Fußball: Altkreis-Serie
Referees in zwei Lager gespalten

Lüdinghausen -

Die Wahl des neuen Schiedsrichter-Obmanns hält den Fußballkreis Lüdinghausen Anfang 1983 in Atem. Die Zunft ist gespalten, vor der entscheidenden Abstimmung kommt es zum Eklat. Ein Seppenrader schafft es als Linienrichter bis in die Bundesliga.

Mittwoch, 29.07.2020, 17:45 Uhr
BWO feiert 1980 den Titel in der Kreisliga B: Trainer Dieter Kemmerich, Michael Kedron, Hubertus Kallwey, Markus Lügger, Friedhelm Dubbert, Alfred Borgmann, Heinrich Möllers, Michael Greive, Hubert Evers, Manfred Unewisse, Theo Koch, Hartwig Schmauck (o.v.l.), Reinhard Vorspohl, Bernhard Kallwey, Ludger Janning, Arnold Vollbracht, Norbert Ellertmann und Ingo Krüger (u.v.l.).
BWO feiert 1980 den Titel in der Kreisliga B: Trainer Dieter Kemmerich, Michael Kedron, Hubertus Kallwey, Markus Lügger, Friedhelm Dubbert, Alfred Borgmann, Heinrich Möllers, Michael Greive, Hubert Evers, Manfred Unewisse, Theo Koch, Hartwig Schmauck (o.v.l.), Reinhard Vorspohl, Bernhard Kallwey, Ludger Janning, Arnold Vollbracht, Norbert Ellertmann und Ingo Krüger (u.v.l.). Foto: WN-Archiv

Dürfen sieben Unparteiische, die bei einem Schiedsrichtertag fehlen, ihre Stimme per Briefwahl abgeben? Die Frage beschäftigt die Schwarzkittel im Frühjahr 1983. Bei der Wahl von Karl-Heinz Schulze zum neuen Schiri-Obmann des Fußballkreises werden 44 Stimmen für Schulze und 41 für Vorgänger Teichmann abgegeben. Fast zwei Stunden wird am 12. April gewählt. Die sieben Briefwahl-Stimmen fallen unter den Tisch. Wie soll man im Vorfeld wählen, wenn die Kandidaten nicht bekannt sind? Ein Selmer Rechtsanwalt sieht das anders und geht für einen Referee aus Selm gegen die Wahl vor. Spürbar ist, dass die Zunft der Unparteiischen im Altkreis in zwei Lager gespalten ist. Hier die Anhänger des lange Jahre Verantwortlichen Teichmann, dort die frischen Wind herbeisehnenden Wähler von Schulze.

Auf dem Kreistag halten die Vereine sich aus dem Streit heraus, bestätigen weder Schulze noch Teichmann. Der Verband stellt fest: Briefwahlen sind nicht zulässig. Gleichwohl haben sie über Jahre in Lüdinghausen stattgefunden. Vermutet wird, die ältere Schiri-Garde, Anhänger von Teichmann, hat genau darauf vertraut und per Brief gewählt Deswegen wird verfügt, dass die Wahl wiederholt werden muss. So betraut der Vorstand des Kreises vorübergehend Manfred Krebber aus Seppenrade mit der Aufgabe des Schiedsrichterobmanns.

Doch keine Urkunde für Teichmann

Am 29. April erklärt die Verbandsspruchkammer in Kaiserau das Wahl-Ergebnis des Schiedsrichtertages endgültig für ungültig. Am 13. Juni geht das Theater endlich zu Ende: Für die neue Wahl kommt Verbandsschiedsrichter-Lehrwart Günter Baumgärtel nach Nordkirchen. Der Kreisvorstand bringt eine Ehrenurkunde für Teichmann mit. Der will nicht mehr kandidieren, glauben die Mitglieder des Vorstandes, so hat Teichmann es ihnen gesagt. Als die Wahl aufgerufen wird, sind alle überrascht. Neben Schulze lässt sich auch Teichmann aufstellen. In geheimer Wahl sprechen sich 46 Kameraden für Schulze und 43 für Teichmann aus. Die Urkunde für den unterlegenen Selmer händigt der Vorstand wegen der kurzfristigen Kandidatur nicht aus. 1956 hatte Teichmann die Regie bei den Unparteiischen übernommen, 27 Jahre stand er an ihrer Spitze. Die letzte Amtsperiode bringt einen Anstieg der Schiedsrichter von 80 auf 120 Männer. Nur das Ende ist unrühmlich.

Krebber in der Beletage

Als Lehrwart wird Alfons Meinke aus Lüdinghausen wiedergewählt. Der unterlegene Heinz Hürfeld übernimmt die Aufgaben des Stellvertreters. Bestätigt werden im Juni Heinz Holtrup, Krebber und Willi Abels. Neu ist Siegfried Seifert. Erste Aufgabe des Ausschusses: die Kluft zwischen den Schiedsrichtern beseitigen.

Dass Krebber zum Übergangschef bestimmt wird, ist kein Zufall. Der Seppenrader ist ranghöchster Referee im Fußballkreis und 1982 sogar auf die DFB-Liste gesprungen. Im Gespann des Stolbergers Jacob Wilker steht Krebber am 4. September 1982 beim Spiel Hertha BSC gegen 1. FC Nürnberg erstmals in der Bundesliga an der Linie. Er bleibt bis zum Erreichen der Altersgrenze 1985. Im Kreis darf länger gepfiffen werden. Das lebende Beispiel ist einer der Bekanntesten seiner Zunft: Josef „Opa” Teusch wird 1981 als ältester Schiedsrichter Westfalens geehrt. Mit 75 Jahren ist aber immer noch nicht Schluss.

Daten, Fakten

Kreismeister: 1980: Seppenrade, 1981 Südkirchen, 1982 SSV Werne, 1983 GW Selm, 1984 VfL Werne.Pokalheld: Lange wird die Pokalrunde gespielt, bis die Teilnehmer am Westfalenpokal feststehen. Ein Endspiel gibt es ab 1982. Erster Pokalheld ist An­dreas Zinke, der alle drei Treffer für Premierensieger SSV Werne gegen GW Selm erzielt. Der Sieg markiert in Werne den Beginn der Jahnke-Ära.Kurios: Fortuna Seppenrade macht in der Saison 83/84 einen Ex-Bundesliga-Torhüter dafür verantwortlich, dass der Kontakt zu Spitzenreiter VfL Werne abreißt. Peter Sandhofe, von 1978 bis 1980 in 30 Bundesliga-Spielen für Schalke aktiv, verweigert den Fortunen beim 0:1 in Bork als Schiedsrichter drei Toren die Anerkennung.Grenzgänger: BW Ottmarsbocholt und TuS Ascheberg gehören zu den Grenzgängern zwischen Kreisliga A und B. Zu Beginn der 1980er Jahre feiert BWO zwei B-Liga-Titel, der TuS einen A-Liga-Aufstieg.

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