Fußball: Davertpokal-Historie
Besonderer Budenzauber – Ralf Bülskämper blickt zurück

Ascheberg -

An diesem Wochenende hätte Auflage Nummer 35 des Ascheberger Indoor-Cups steigen sollen. Weil aber aus naheliegenden Gründen das Spektakel 2021 Jahr entfällt, schaut eine echte Turnier-Legende auf die vergangenen 34 Jahre zurück.

Samstag, 09.01.2021, 14:24 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 14:28 Uhr
Alter schützt vor Tordrang nicht: Ralf Bülskämper (r.) schenkte Anfang 2020 dem späteren Finalisten Münster 08 zwei Buden ein. 2004, als Unionist, war er bester Torjäger (kl. Bild).
Alter schützt vor Tordrang nicht: Ralf Bülskämper (r.) schenkte Anfang 2020 dem späteren Finalisten Münster 08 zwei Buden ein. 2004, als Unionist, war er bester Torjäger (kl. Bild). Foto: flo/red

Die Frage, wo Ralf Bülskämper das Wochenende verbringt, ist leicht zu beantworten: „dort, wo ich auch in den vergangenen Wochenenden war: daheim, im kleinsten Familienkreis.“ Vielleicht nutzt der Ottmarsbocholter die freie Zeit ja, um in Erinnerungen zu schwelgen. Zum Beispiel daran, wo er das erste Wochenende 2020 verbracht hat: dort, wo er auch in den gut 30 Jahren zuvor Anfang Januar fast immer war – gemeinsam mit rund 300 Menschen im Tollhaus an der Nordkirchener Straße.

Bülskämper ist ein Kind des Ascheberger Budenzaubers namens Davertpokal. Von den 34 Austragungen seit 1987 – Nummer 35 wurde aus naheliegenden Gründen abgesagt – hat er nur ganz wenige verpasst. Anfangs als Fan, später als Spieler, Trainer und, vor zwölf Monaten, ein weiteres Mal auf dem Hallenparkett, da BW Ottmarsbocholt in der Zwischenrunde das Personal auszugehen drohte. Im zarten Alter von 47 Jahren. Rekordverdächtig.

Pokalsieger, bester Spieler, Top-Torjäger

Der Oldie hat dann im Prinzip das gemacht, was ihn bereits in den 90er- und Nuller-Jahren auszeichnete: Tore produziert und ein paar Kabinettstückchen, bei denen sich halb so alte, weniger geübte Flemmer leicht die Beine brechen würden. Bülskämper war nämlich nicht nur Dauergast beim Davertpokal, sondern zählte auch zu den Versiertesten seines Fachs: Bester Spieler 1995 (BWO) und 2003 ( Union Lüdinghausen ), mehrfacher Turniersieger mit den Schwarz-Roten und Davaria Davensberg . Top-Knipser war er ebenfalls, 2004 zum Beispiel, wie man den Turnier-Annalen entnehmen kann.

Er selbst hatte das gar nicht mehr so auf dem Schirm: „War das nicht bei den Kreismeisterschaften?“ Kann ja mal passieren bei der Vielzahl an Ehrungen. Wobei die offiziellen Indoor-Titelkämpfe des 2014 abgewickelten Fußballkreises Lüdinghausen stets im Schatten des Davertpokals standen. Zumal der immer mehr gewesen sei als bloßer Ergebnissport: Transferbörse, Gerüchteküche, Partyzone. Ein bisschen wie die Stadtis in Münster, nur im kleineren Maßstab.

Man sei abends schon deshalb länger geblieben, um den Torbonus – eine Rutsche Bier fürs Team – einzulösen, lacht Bülskämper. Wer um die Treffsicherheit des Routiniers weiß, kann sich vorstellen, dass es zu später Stunde noch richtig lustig wurde im Foyer. Schon Wochen vorher, nach der Gruppenauslosung, „gab es in der Kabine kein anderes Thema mehr“.

 

Und wie hat sich der Ascheberger Budenzauber über die Jahre entwickelt? „Viele sagen, früher sei alles besser und das sportliche Niveau höher gewesen. Klar gab es damals mehr sogenannten Straßenfußballer, die alle Tricks beherrschten. Aber wie Herbern und Münster 08 zuletzt aufgetreten sind, diese Mischung aus Athletik und präzisen Pässen: Das kann man sich richtig gut anschauen.“ Nur als Feldspieler getarnte Torleute, die aus größerer Distanz draufwemsen: Das entspreche nicht ganz seiner Vorstellung von Hallenfußball.

Underdogs überraschen immer mal wieder

Was früher, zumindest aus Sicht des neutralen Zuschauers, besser gewesen sei: „Du wusstest nie so genau, wer das Ding am Ende abschießt. Inzwischen gewinnt Herbern – gefühlt – jedes Jahr. Damals gab es zwar mit Davensberg ein Team, das draußen als Verbandsligist weit über allen anderen Teilnehmern schwebte. Aber mit Union haben wir es mehrere Male geschafft, die Davaren zu bezwingen – obwohl wir zu der Zeit eine oder sogar zwei Klassen tiefer unterwegs waren.“

Wobei die vermeintlichen Underdogs bis heute immer mal wieder überraschen (die Blau-Weißen etwa schafften es im Vorjahr, mit Bülskämper, als B-Ligist in die Endrunde). Deren Geheimnis: „Du brauchst halt, anders als auf dem großen Feld, nur drei, vier Spezialisten, die die nötigen Buden machen. Während der Rest versucht, den Vorsprung irgendwie über die Zeit zu bringen.“ Namen nennt der Endvierziger – höflich, wie er ist – natürlich keine.

Davertpokal-Allstars

Gut, dass sich Ralf Bülskämper – anders als die von den WN-Kollegen in Münster befragten Stadtis-Helden – nicht auf fünf Davertpokal-Allstars beschränken muss. Die Auswahl sei nach gut drei Jahrzehnten einfach zu groß. Auf Anhieb fallen ihm Lars Anfang und Jörg Pahlig aus seiner Davensberger Zeit ein, Strategen und Ballkünstler wie er selbst: „Wenn neben dir Leute wie ,Lalle‘ oder Jörg zocken, dann gibt dir das einfach ein gutes Gefühl.“Ähnlich beschlagene Hallenfußballer seien Freddy Nolte, „Kiki“ Wisse oder Torsten Schnaase (alle Union Lüdinghausen) gewesen: „Schön, dass ich die als Älterer noch ein bisschen anleiten durfte.“Von den Gegenspielern ist ihm besonders Bernd Löcke (SV Herbern) im Gedächtnis geblieben: „Gute Technik, satter Abschluss. Mit ,Beppo‘ hätte ich gern mal gemeinsam gekickt.“Und der beste Davertpokal-Keeper aller Zeiten? „Ganz klar Jürgen Heßeler.“ Der langjährige Davaren-Schlussmann sei „eine Institution im Kasten gewesen. Ich glaub’, der war noch öfter dabei als ich.“ (flo)

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