Badminton: Bundesliga-Historie
Viele Dramen und ein blutjunger Held – Union-Aufstieg 2002

Senden/Lüdinghausen -

Gute 18 Jahre ist er jetzt her, der Aufstieg des SC Union Lüdinghausen in die Beletage. Ein Steverstädter denkt besonders gern an die entscheidenden Spiele im benachbarten Senden zurück.

Freitag, 04.12.2020, 18:26 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 19:01 Uhr
Gewann das entscheidende Einzel gegen Roland Dorner: der damals 19-jährige Christoph Schnaase.
Gewann das entscheidende Einzel gegen Roland Dorner: der damals 19-jährige Christoph Schnaase. Foto: hbm

Jürgen Schröder hat noch die verzweifelte Stimme seiner Frau im Ohr: „Es gibt nichts mehr zu trinken, wir müssen einkaufen!“ Möglich, dass die Fußballer des SV Fortuna Seppenrade , für den zeitweise auch die Schnaase-Brüder Christoph und Torsten kickten, den temporären Thekennotstand ausgelöst hatten. Die waren an jenem Samstag im März 2002 im Planwagen angereist und, wie man hört, sehr durstig. Nüchtern war der epische Krimi in der Neuen Halle auch kaum zu ertragen. Erst nach sieben Stunden war das Aufstiegsrennen entschieden – und Union Lüdinghausen erstmals Badminton-Bundesligist.

Weil die Dreier-Runde zwischen den Zweitligameistern Union (Nord) und PSV Ludwigshafen (Süd) sowie dem Erstligavorletzten SG Anspach auf neutralem Grund steigen sollte, hatte sich der ASV Senden um die Ausrichtung beworben. „Wir waren vor allem für die Technik und das Catering zuständig“, erinnert sich ASV-Abteilungsleiter Schröder.

Für die nötige Portion Drama sorgten die Spieler ganz allein, gerade im alles entscheidenden Duell mit Favorit Ludwigshafen. „Jeder im Team war angefasst“, erinnert sich Christoph Schnaase, damals mit 19 der Jüngste im Team. Ex-Unionistin Sandra Marinello erlitt einen leichten Zusammenbruch, so dass um ein Haar Schnaases 17-jährige Schwester Karin als Ersatz eingesprungen wäre. Yong Yudianto ließ seinen Tränen nach dem Fünfsatzerfolg über den DM-Zweiten Jens Roch freien Lauf. Es sei ein fantastischer Auftritt des stets auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn wandelnden Indonesiers gewesen, so Christoph Schnaase – und „für mich der entscheide emotionale Kick vor dem Schlusseinzel“.

In dem traf der heutige Bundestrainer auf Roland Dorner, einen erfahrenen Mann, „der mich offenbar nicht auf dem Schirm hatte. Überhaupt hatten die Ludwigshafener diesen Punkt schon vorab fest eingeplant – was mir noch zusätzliche Motivation gab.“

Union führte zu dem Zeitpunkt mit 4:3. Bei einem Remis wäre der PSV aufgrund des besseren Satzverhältnisses aufgestiegen (beide Teams hatten Anspach zuvor mit 6:2 bezwungen). Schnaase musste also gewinnen – und tat das in souveräner Manier. In Liga zwei zuvor eher einer für die besonders engen Matches, fertigte er Dorner mit 7:3, 7:2 und 7:3 ab. „Die kurzen Sätze kamen mir entgegen, da brauchte ich nicht so die Monsterkondition.“

Brauchte er doch, allerdings erst hinterher. Im Union-Klubheim feierten – in seltener Eintracht – Seppenrader und Lüdinghauser den bis dahin größten Triumph der Vereinsgeschichte bis in den frühen Morgen hinein.

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