Volleyball: Regionalliga
Einmal auf links gedreht – Fuchs und Co. gehen, Yaglioglu kommt

Lüdinghausen -

Vier Leistungsträgerinnen verlassen den SC Union Lüdinghausen, darunter die unumstrittene Leaderin. Dafür heuert ein prominenter Coach in der Steverstadt an. Die Abteilung hat binnen kürzester Zeit ihr Innerstes nach außen gekehrt.

Donnerstag, 16.07.2020, 17:30 Uhr
Nach nur einem Jahr zurück im Altkreis: der künftige Union-Coach Suha Yaglioglu.
Nach nur einem Jahr zurück im Altkreis: der künftige Union-Coach Suha Yaglioglu. Foto: rau

Beim Volleyball-Regionalligisten Union Lüdinghausen hatten sie ihre Hausaufgaben gemacht. Trotz Corona. Ein neuer Cheftrainer, Oliver Freitag , wurde installiert. Das Stammpersonal verlängerte ausnahmslos seine Verträge. Dann fiel: ein Domino-Stein. Und der löste – wie das mit diesen kleinen schwarzen Klötzchen so ist – binnen kürzester Zeit eine Kettenreaktion aus. Am Ende stand, um im Bild zu bleiben, kein Stein mehr auf dem anderen. Vier Spielerinnen, darunter mit Pia Fuchs die prominenteste, verändern sich gen Münster. Auf der anderen Seite haben die Verantwortlichen einen Coach gefunden, der namhafter kaum sein könnte: Suha Yaglioglu.

Nagel-Abschied bringt Stein ins Rollen

Alles fing laut Dirk Havermeier damit an, dass Mareike Nagel um ihre Freigabe bat. Drittligist BW Aasee suchte kurzfristig eine Stellerin. „Wenn eine verdiente Union-Spielerin die Chance hat, höherklassig zu spielen, dann legen wir ihr in den seltensten Fällen Steine in den Weg.“ Blöd nur aus Lüdinghauser Sicht, dass das Ganze dann „eine Eigendynamik bekam, die wir nicht mehr kontrollieren konnten“, so Havermeier. Mittelblockerin Chiara Claassen zog es ebenfalls zu den Blau-Weißen, Pia Fuchs und Marieke Schwarz haben sich dem BWA-Ligakonkurrenten USC Münster 2 angeschlossen, der, wie zu hören ist, die Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus anstrebt.

„Eine solche Perspektive können wir unseren Damen schlicht nicht bieten“, räumt der Abteilungs-Boss ein. Ganz besonders schmerze ihn und den ganzen Verein der Fuchs-Abschied. Die Außenangreiferin war über Jahre Kopf und Herz der Mannschaft, noch im Frühjahr wurde sie zur zweitbesten Spielerin der Liga gekürt. Weil Union der 24-Jährigen enorm viel zu verdanken habe, verbiete es sich indes, ihr auch nur ein böses Wort hinterherzurufen, wie Havermeier betont: „Es gab ja fast vor jeder Spielzeit ähnliche Angebote. Wir mussten also immer damit rechnen, dass Pia Lüdinghausen irgendwann dann doch verlässt.“

Ausbildung an erster Stelle

Die Yaglioglu-Verpflichtung hat mit dem plötzlichen Aderlass nur mittelbar zu tun. Sie macht aber umso mehr Sinn, wenn man weiß, dass der Mann im Ruf steht, ein exzellenter Talentförderer zu sein. Beim benachbarten ASV Senden hat Yaglioglu zwei Jahrzehnte lang etliche spätere Erstligaspielerinnen geformt. So in etwa stellen sich das auch die Lüdinghauser vor, wie Havermeier erklärt: „Es gibt im Großraum Münster eine Vielzahl höherklassiger Klubs, mit denen wir im Werben um Spielerinnen kaum konkurrieren können. Deshalb steht der Ausbildungsgedanke bei uns an erster Stelle.“

Dazu passt, dass der künftige Coach zusätzlich die U 16-Mädchen unter seine Fittiche nehmen wird, die das dritte Damen-Team (Bezirksliga) bilden. Jugendleiter Achim Franke, der Yaglioglu aus dessen Zeit als Spielertrainer beim Lüner SV kennt und schätzt, kann sich vorstellen, dass das Engagement künftig sogar ausgeweitet wird: „Da uns mit Anna Hoja eine sehr fähige Nachwuchstrainerin berufsbedingt verlässt, hätten wir auch bei den Zwölf-, 13-Jährigen Bedarf.“

Zweites Engagement nach 1998

Der Diplom-Sportlehrer war erst 2019 vom ASV zum Zweitligisten SV Bad Laer gewechselt. Dass sich die Wege nach nur einer Saison trennten, hat dem Vernehmen nach mit dem Rückzug der Niedersachsen in die dritte Liga zu tun. Ein Weg, den der zwischenzeitlich schwer erkrankte Yaglioglu wohl nicht mitgehen mochte. „Als wir gehört haben, dass Suha vereinslos ist, haben wir ihn sofort kontaktiert“, erklärt Havermeier.

Vor der Verpflichtung des Altmeisters, der bereits Ende der 1990er-Jahre als Union-Coach tätig war (ehe er zum USC und später zum ASV wechselte), musste allerdings Oliver Freitag ins zweite Glied zurück. „Hätte Oliver auf seiner Anstellung bestanden, wären wir dem selbstverständlich nachgekommen. Zumal wir von seiner Arbeit nach wie vor überzeugt sind. Er lässt aber, zum Wohle des Vereins, Suha den Vortritt. Davor ziehe ich meinen Hut.“ Freitag leitet demnach – wie vor der geplanten Beförderung – die zweite Mannschaft (Verbandsliga) an und assistiert Yaglioglu bei den Partien der ersten.

Neue Zuspielerin

Immerhin: Eine Stellerin haben die Lüdinghauser für 2020/21 verpflichtet. Prisca Jeschke, Jahrgang 2004, kommt vom VCO Münster, sie erhält ein Doppelspielrecht. Dirk Havermeier hofft, „dass es, auch dank der guten Kontakte von Suha Yaglioglu, nicht bei dem einem Neuzugang bleibt. Allerdings drängt die Zeit.“ Start der neuen Spielzeit soll bereits im September sein. (flo)

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7496936?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35339%2F
Nachrichten-Ticker