Volleyball: Landesliga
Sendenhorsts Trainer Raphael Klaes: „Brauchen manchmal ’nen Tritt“

Ein kurzer Blick auf den Spielplan genügt und die Volleyball-Teams der Landesliga wissen: Wenn dort neben dem Spiegelstrich der Name SG Sendenhorst auftaucht, brauchen sie sich um ihre Freizeit keine Gedanken mehr zu machen. Die ist nämlich (zumindest am Spieltag) dahin. Allein fünf von sieben Matches gingen über die volle Distanz von fünf Sätzen – der Ligaspitzenwert.

Freitag, 13.12.2019, 05:00 Uhr
Spielertrainer Raphael Klaes (Mitte) im Kreise seiner Mannschaft. Nicht nur für ihn ist das gute Abschneiden nach dem Landesliga-Aufstieg eine Überraschung. Ohne Druck wollen er und sein Team den momentanen Höhenflug genießen.
Spielertrainer Raphael Klaes (Mitte) im Kreise seiner Mannschaft. Nicht nur für ihn ist das gute Abschneiden nach dem Landesliga-Aufstieg eine Überraschung. Ohne Druck wollen er und sein Team den momentanen Höhenflug genießen. Foto: R. Penno

Redakteur Ulrich Schaper sprach mit Spielertrainer Raphael Klaes über das Durchhaltevermögen und den nicht vorhersehbaren Erfolg in der neuen Spielklasse.

Herr Klaes, nach dem Aufstieg in die Landesliga hat die Mannschaft offenbar nicht lange gebraucht, um sich in der höheren Spielklasse zurechtzufinden – haben Sie damit gerechnet, dass Sie sofort oben angreifen können?

Klaes: Nein, gerechnet haben wir damit nicht. Unser Ziel war es erst einmal, gut mitzuspielen und vielleicht im oberen Drittel festzusetzen. Dass wir jetzt nach sieben Spielen sieben Siege haben, ist ’ne tolle Sache. Das macht schon Spaß, den Jungs zuzugucken.

Gibt es trotzdem Dinge, die in der höheren Liga augenfällig anders sind? Was sind die wesentlichen Unterschiede im Vergleich zur Bezirksliga ?

Klaes: Das Tempo ist ganz anders. Und die Bandbreite des Leistungsvermögens der einzelnen Mannschaften ist viel enger. Man sieht das an den Ergebnissen – im Grunde kann jeder jeden schlagen. Wir haben viele Begegnungen erst im fünften Satz gewonnen. Erst am Wochenende haben wir für einen Gegner aus dem unteren Tabellendrittel die volle Distanz benötigt, um zu gewinnen. In der Bezirksliga war das Niveau in der unteren Tabellenhälfte deutlich niedriger als im oberen Teil.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie gerne mal über fünf Sätze gehen – was braucht es, damit man solche Spiele für sich entscheidet?

Klaes: Ich glaube, im fünften Satz ist einerseits die Kondition, also die Frage, wie fit die Spieler nach mehr als anderthalb Stunden Spielzeit noch sind. Vor allen Dingen braucht es aber auch die passende Mentalität. Ob ich in so einem finalen Satz alles abrufen kann, ist ganz oft Kopfsache. Weil wir schon lange zusammenspielen und eine eingeschworene Truppe sind, haben wir in dieser Hinsicht einige Vorteile. Wir wissen voneinander, dass jeder für jeden alles gibt.

Bei so vielen Fünf-Satz-Matches, da fragt man sich doch wahrscheinlich, ob man sich nicht die ein oder andere Ehrenrunde hätte ersparen können, oder?

Klaes: Das ist sicher so. Jetzt gerade am Wochenende haben wir eindeutig den Punkt verloren. Da waren wir einfach im Kopf zu schnell mit der Partie am Ende. Die Begegnung war noch nicht vorbei und wir haben den Punkt bereits abgehakt. Das war in einigen anderen Partien auch so. Wenn es dann eng wurde, konnten wir wieder eine Schippe zulegen und unseren besten Volleyball zeigen. Manchmal brauchen wir halt einen Arschtritt, um richtig loszulegen.

Mentale Konstanz ist das eine. Was würden Sie sagen, in welchem Bereich hat Ihre Mannschaft darüber hinaus noch Entwicklungspotenzial?

Klaes: Ich glaube, dass wir an unserem Mittelangriff und Mittelblock unbedingt weiter arbeiten müssen. Das hat man im letzten Spiel gesehen, dass wir über die Mitte keinen Druck machen konnten. Dann ist man ausrechenbar, weil alles nur hoch nach außen geht. Oder bei uns Diagonal. Da müssen wir zulegen, damit wir Chef am Netz sind, damit die gegnerischen Mittelblocker Angst vor uns haben. Da sind wir noch zu passiv und manchmal noch zu verträumt. Das müssen wir in Kombination mit dem Zuspiel noch verbessern.

Am Wochenende haben Sie mit Epe den Spitzenreiter zu Gast – der im Gegensatz zu Ihnen allerdings bereits eine Begegnung verloren hat. Wie ist Ihre Einschätzung zur Westfalia und wie beurteilen Sie Ihre eigenen Chancen?

Klaes: Ich glaube, dass Epe natürlich zu recht einen Punkt vor uns steht. Die haben ihre Hausaufgaben gemacht. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir gute Chancen haben zu gewinnen. Ich als Trainer bin von den Qualitäten meiner Mannschaft überzeugt. Speziell nach dem Punktverlust gegen Reken will die Mannschaft zeigen, dass sie es besser kann. Wir können uns steigern. Jetzt wollen alle auf dem Feld zeigen, was wir drauf haben.

Als Aufsteiger haben Sie sich direkt an die Spitze der Landesliga gesetzt. Wie beurteilen Sie die Möglichkeit des Aufstiegs? Wäre es eher ein Risiko, gleich wieder aufzusteigen und im Zweifelsfall gegen den Abstieg spielen zu müssen? Oder wäre es dem Leistungsvermögen Ihrer Mannschaft angemessen?

Klaes: Man muss ja sagen: Wir hätten auch fünf Punkte weniger haben können, wenn wir den Tiebreak jedes Mal verloren hätten. Aber ich glaube schon, dass wir die Qualität haben, das schaffen zu können. Einfach aus dem Grund, weil wir eine ganz ausgewogene Truppe haben. Wir haben Regionalliga- und Verbandsligaerfahrene Spieler auf dem Feld und dazu noch einige enorm talentierte und entwicklungsfähige junge Spieler. Wir alle profitieren voneinander. Personell haben wir da eine ganz gefährliche Mischung beisammen. Aber noch einmal: Wir sind selbst überrascht, dass wir so weit oben stehen. Wir freuen uns darüber und wollen das genießen.

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