Fußball: Landesliga 4
Beredtes Schweigen – VfL Senden entlässt André Bertelsbeck

Senden -

Der VfL Senden und André Bertelsbeck gehen ab sofort getrennte Wege. Die Gründe für den Rauswurf liegen nicht so sehr im sportlichen Bereich. Vielmehr war das Verhältnis zwischen Cheftrainer und sportlichem Leiter schwer belastet.

Dienstag, 17.12.2019, 13:11 Uhr aktualisiert: 19.12.2019, 06:59 Uhr
Zweieinhalb Jahre war André Bertelsbeck – zunächst gemeinsam mit Rainer Leifken – im Sportpark tätig. Jetzt hat sich der Vorstand vom Coach getrennt.
Zweieinhalb Jahre war André Bertelsbeck – zunächst gemeinsam mit Rainer Leifken – im Sportpark tätig. Jetzt hat sich der Vorstand vom Coach getrennt. Foto: flo

Fußball-Landeligist VfL Senden hat Cheftrainer André Bertelsbeck mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Hauptgrund für die Entlassung sind nicht etwa sportliche Misserfolge (die man dem Geschassten auch kaum vorwerfen kann) oder atmos­phärische Störungen zwischen Bertelsbeck und (Teilen) der Mannschaft. Vielmehr war das Verhältnis zwischen dem Coach und dem sportlichen Leiter des VfL, Taylan Berik , schwer belastet. Bis auf Weiteres übernimmt Co-Trainer Rabah Abed, seit Kurzem B-Lizenz-Inhaber, den Posten des Geschassten.

In einer Pressemitteilung von Dienstag räumen die VfL-Verantwortlichen bemerkenswert offen ein, dass „die Kommunikation zwischen dem Trainer und der sportlichen Leitung massiv gestört“ gewesen sei. Der Vorstand erachte daher „eine weitere Zusammenarbeit in den kommenden sechs Monaten als nicht zielführend“. Ursprünglich hatte der Abteilungsvorsitzende Gerd Buchholz Bertelsbeck vor drei Wochen mitgeteilt, dass das Vertragsverhältnis erst im Sommer ende. „Ich hätte das gerne auch bis zum Saisonende durchgezogen“, erklärt der Ex-Coach.

„Im Nachgang“, so Berik, seien Buchholz, er, Geschäftsführer Michael Matte und der erste Kassierer Robin Wollny aber übereingekommen, dass eine weitere Zusammenarbeit für zu viel Unruhe gesorgt und die sportlichen Ziele in der Rückrunde womöglich gefährdet hätte.

Streit eskaliert mit Abed-Berufung

Offen zutage getreten war der Konflikt im Herbst, als Abed den Vertrauten des Trainers, An­dreas Bopp, als Assistenzcoach ablöste. Bertelsbeck war dagegen: „Nicht weil ich etwas gegen Rabah hätte, sondern weil ich jemanden neben mir auf der Bank haben wollte und keinen spielenden Co-Trainer.“ Außerdem missfiel ihm, wie, erstens, Berik mit Bopp umgesprungen sei („eine Mitteilung per Whats­App – geht gar nicht“) und er selbst, zweitens, vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei: „Taylan hat im Kreise der Mannschaft die Entscheidung kundgetan, ohne mich vorher zu informieren.“

Der sportliche Leiter mag sich dazu nicht äußern, um „kein zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen“. Zudem sei der Entschluss, den Coach abzulösen, „kein Alleingang von mir gewesen, sondern eine gemeinsame Entscheidung des Vorstands“.

Einen Kandidaten für die dauerhafte Bertelsbeck-Nachfolge habe er nicht an der Hand, beteuert Berik. Es sei eine Sache des Umgangs, nicht mit einem künftigen Trainer zu verhandeln, während der alte noch in Amt und Würden ist. Wie lange Abed den Chefposten ausüben werde, sei völlig offen.

Kommentar: Schlecht kommuniziert

Das Verhältnis zwischen Trainer und sportlichem Leiter war wohl nicht mehr zu kitten. Insofern ist der Rauswurf von André Bertelsbeck letzten Endes konsequent. Andernfalls hätte Taylan Berik (der sich, das nur nebenbei, über die Jahre zweifelsfrei um den Verein verdient gemacht hat) seinen Hut nehmen müssen. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass man den Konflikt eleganter hätte lösen können. Dass einem die Nase des anderen nicht passt, kommt in fast jedem Arbeitsverhältnis vor. Von Entscheidungsträgern bei einem Landesligisten darf man aber schon so viel Professionalität erwarten, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen – und zwar bevor die Dinge eskalieren. Reden hilft. (Florian Levenig)

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