Beachvolleyball: Rück- und Ausblick
Von wegen Stillstand – Cinja Tillmanns bewegtes Jahr

Senden -

Bis Mitte März war 2020 für Cinja Tillmann, Stammverein: ASV Senden, ein Jahr wie beinahe jedes andere. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Zwei Riesenerfolge feierte die Abwehrspielerin in dieser Zeit – einen auf dem Court, einen vor Gericht.

Montag, 04.01.2021, 18:27 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 18:37 Uhr
Edelmetall gab’s für Cinja Tillmann (r.) und Kim Behrens 2020 nicht nur bei der DM, sondern auch bei der Europameisterschaft.
Edelmetall gab’s für Cinja Tillmann (r.) und Kim Behrens 2020 nicht nur bei der DM, sondern auch bei der Europameisterschaft. Foto: imago-images

Dafür, dass 2020, pandemiebedingt, das Jahr des Stillstands war, schaut Beach-Volleyballerin Cinja Tillmann auf zwölf ziemlich turbulente Monate zurück. „Ja“, lacht die Sendenerin, „es war ganz schön was geboten.“

Bis zum ersten Lockdown im März bereiteten Kim Behrens und sie sich im sonnigen Australien auf die Saison vor, zudem war der Start bei einem Drei-Sterne-Turnier Down under geplant. Dann kam: Corona. Zum Glück schaffte es das Duo rechtzeitig zurück nach Europa, in der Folge verbrachte Tillmann „so viel Zeit in der Heimat wie seit Ewigkeiten nicht“ – in Münster, der Trainingsbasis der beiden, aber eben auch im Kreis der Familie in der Stevergemeinde.

Der Beginn der Beach-Liga, eine Art Ersatz für die Techniker-Tour, brachte im Juni so was wie Normalität. Erstes Highlight: die DM in Timmendorfer Strand, bei der Tillmann/Behrens den Einzug ins Finale um Haaresbreite verpassten – Platz drei, zum vierten Mal für die Sendenerin. Der Coup dann 14 Tage später bei der EM in Lettland: Die beiden Abwehrspezialistinnen, erst eine Woche zuvor als Nachrückerinnen ins Feld gerutscht, gewannen fast sensationell Silber.

Um Haaresbreite an Gold vorbei

Auch wenn sie anfangs geknickt war, da am Ende nur ein einziges Pünktchen zu Gold fehlte: Rückblickend hat Tillmann ihren Frieden mit Jurmala – immerhin war es der bis dato größte Erfolg in der Karriere der 29-Jährigen – gemacht: „Es gab ja schon in den Runden zuvor teils knappe Ergebnisse. So ist Sport, oft genug entscheiden am Ende ein, zwei Ballwechsel.“

Vizeeuropameister also. Nicht schlecht für ein Duo, dem laut DVV die Perspektive fehlte und das der nationale Verband deshalb bei der Nominierung für die großen Turniere konsequent links liegen ließ – was zu einem weiteren großen Erfolg, diesmal außerhalb des Courts, führte. Im Streit um entgangene Gelder verurteilte das Landgericht Frankfurt Anfang Oktober den DVV in erster Instanz zur Zahlung von 17 000 Dollar an Tillmann/Behrens. Der Prozess schlug hohe Wellen, auch weil es laut Klägerseite um mehr ging als die bloße Schadenssumme: Es war die Ungleichbehandlung, gegen die sich die Sendenerin und Bremerin zur Wehr setzten. Der Richterspruch sei insofern auch als Signal an Sportler in vergleichbaren Situationen zu verstehen, findet Tillmann.

Viel mehr mag sie zu der juristischen Auseinandersetzung nicht sagen (zumal der Verband inzwischen in Berufung gegangen ist). Nicht nur kostet ein solcher Prozess Zeit, Geld und Nerven. Er lenkt auch vom Wesentlichen, dem Sport, ab. Mit neuer Partnerin, Svenja Müller, geht es ins Jahr 2021. Was nach allem, was Behrens und sie im Vorjahr gemeinsam durchgemacht haben, den Laien überraschen mag, laut Tillmann indes Sinn ergibt: „Die beiden Jahre mit Kim waren fantastisch. Wir haben uns mit Blick auf die künftigen Aufgaben aber dazu entschlossen, neue Wege zu gehen.“

Müller, 2018 Jugend-Europameisterin und – anders als Behrens – Blockspielerin, gilt als Riesentalent. „Ich kenne sie, seit sie vor zwei Jahren zum ersten Mal in unserer Trainingsgruppe aufgekreuzt ist“, so Tillmann. Ihr erster Eindruck: „Das könnte passen.“ Großes Ziel der beiden: Olympia 2024 in Paris.

Zur Person

Mit dem (Hallen-)Volleyball begann Cinja Tillmann beim örtlichen ASV, ehe die Sendenerin 2009 zum USC Münster wechselte. Dort schlug sie vorwiegend für die Reserve, damals noch Zweitbundesligist, auf, kam aber auch zu Einsätzen beim Rekordmeister West. Mit ihrer ersten Beach-Partnerin, Teresa Mersmann, wurde sie 2012 DM-Dritte. Gleiches gelang dem just wiedervereinten Duo 2018. Mit Kim Behrens gab’s in den Folgejahren in Timmendorfer Strand zwei weitere Bronze-Medaillen. Ihren größten Erfolg feierten die 29-Jährige aus der Stevergemeinde und ihre zwölf Monate jüngere Mitstreiterin Mitte September bei der Europameisterschaft in Jurmala/Lettland. Erst in einem dramatischen Dreisatz-Finale mussten sich Tillmann/Behrens der Schweizer Paarung Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré beugen. (flo)

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