Extreme Wetterlage
Hitzebeständig – Sportler trotzen Temperaturen

Lüdinghausen -

Bei 35 Grad und mehr sucht man sich idealerweise ein schattiges Plätzchen und streckt alle Viere von sich. Nur ticken Leistungssportler eben etwas anders. Wie genau? Wir haben uns in Lüdinghausen und Umgebung umgehört.

Dienstag, 25.06.2019, 19:00 Uhr
Zur Abkühlung einfach mal kurz den Kopf ins Wasser stecken: Darauf schwört nicht nur der Lüdinghauser Triathlet Peter Weiß, sondern auch dieser junge Fußballer.
Zur Abkühlung einfach mal kurz den Kopf ins Wasser stecken: Darauf schwört nicht nur der Lüdinghauser Triathlet Peter Weiß, sondern auch dieser junge Fußballer. Foto: rau

Frühes Aufstehen ist Jil-Marielle Becks (RV Lüdinghausen) gewohnt. Schließlich wollen die Pferde auf dem elterlichen Hof in Ottmarsbocholt bewegt, gefüttert und bei Laune gehalten werden. Bei Temperaturen um die 35 Grad muss die zweifache U25-Dressur-Europameisterin aber noch früher raus als üblich. „Um 4 Uhr klingelt der Wecker“, berichtet die 21-Jährige. Knapp sechs Minuten – so lange dauert ein Grand Prix – zu reiten, oft genug in der mittäglichen Gluthitze, sind auch für eine junge, gesunde Leistungssportlerin nicht ohne. Noch mehr aber habe sie das Wohl ihrer Vierbeiner im Blick: „Deshalb beginnen wir an Tagen wie diesen zwei Stunden eher mit dem Training.“ Bei ganz ex­tremen Temperaturen lasse sie auch mal eine Übungseinheit aus – „alles andere wäre Tierquälerei“.

Eine Übungseinheit auslassen? Für Michael Schnaase keine Option. Wir erreichen den Chef der Badminton-Abteilung des SC Union Lüdinghausen beim Training der Elf- bis 14-Jährigen. In der Halle ist es nur unwesentlich kühler als im Freien, die Luft im Zweifel noch etwas verbrauchter. „Natürlich machen die Jugendlichen häufiger Pausen und trinken noch mehr als üblich.“

Muskeln vorgewärmt

Das Wetter habe aber auch sein Gutes: „Muskelverletzungen gibt es so gut wie gar keine, da der Körper entsprechend aufgewärmt ist.“ Und: „Für die, die später mal an großen internationalen Turnieren teilnehmen wollen, ist das ein guter Test. In Asien sind die klimatischen Bedingungen bekanntlich noch viel extremer.“

Gleiches gilt für Hawaii, wo alljährlich der Weltmeister im Triathlon gekürt. Peter Weiß nimmt im Herbst zum vierten Mal an der WM im Zentralpazifik teil. Simulieren lasse sich dieser Wettkampf in Lüdinghausen und Umgebung aber nicht. Zum einen kommen die berüchtigten Mumuku-Winde in der Heimat nun mal nicht vor. Zum anderen „nutzt mir die extreme Hitze hierzulande im Juni als Vorbereitung auf Hawaii wenig, da es bis zur Weltmeisterschaft noch fast vier Monate sind.“

Tempo drosseln

Also reduziert der Unionist in der bis dato wärmsten Woche des Jahres lieber die enormen Trainingsumfänge. Schwimmen und Radfahren – Stichwort Fahrtwind – seien kein Problem. Aber beim Laufen seien schon ein paar Sachen zu beachten: Tempo drosseln, kürzere Distanzen, helle Kleidung, Schirmmütze auf, Sonnenbrille zum Schutz der Augen. Und die passende Strecke auswählen. Er sei fast immer in Kanalnähe unterwegs. „Da kann ich notfalls kurz den Kopf ins Wasser stecken“, lacht der hitzebeständige Triathlet.

Hobbyathleten gefährdeter als Profis

Um das Wohlbefinden der hiesigen Triathleten, Reiter und Badmintonspieler macht sich Dr. Rainer Drerup keine Sorgen: „Das sind Leistungssportler. Die kennen in den meisten Fällen ihren Körper und wissen genau, was sie ihm zumuten können.“ Anders sehe es bei Neu- und Wiedereinsteigern aus. Die sollten, „erst recht wenn sie gesundheitlich vorbelastet sind, im Zweifel einen Arzt konsultieren, ehe sie bei 30 Grad und mehr ihrem Hobby frönen“. Wolle jemand seine Pfunde beim Joggen loswerden, sei dafür gerade jetzt ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Nicht nur die Temperaturen setzten Herz und Kreislauf zu, sondern auch die erhöhten Ozonwerte. „Sportliche Betätigungen deshalb bitte nur in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend“, rät der Allgemeinmediziner aus Lüdinghausen. Klassischer Anfängerfehler: Leitungswasser trinken. „Dem Körper wird bei Hitze viel Salz entzogen. Da helfen nur natriumhaltige Getränke“, so Drerup.

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