Fußball: Neuer Jugendkoordinator bei Fortuna Walstedde
Reckmann: „Brauchen einen roten Faden“

Er ist erst seit gut vier Wochen im Amt. Doch schon jetzt gibt es für Michael Reckmann in seiner Rolle als Jugendkoordinator in der Fußballabteilung viel zu tun – wie er im Gespräch verrät.

Dienstag, 22.09.2020, 17:14 Uhr
Fußball: Neuer Jugendkoordinator bei Fortuna Walstedde: Reckmann: „Brauchen einen roten Faden“
Foto: sibe

Im Interview mit unserer Zeitung spricht der 54-jährige Ameker, der als Diakon in der Kirchengemeinde Werne arbeitet und bei Fortuna bei den Alten Herren gegen den Ball tritt, über seine Aufgaben als Koordinator, die großen Baustellen in der Fußball-Nachwuchsarbeit und die Zukunftsperspektiven der Abteilung.

 

Herr Reckmann , Sie sind noch gar nicht so lange im Amt. Schließlich gibt es den Posten als Jugendkoordinator erst seit Kurzem. Was fällt in Ihren Aufgabenbereich?

Michael Reckmann: Im Grunde ist das ganz einfach (lacht). Ich kümmere mich darum, dass in der Fußballjugend Dinge koordiniert werden. Im weitesten Sinne verstehe ich mich als Entwicklungshelfer. Denn ganz viele Sachen sind da – doch die müssen erst vorangetrieben werden. Außerdem brauchen wir in der Abteilung dringend einen roten Faden.

Was ist an einem roten Faden so wichtig? Bislang ging das doch auch ohne...

Michael Reckmann ist neuer Jugendkoordinator bei Fortuna Walstedde, Fußball, September 2020

Michael Reckmann ist neuer Jugendkoordinator bei Fortuna Walstedde, Fußball, September 2020 Foto: Simon Beckmann

Reckmann: Bisher waren die Jugendmannschaften so aufgestellt, dass sie auch alleine klarkommen und sich gut entwickeln können. Das hat aber auch dazu geführt, dass es keine klare und einheitliche Linie gab. Viele Personen haben so gehandelt, wie sie es für richtig gehalten haben. Das war natürlich auch gut und teilweise richtig, allerdings kamen die Wünsche des Vereins in Bezug auf die Jugendarbeit dadurch viel zu kurz. Und es haben einige Leute ihren Aufgabenbereich überschritten und sich beispielsweise um andere Teams mitgekümmert. Da werde ich als Koordinator zukünftig eingreifen.

Und wie soll der rote Faden aussehen?

Reckmann: Mit Hilfe der DFB-Richtlinien werden wir ein Konzept erstellen und dieses den Trainern mit an die Hand geben. Wir wollen die Übungsleiter in Zukunft vernünftig ausbilden und schulen – das hat Fortuna bislang genauso versäumt, wie den Übungsleitern mitzuteilen, was die Kids in den entsprechenden Altersklassen lernen sollen. Wir sollten uns da ein Beispiel an unserer Breitensportabteilung nehmen. Dort darf man nur Kurse leiten, wenn man vorher einen entsprechenden Übungsleiterschein gemacht hat. Im Fußball waren wir bis jetzt oft froh, überhaupt jemanden zu finden, der sich dazu bereit erklärt, eine Mannschaft zu trainieren.

Was soll ein Trainer bei Fortuna neben einer guten Ausbildung zukünftig noch vorweisen können?

Reckmann: Du bist heute kein guter Coach mehr, wenn du nur Fußball trainierst. Du musst oft auch auf der pädagogischen Ebene arbeiten und mit schwierigen Kindern und Problemen umgehen können. Da müssen wir schauen, dass wir das hinbekommen. Das ist enorm wichtig geworden. Da biete ich den Trainern und Betreuern als Kinder- und Jugendarbeiter auch gerne meine Hilfe an.

Kommen wir noch einmal zurück zu den Baustellen. Was muss sich noch ändern?

Reckmann: Unser größtes Problem ist momentan, dass wir trotz der über 1000 Mitglieder nicht bekannt genug sind – auch nicht im Dorf. Deswegen müssen wir für uns und unsere besondere Arbeit werben. Auch, um etwa wieder mehr Kinder und Jugendliche in den Verein und die Fußballabteilung zu bekommen. Wir müssen junge Leute einbinden, die sich entwickeln wollen und den Kids natürlich vernünftig Fußball spielen beibringen. Außerdem fehlt es hier an einem Treff oder Ähnlichem. So gibt es etwa Eltern, die ihren Nachwuchs aus Ahlen nach Walstedde bringen würden, wenn sie hier während der Einheit eine gemütliche Gelegenheit zum Verweilen hätten. Momentan tun sie es aber nicht, weil es kein Café gibt.

Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass es bereits seit Jahren keine B-Jugend gibt. Wie werden Sie das angehen?

Reckmann: Da macht es nur Sinn, wenn wir das von unten behutsam neu aufbauen. Dazu müssen wir attraktiver werden und werben. Vieles, was wir bislang probiert haben, um neue Jugendliche in den Verein zu bekommen, hat nicht mehr gewirkt, weil es einfach aus der Zeit ist. Also müssen wir neue Wege gehen und auch mal andere Anreize außerhalb des Fußballs setzen. Wir müssen den Nachwuchs und ihre Eltern für unseren Verein begeistern und anschließend zum Fußball bringen.

Was haben Sie noch auf Ihrer To Do-Liste als Jugendkoordinator?

Reckmann: Wir müssen es schaffen, die Jugendlichen, die sich engagieren wollen, noch weiter in den Verein einzubinden. Das Potenzial ist da. Es muss nur abgerufen werden. Zudem möchte ich den Übergang vom Junioren- in den Seniorenbereich erleichtern, um bessere Zukunftsperspektiven für jüngere Spieler zu kreieren. Da entwickeln wir gerade ein Patenschafts-System, um zwischen einer Jugendmannschaft und einem Seniorenteam Verbindungen zu schaffen. Ebenso plane ich noch eine FIFA-Soccer-Liga. Das gibt es hier in der Umgebung gar nicht. Damit möchte ich auch auf Kinder und Jugendliche zugehen, die vielleicht nicht so gerne Fußball spielen, aber dafür gerne bei FIFA auf Punktejagd gehen.

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