Fußball: Wie stehen die Chancen des Torwarts beim Elfmeter?
Elfmeterschießen ist keine Glückssache

Ahlen -

Elfmeter. Jetzt gilt’s. Schütze gegen Torhüter. Wer behält die besseren Nerven? Der Schütze ist statistisch gesehen klar im Vorteil. Aber das ist nicht alles. Mathematische Studien liefern wichtige Erkenntnisse für Spieler und Trainer.

Donnerstag, 24.10.2019, 05:00 Uhr

Muss der Torhüter Angst vor einem Elfmeter haben? Eigentlich nicht, denn seine Chancen sind sowieso eher gering. Zu verlieren hat er kaum etwas, denn vom Schützen wird erwartet, dass er die große Torchance auch nutzt. Der Druck lastet auf ihm.

Schon große Spieler hielten diesem Druck nicht Stand. Die Mutter aller Fehlschüsse stammt aus dem Jahre 1976, als Uli Hoeneß im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei den Elfmeter in den Belgrader Nachthimmel drosch. Auch der Fehlschuss des Bremers Michael Kutzop 1986 ist in bleibender Erinnerung. Er setzte im Spiel gegen Bayern München den Strafstoß in der 88. Minute beim Stande von 0:0 an den Außenpfosten. Am letzten Spieltag überholte Bayern die Bremer und feierte die neunte Deutsche Meisterschaft.

Keeper muss spekulieren

Rein mathematisch sind die Rollen klar verteilt. Der Keeper hat im Durchschnitt eine Armspannweite von 1,90 Meter. Die Schulterhöhe beträgt 1,60 Meter. Die Fläche, die ein Torwart im Stand abdecken kann, beträgt ungefähr viereinhalb Quadratmeter. Das wiederum entspricht einem Viertel der gesamten Torfläche. 75 Prozent sind also frei. Der Schütze bringt im Schnitt den Ball mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h aufs Tor.

Unsere Grafik zeigt die Chancen des Torwarts beim Elfmeter, diesen zu halten.

Unsere Grafik zeigt die Chancen des Torwarts beim Elfmeter, diesen zu halten.

Nach 0,4 Sekunden hat dieser sein Ziel erreicht. Der Torhüter hat aber nur 0,2 Sekunden Zeit, zu reagieren, da weitere 0,2 Sekunden für die Reaktionszeit verbraucht werden. In dieser Zeit kann der Schnapper jedoch nicht mehr in eine Ecke springen, sondern lediglich mit den Gliedmaßen zucken. Für einen Hechtsprung in die Ecke benötigt er 0,33 Se-kunden. Er hat aber nur 0,2 Sekunden zur Verfügung. Um also doch noch eine Chance zu haben, muss der Torhüter spekulieren und sich beim Anlauf des Schützen bereits für eine Ecke entscheiden. Das darf aber nicht so früh sichtbar sein, so dass der Elfmeterschütze das erkennt und sich für die andere Ecke entscheiden kann.

Dreiviertel aller Elfmeter führen zu Toren

Die Statistik zeigt, dass im Mittel 75 Prozent aller Strafstöße verwandelt werden. 20 Prozent davon kann der Torwart abwehren, fünf Prozent setzt der Schütze an das Aluminium oder neben das Gehäuse.Unsinnig sind die Aussagen, dass Elfmeter reine Glückssache sind. Gerade in höheren Fußballklassen kann eine perfekte Schussausführung geübt werden, die die Chance des Erfolgs erhöhen würde. Rechts oder links oben sind die Bereiche, die ein Keeper physikalisch nie erreichen kann. Trainer, die das nicht proben, handeln eigentlich fahrlässig.

Fahrlässig sind auch die Aussagen, dass ein Elfmeter-schießen nicht geprobt wer-den kann. Auch den Spielern die Schützenauswahl zu überlassen, zeugt nicht von professionellem Verhalten. Doch wie sollte die Strategie sein?

Studien liefern wertvolle Erkenntnisse

Erst die Schwachen, dann die Starken, umgekehrt oder gemischt? Mathematische Studien, die auch die von Schuss zu Schuss steigende Nervenbelastung des Schützen berücksichtigt haben, zeigen, dass es sinnvoll ist, dass der schwächste Schütze beginnt, dann der zweitschwächste usw. Der Stärkste sollte den fünften Strafstoß ausführen. In dieser Konstellation sind die Erfolgschancen am höchsten.

Im Vorteil ist auch die Mannschaft, welche beginnt. Die Siegchance dieser Teams liegt bei 60 Prozent, während sich nur in nur vier von zehn Fällen das andere Team durchgesetzt hat. Doch die UEFA ist auch hier gewillt, mehr Gerechtigkeit walten zu lassen. Es wurde schon bei Turnieren das A-B-B-A-System getestet. Es beginnt Team A, dann schießt Team B zweimal in Folge, dann wieder Team A. So hat Team A bei fünf Elfmetern dreimal pro Serie den ersten Schuss, Team B zweimal. Der Vorteil des ersten Schusses ist somit ausgeglichener verteilt.

Was sollte ein Schütze rein psychologisch beachten? Experimente haben gezeigt, dass der Schütze dem Torhüter nie den Rücken zudrehen sollte, wenn er den Ball auf den Punkt gelegt hat. Schützen, die sich rückwärts mit Blick auf den Torwart in die Anlaufposition begeben, haben größere Erfolgschancen. Der Torhüter empfindet, dass der Schütze stark und selbstbewusst ist. Zudem sollte der Schütze sich Zeit nehmen, nicht gleich direkt nach dem Pfiff loslaufen. Ein Spieler ist erfolgreicher, wenn er zunächst etwas wartet, durchatmet, sich fokussiert und dann anläuft. Hätte das Uli Hoeneß schon 1976 gewusst.

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