Handball: Corona
ASV-Chef Jungblut: Scheingeschenk der Landesregierung“

Senden -

Theoretisch darf bereits in anderthalb Wochen wieder Handball gespielt werden. Ob sie sich beim ASV Senden darüber freuen? Mitnichten. Abteilungsleiter Jochen Jungblut sieht die Basis im Stich gelassen – und lässt kein gutes Haar an den NRW-Vorgaben.

Mittwoch, 20.05.2020, 17:40 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 15:16 Uhr
Kontaktverbot? Im Handball eher schwierig, wie diese Aufnahme von ASV-Mann Hendrik Hüging belegt.
Kontaktverbot? Im Handball eher schwierig, wie diese Aufnahme von ASV-Mann Hendrik Hüging belegt. Foto: flo

Den Beschluss der NRW-Landesregierung, ab dem 30 Mai den nicht-kontaktfreien Amateursport auch in Hallen wieder zuzulassen, kommentiert Prof. Jochen Jungblut mit deutlichen Worten. „Eine gute Entscheidung aus Düsseldorf? Leider nein“, findet der Vorsitzende der Handballabteilung des ASV Senden . „Nach wie vor befinden wir uns am Anfang einer Pandemie – einer Krankheit, die in hohem Maße infektiös ist und Menschen weltweit bedroht“, so Jungblut. Bei jedem fünften Betroffenen träten Komplikationen auf, die hochdramatisch sein können. Ein Impfstoff sei in naher Zukunft nicht verfügbar. Wirksame Medikamente würden erst noch getestet.

Handball sei aber nun mal „ein Sport, der mit einem ständigen, intensiven Körperkontakt einhergeht. Es gehört dazu, sich physisch zu behaupten, zu berühren, anzufassen und wegzudrängen. Die permanente räumliche Nähe führt unvermeidlich dazu, dass man mit dem Schweiß von Mit- und Gegenspielern in Berührung kommen“, erörtert Jungblut. Das Einhalten der Abstandsvorgaben von 1,5 Metern, eine Desinfektion des Balls, aber auch aller anderen Geräte sei mit der Idee des Handballs schlicht nicht vereinbar.

Vereine geraten in Erklärungsnot

„Unsere Trainer sind Ehrenamtler, deren Belastungsgrenze schon im normalen Betrieb erreicht ist. Die zusätzlichen Vorgaben werden sie nicht auch noch umsetzen können“, betont der ASV-Chef. Es sei daher „ein Scheingeschenk, das uns die Landesregierung serviert“. Denn: „Nutzen wir die vorgeschlagenen Möglichkeiten nicht, geraten wir gegenüber Spielern und Mitgliedern in Erklärungsnot. Deren Enttäuschung ist vorprogrammiert, schlimmstenfalls wenden sie sich von uns ab.“

Nehme der ASV indes das Angebot der NRW-Regierung wahr, „wird uns im Falle von Infektionen unter Umständen unterstellt, dass wir die Hygieneregeln nicht korrekt befolgt haben“. Die Landesregierung mache es sich zu einfach: „Sie lässt den Sport zu und beruft sich dabei auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Verantwortung schiebt sie aber der Basis zu. Am Ende haben dann wir Funktionäre, die Trainer und die Übungsleiter versagt.“ Auch andere Fragen blieben unberücksichtigt: „Was geschieht, wenn sich ein Kind im Training infiziert hat, die Familie ansteckt und womöglich gesundheitliche wie materielle Schäden entstehen? Wer haftet? Der Trainer? Der Verein? Was ist mit den Betreuern? Wollen sie überhaupt aktiv werden? Wer schützt sie? Noch mal: Wir reden über Ehrenamtliche!“

Wie man es drehe und wende: „Die Entscheidung des Landes ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchdacht. Sie ist vor allem eines: populistisch. Unser dringender Wunsch an die Politik wäre, erst eine vernünftige Basis zu schaffen.“ Das Wohl von Nachwuchs und Erwachsenen bleibe ein hohes Gut – und dürfe nicht in der Weise auf der Strecke bleiben.

Kein Training bis zu den großen Ferien?

Der Trainingsbetrieb beim ASV werde „vermutlich bis zu den Sommerferien nicht in Erwägung gezogen“, teilen die Handballer mit. Darüber hinausgehende Einschätzungen seien derzeit nicht möglich. In Einzelfällen würden Angebote für den Außenbereich respektive Heimübungen gemacht. Zudem erarbeiteten die Coaches Ideen für Videotraining, Partnerlektionen und mehr. Auf Kreis- und Verbandsebene wollen die Sendener 2020/21 insgesamt 14 Nachwuchsteams melden: Flaggschiff ist die U19 (Ober- oder Verbandsliga).

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