Volleyball: Comeback
Von null auf hundert – Erika Kildau wieder da

Senden -

Einer schweren Knieverletzung wegen war Erika Kildau fast zwei Jahre außer Gefecht. Jetzt ist die junge Sendenerin, die inzwischen für den VCO Münster in Liga drei agiert, wieder da. Und wie. Der vergangene Sonntag war für die 18-Jährige ein ganz besonderer.

Freitag, 13.11.2020, 18:38 Uhr
Da jubelt sie wieder: die Sendenerin Erika Kildau, vor ihrer schweren Verletzung, bei einem U 17-Länderspiel.
Da jubelt sie wieder: die Sendenerin Erika Kildau, vor ihrer schweren Verletzung, bei einem U 17-Länderspiel. Foto: CEV

Dass Erika Kildau eine exzellente Volleyballerin ist, bedarf hier keiner Erwähnung. Die junge Dame hat aber noch eine weitere Gabe: Optimismus zu verbreiten, die Mitspielerinnen mitzureißen. Wie ansteckend ihre positive Art ist, weiß jeder, der in der Spielzeit 2017/18 – da war Kildau gerade 15 – ein Match des damaligen Drittligisten ASV Senden im Sportpark verfolgt hat. Nur gab es in den vergangenen beiden Jahren auch immer wieder Phasen, in denen die Zuversicht der Sendenerin an Grenzen stieß. Mehrfach sei sie in ein „emotionales Loch gefallen. Vor allem, wenn es aufwärts zu gehen schien – und dann doch der nächste Rückschlag kam, zum Beispiel in Form eines weiteren Eingriffs.“

Allein: Ganz aufgeben, die Brocken hinschmeißen, das habe selbst in den dunkelsten Momenten nie zur Debatte gestanden. „Das wäre auch nicht ich gewesen“, sagt Kildau. Dieser unbändige Wille, zurück zu alter Stärke zu finden, der Kampfgeist, den sie auf dem Parkett vorlebt, der scheint sich nun auszuzahlen. Nicht nur ist die 18-Jährige nach langer Leidenszeit seit Saisonbeginn wieder eine feste Größe beim VCO Münster in Liga drei. Zudem stand sie vor sechs Tagen, beim Pokalspiel gegen Vilsbiburg, zum allerersten Mal im Aufgebot des Erstligisten USC Münster.

„Großartiges Gefühl“

Zum Einsatz kam sie nicht, trotz eines gebrochenen Daumens hielt Stammlibera Linda Bock fünf Sätze durch. Und doch sei es „ein großartiges Gefühl“ gewesen, überhaupt Teil des Kaders zu sein, strahlt Kildau. Gerade bei ihrer Vorgeschichte. Im Herbst 2018, bei einem Jugendspiel des ASV, hatte sie sich die schwere Verletzung zugezogen. Kreuzband durch, Meniskus gerissen: Totalschaden im Knie, wie man so sagt. Es folgten mehrere OPs, die langwierige Reha und erst in diesem Sommer, endlich, die Rückkehr ins VCO-Training. „Dass es von da an so schnell aufwärts ging, hätte ich selbst kaum für möglich gehalten“, so die Internatsschülerin.

Stützpunktcoach Justin Wolff äußert sich ähnlich: „Obschon ihr Balltalent und ihr technisches Vermögen in den gut anderthalb Jahren nie weg waren: In puncto Athletik musste Erika ja quasi bei null beginnen. Dass sie das so durchzieht, davor ziehe ich meinen Hut.“ Auch glaubt Wolff, dass Kildaus Berufung in die erste Mannschaft keine einmalige Sache war: „Natürlich zählt Linda Bock auf der Position zu den Besten in ganz Deutschland. Aber wenn Erika weiter konsequent ihren Weg geht, dann steht ihr die Tür zur Bundesliga weit offen.“

Schon jetzt übt Kildau zweimal in der Woche mit den Profis. Dass mit Mia Kirchhoff (gab unlängst ihr Debüt in der Beletage) und Lea Venghaus zwei weitere ehemalige Senderinnen der VCO-Kaderschmiede angehören, findet das 1,59-Meter-Energiebündel „richtig klasse“. Der Verein, dem sich Kildau im zarten Alter von sechs Jahren anschloss, liege ihr nach wie vor am Herzen. Wenn es zeitlich passt, sitzt die angehende Abiturientin bei den Oberligapartien des ASV auf der Tribüne. Gerade aus Senden habe sie, wann immer ihr es besonders schlecht ging, enormen Zuspruch erfahren.

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