Tischtennis: Bruno Rennack nimmt Abschied
Novize wird zum alten Fuchs

Ottmarsbocholt -

Seinen ersten und für Jahrzehnte einzigen Ping-Pong-Auftritt absolvierte Bruno Rennack als Kind in einem Pfarrheim. Später gründete er die Tischtennisabteilung von BWO, spielte erstmals echte Partien und entwickelte sich vom Novizen zum alten Fuchs.

Freitag, 09.10.2020, 09:31 Uhr
Nicht immer hatte Bruno Rennack in den vergangenen fast 30 Jahren was zu lachen. Im Rückblick aber überwiegen deutlich die Erfolge und schönen Erinnerungen.
Nicht immer hatte Bruno Rennack in den vergangenen fast 30 Jahren was zu lachen. Im Rückblick aber überwiegen deutlich die Erfolge und schönen Erinnerungen. Foto: Christian Besse

Kein Name ist so eng mit der Tischtennisabteilung von BW Ottmarsbocholt verbunden wie der von Bruno Rennack . Nun gab das Urgestein die Leitung der Sparte aus der Hand, auch die langjährige zweite Vorsitzende Barbara Buchholz, neben Rennack Mitgründerin der Abteilung, nahm Abschied. Die Verantwortung haben nun Michael Raffloer und Lena Uhlenbrock (zweite Vorsitzende) übernommen.

29 Jahre lang hat Rennack die Geschicke der Tischtennis-Abteilung geleitet. Da sollte man davon ausgehen, dass der heute 65-Jährige schon von Kindesbeinen an der Platte stand, ein später hochklassiger Spieler noch dazu. Doch weit gefehlt. „Das erste Mal kam ich mit Tischtennis in Berührung, als wir in unserer Messdienergruppe im damaligen Pfarrheim gespielt haben – mit Gummibällen auf einem alten Tisch“, erinnert sich Rennack schmunzelnd.

Diese erste Berührung mit der Sportart behielt er positiv in Erinnerung – über Jahrzehnte hinweg. Als die Verantwortlichen von BWO 1991 beschlossen, aus einem reinen Fußball- und Turnverein einen klassischen Mehrspartenverein zu machen, erklärte sich Bruno Rennack, damals schon Kassierer, spontan bereit, eine Tischtennisabteilung zu gründen, ohne je an einer richtigen Platte gestanden zu haben. Und so machte er über die WN bekannt, dass der Verein Spieler suche. „Als ich an dem von mir angegebenen Termin vor dem Sportheim wartete, kam nur ein Interessent – Barbara Buchholz.“

Platten, Bälle, Regelbücher

Ungleich größer war der Andrang bei den Kindern. An etwa 30 Mädchen und Jungen, so erinnert sich der Abteilungsgründer, stürmten die neue Sparte. Gemeinsam mit Buchholz musste Rennack Trainer nach Ottmarsbocholt lotsen, Platten und Bälle besorgen – und Regelbücher. Denn schließlich waren auch die beiden Organisatoren noch Novizen auch in der Theorie.

Das sollte sich aber schnell ändern, die praktische Seite miteingeschlossen. Denn nun, mit 36 Jahren, stand Bruno Rennack Jahrzehnte nach seinem Debüt mit Gummibällen im Pfarrheim endlich an einer richtigen Platte mit richtigen Bällen.

Vorerst allerdings nur im Training. Denn in den ersten drei Jahren bekam die Abteilung keine Herrenmannschaft zusammen. Das änderte sich 1994, und nun stand auch der Abteilungsboss selbst in seinem ersten Ligaspiel an der Platte. Zunächst allerdings mit übersichtlichem Erfolg: „Ich habe die ersten Male nur verloren. Dann bin ich in ein Sportgeschäft gegangen und habe den Verkäufer gefragt, ob er mir weiterhelfen könne. Der riet mir zu einem Schläger mit langen Noppen, mit dem man sich gut auf die Verteidigung zurückziehen und das Spiel besserer Gegner zerstören kann.“ Nun konnte auch der Spieler Bruno Rennack die ersten Erfolge verzeichnen. „Jetzt werde ich auch ernstgenommen, wenn ich in die Halle komme“, so der Ottmarsbocholter. Wenngleich ihn seine gewollt destruktive Spielweise keine Freunde gemacht habe: „Ich bin einer der unbeliebtesten Tischtennisspieler“, sagt er frank und frei – und schmunzelt.

Schöne und bittere Momente

Ganz anders sind die Reaktionen auf den Abteilungsleiter Rennack. Vor allem bei den Kindern. „Der Glanz in den Augen der Kinder, wenn sie etwas erreicht haben“, antwortet der 65-Jährige auf die Frage nach den schönsten Momenten seiner Funktionärslaufbahn. „Manche von ihnen grüßen einen 20 Jahre später immer noch.“

Und die bittersten Momente? „Wenn ein Spieler, den wir ausgebildet haben, zu einem höherklassigen Verein wechselt. Aber das ist der Nachteil kleinerer Vereine, und es man muss auch einsehen, dass ein Spieler gehen muss, wenn er das entsprechende Potenzial erreicht hat.“

Einschneidende Höhepunkte in den vergangenen 29 Jahren waren der Bau der neuen BWO-Sporthalle 2012 „nicht zuletzt auf Initiative der Tischtennisabteilung“ und die Ausrichtung des ersten internationalen Seniorenturniers auf WTTV-Ebene 2018 in Ottibotti.

Auch im Gesamtverein wissen die Blau-Weißen Rennacks Verdienste zu schätzen. Nachdem er nun – nach 42 Jahren – zudem als Kassierer des Gesamtvereins zurücktrat, ernannten ihn die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung zum ersten Ehrenmitglied des Vereins.

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