Fußball: Altkreis-Serie
Union Lüdinghausen wie ein gutes Pferd

Lüdinghausen -

In Corona-Zeiten dürfen fünf Spieler je Mannschaft ausgetauscht werden. Vor einem guten halben Jahrhundert war das noch ganz anders. Sehr zum Leidwesen des SV Fortuna Seppenrade. Union Lüdinghausen legt eine Punkt-Landung hin.

Montag, 01.06.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 18:06 Uhr
Meister der Bezirksklasse 1966 (o.v.l.): Bernd Hiegemann, Heinz Bieberneit, Josef Krey, Ferdi Ambrosi, Manfred Zakrzewski, Manfred Fritsch, Hans-Walter Growe, Karl-Heinz König, Theo Krey, Bernhard Malkemper, Heinz Weiland; (M.v.l.) Alfons Baumeister, Werner Langenkämper, Anton Richter; (u.v.l.) Ewald Hecker, Leuthold Lezius, Günther Gogräfe, Walter Möllerfeld und Uwe Kausche. Foto: Union Lüdinghausen
Meister der Bezirksklasse 1966 (o.v.l.): Bernd Hiegemann, Heinz Bieberneit, Josef Krey, Ferdi Ambrosi, Manfred Zakrzewski, Manfred Fritsch, Hans-Walter Growe, Karl-Heinz König, Theo Krey, Bernhard Malkemper, Heinz Weiland; (M.v.l.) Alfons Baumeister, Werner Langenkämper, Anton Richter; (u.v.l.) Ewald Hecker, Leuthold Lezius, Günther Gogräfe, Walter Möllerfeld und Uwe Kausche. Foto: Union Lüdinghausen

Die Ersatzbank ist Mitte der 60er Jahre ein Fremdwort. Auf dem Spielbericht stehen elf Namen pro Mannschaft. Auswechseln ist nicht vorgesehen. Und das spielt gleich zwei Mal eine wichtige Rolle.

1965 liefern sich der SV Herbern und Fortuna Seppenrade ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Obwohl die Herberner daheim 5:1 gewinnen und aus dem Rosendorf mit einem 2:2-Remis heimkehren, müssen sie am Ende der Saison Fortuna Seppenrade den Vortritt lassen. Beide Teams haben zwar 41:11 Punkte, die Fortunen aber das bessere Torverhältnis. Ja, auch das gab es. Die gegnerischen Tore wurden nicht von den erzielten Treffern abgezogen. Bevor die Strichrechnung bei den Kickern eingeführt wurde, war die Punktrechnung gefragt. Fortuna kam bei 79:36 Toren auf 2,194, der SV Herbern bei 73:35 auf 2,086. Nur: Am Ende der Saison zählten nur die Punkte, SVH und Fortuna trafen sich zum Showdown am Nordkirchener Schloss.

Vor 1200 Zuschauern greift das fehlende Auswechselrecht ins Spielgeschehen ein. Fortunas Olbrich verletzt sich nach einer Viertelstunde und gibt nur noch den Statisten. Herbern siegt durch Treffer von Kalla Strunk und Wolfgang Jahnke mit 2:1, Hubert Tintrup gelingt der Ehrentreffer. Die Herberner sind insgesamt das reifere Team und nach dem Aufstieg für ein Jahr aus 1960 nun so weit gereift, dass sie länger in der Bezirksliga bleiben.

Union Lüdinghausen profitiert aus einem anderen Grund von der fehlenden Auswechselmöglichkeit. Unzufriedene Selmer, die bei BV nicht zum Zuge kommen, wechseln zu den Steverstädtern. Sie werden vom Selmer Heinz Bieberneit trainiert. Er feilt mit den Spielern das WM-System aus. Vor einem Ausputzer spielen zwei Manndecker, zwei Läufer, zwei Halbstürmer und drei Angreifer. Neben der tollen Kameradschaft nennen Unions erste Landesliga-Aufsteiger besonders den Trainerfuchs als Grund für die Überlegenheit.

Einige Spieler scheinen das aufgesaugt zu haben. Bernd Hiegemann , Ewald Hecker, Alfons Baumeister und Werner Langenkämper starten später eine erfolgreiche Trainerkarriere. Hiegemann betont dabei immer, dass im Mai abgerechnet werde. Vielleicht stammt das aus der Meistersaison 1966. Zwei Punkte fehlen den Lüdinghausern fünf Spiele vor dem Ende. Mehr holen sie allerdings auch nicht mehr.

Im gleichen Jahr tauchen in Werne Namen auf, die später in der Bundesliga (Theo Homann) oder zweiten Liga (Manfred Balcerzak) eine kleine Rolle spielen werden. Sie gehören zur A-Jugend des SSV Werne, die westfälischer Vizemeister wird. Vor 3000 Zuschauern unterliegen die Lippestädter im Stadtstadion dem VfL Bochum mit 1:4. Homann schafft es übrigens erst im zweiten Anlauf in die erste Liga. Beim 1. FC Nürnberg stellt Trainer Merkel nach einer Niederlage in Fürth fest: „Die Schuhe brauchst du nicht mehr. Nach der Leistung kannst du morgen wieder nach Hause fahren und als Schriftsetzer arbeiten.“

Daten und Fakten

Bezirksliga-Meister: SSV Werne (1965), Union Lüdinghausen (1966); Kreismeister: SV Herbern (1965), BV Selm 2 (1966), SSV Werne 2 (1967), Westfalia Wethmar (1968), GW Selm (1969).Trauer: Als Kreis-Vorsitzender Anton Beckensträter dem SV Herbern zum Meisterstück gratuliert, geht es unter den Zuschauern ruhig zu: Franz „Samba“ Brinkbäumer, Fußball-Idol von BW Ottmarsbocholt und Bruder des bekannten Sendener Spielführers Josef, erleidet während der Partie einen Herzinfarkt und ist nicht mehr zu retten.Heimatlos: 1962 wird dem TuS Ascheberg der Platz nahe des Hauses Klaverkamp gekündigt. Bis 1965 dürfen Hand- und Fußballer bleiben. Dann wird im Hoppenberg gebaut. Die Kicker sind bis Ende 1968 heimatlos, spielen in Davensberg und schrumpfen auf 30 Mitglieder.Anekdote: Bei den Treffen der Referees stellt Obmann Alfons Meinke klar: „Schulterlange Mähnen der Spieler fallen nicht in die Zuständigkeit der Schiedsrichter.” Diese dürfen nicht verlangen, dass ein Zopf gebunden wird.

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