Senden – Gerd Schüttpelz.

Der erfahrene Sportler, der vor wenigen Tagen sein neuntes Lebensjahrzehnt vollendet hat, ist fast so lange Trainer wie Spieler. 1974 trat der gebürtige Pommerner der Westfalia bei und machte kurz darauf seinen Trainerschein. Seitdem sind Generationen von Spielern bei ihm durch ihre ersten Lehrjahre an der Platte gegangen – unter ihnen waren Michael Last, der heute immer noch für seinen Heimatverein spielt (aktuell in der Bezirksliga ), und die Cornelissen-Schwestern Lena und Larissa, die heute für BW Ottmarsbocholt in der Oberliga aufschlagen.

Dabei kam Schüttpelz zum Tischtennis erst spät und ganz zufällig. Zwar hatte er schon als Schüler auf dem Pausenhof den kleinen Ball übers Netz gebracht, seine erste Leidenschaft war aber eine andere: „Ich war 20 Jahre Handballer“, erzählt der Sendener. Von 1947 an ging er für OTB Oldenburg und später für Tura 76 Oldenburg auf Torejagd. In der niedersächsischen Stadt hatte er sein erstes Zuhause gefunden, nachdem er seine pommersche Heimat nach dem Krieg hatte verlassen müssen.

1969 zog er mit Frau und kleiner Tochter nach Senden, wo er Jahre später ein Haus für seine Familie erwarb. Dies zeigte bald einige kleiner Mängel, und Klaus Kuhlmann , Schwiegersohn des vorherigen Hausbesitzers, schaute bei Familie Schüttpelz vorbei, um die Mängel in Augenschein zu nehmen. Dabei sah Kuhlmann, Mitbegründer von Westfalia, die Tischtennisplatte im Keller, die Gerd Schüttpelz gekauft hatte, um mit seiner damals sechsjährigen Tochter regelmäßig Bälle wechseln zu können. Der Gast probierte die Platte gleich selbst aus, gemeinsam mit dem Hausherrn. „Meine Güte, Sie können ja richtig gut spielen. Kommen Sie doch bei uns vorbei . . .“, erinnert sich Schüttpelz an die Reaktion Kuhlmanns.

Die Kinder und Jugendlichen hören noch heute auf seine Ratschläge.

Stephan Heuer aus dem Vorstand von Westfalia Senden

Er nahm die Einladung an, und kam wenig später in die Halle der Bonhoefferschule (das Sportgelände an der Bulderner Straße existierte noch nicht). „Ich kam dort langsam in das Tischtennis wieder rein, und wurde bald auch in die Mannschaft aufgenommen.“ Das war aber nicht die „erste“, betont der 90-Jährige: „Ich selbst war nie ein hervorragender Spieler. Ich bin immer nur für die vierte, fünfte oder sechste Mannschaft angetreten.“

Anders als seine Tochter: Silke Schüttpelz, die im heimischen Keller erstmals den Schläger in die Hand genommen hatte, folgte ihrem Vater zur Westfalia. Dort schlug sie später für die erste Damenmannschaft auf. Inzwischen wohnt sie aber nicht mehr in der Stevergemeinde, sondern hat Senden verlassen, um eine eigene Familie zu gründen.

Von den Trainerqualitäten ihres Vaters profitiert der Verein aber bis heute. „Gerd hat jahrzehntelange Erfahrung und ein geschultes Auge“, sagt Stephan Heuer vom Vorstand der Westfalia und Spieler der zweiten Mannschaft (aktuell 1. Kreisklasse). „Die Kinder und Jugendlichen hören noch heute auf seine Ratschläge.“ Für den Verein sei er aber auch menschlich wichtig: „Er ist ein Bindeglied zwischen den jüngeren Spielern.“

Die sportliche Erfahrung und die menschlichen Fähigkeiten des 90-Jährigen machen ihn unersetzlich für den Verein. Heuer: „Man kommt zum Training in die Halle und sieht dort schon seinen Elektroroller stehen. Das ist ein gutes Gefühl.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6406379?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35339%2F
Nähe zum Sport bleibt im Dunkeln
Im Zuge des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs an zwei Kindern wird auch die Nähe des Beschuldigten zum Sport diskutiert. Hier eine Beispielszene eines A-Jugendspiels aus Karlsruhe.
Nachrichten-Ticker