So weit geht die Geschwisterliebe nicht
Melanie Lorenz trifft beim MTV Altlandsberg auf ihre Schwester

Greven -

Wenn die große Schwester nach Berlin kommt, dann versammeln sich Oma, Opa, Eltern und Freunde in der Sporthalle, um das Duell der Geschwister zu verfolgen. Die Grevenerin Melanie Lorenz trifft am Samstagabend um 19.30 Uhr im Berliner Vorort Altlandsberg auf ihre viereinhalb Jahre jüngere Schwester Svenja. Dann wird dieses Spiel auch zum Pflichtprogramm für alle, die die Lorenz-Geschwister kennen.

Freitag, 04.11.2011, 16:11 Uhr

Auch Melanie kehrt immer wieder gerne zurück. „Kein einziger Berliner geht gerne von Berlin weg“, sagt sie mit ein bisschen Wehmut in der Stimme. Und dass die Altlandsberger mit „Berliner Luft“ antreten werden, sei ja klar. „Die werden schon an sich glauben“, sagt Melanie.
Davon ist auch 09-Trainerin Franziska Heinz überzeugt. Ihre Aufgabe war es in dieser Woche, die Spielerinnen nach dem Pokalausflug im ostwestfälischen Hahlen und der Präsentation des Handball-Kalenders am Mittwoch wieder Zweitliga-Boden unter die Füße zu bekommen.
Denn in Altlandsberg war bisher nicht viel zu holen. Zwei Niederlagen stehen dabei in den vergangenen Jahren zu Buche. Die Berliner Luft dürfte bei einer Niederlage im Balthazar am Kudamm, wo der Grevener Koch Holger Zurbrüggen die Schützlinge aus der Heimat nach dem Match zu später Stunde empfangen wird, sehr dünn werden. „Bei jedem Bier wird die Niederlage nur noch schlimmer“, sagte Ania Jaszczuk bei der Präsentation des Kalenders. „Ich habe keine Lust, anschließend im Balthazar zu sitzen und über die Niederlage nachzugrübeln“, schlägt Katrin Thiele in die gleiche Kerbe. „Wir müssen einfach gewinnen, denn das Programm wird nicht leichter“, sagt die Torhüterin. Deshalb gibt es nur eins, wenn die Mannschaft die fast 1000 Kilometer lange Reise nicht nur physisch, sondern auch psychisch gut überstehen will: Es muss ein Sieg her. Das ist auch Juliane Frank bewusst, die unter der Woche in Rostock weilt und von dort aus zum Spiel anreist.
Die Gastgeberinnen stehen mit dem Rücken zur Wand, werden also alles geben, um wieder an die Form des vergangenen Jahres anknüpfen zu können, als sie Vizemeister in der zweigleisigen Zweiten Bundesliga wurden. Trainer Enno Röder hat die routinierte Spielerin Janin Hetzer reaktiviert, die gegen den VfL Wolfsburg bereits sechs Treffer erzielte.
Allzu sehr dürfte die 09-Trainerin sicher nicht auf den Gegner schauen. Zu sehr hat ihre Mannschaft in den vergangenen Wochen überzeugt, findet immer besser ins Spiel. Der kleine Kader scheint noch mehr zusammenzurücken, jede Spielerin noch mehr Verantwortung zu übernehmen. „Wir sind halt nur noch vier Spielerinnen, die im Rückraum agieren“, begründet Melanie Lorenz ihren Torrekord für den SC Greven 09, als sie in Ketsch gleich ein Dutzend Mal einnetzte. „Das ist eine ganz kleine Halle, da gehen die Fans richtig mit“, macht Melanie Lorenz deutlich, dass die Grevener Handballdamen im Berliner Vorort Altlandsberg eine „kleine Hölle“ erwartet.
Die Rückraumspielerin selbst wird wohl richtig Gas geben, um nicht bei den Telefonaten mit ihrer kleinen Schwester immer geneckt zu werden. Die Geschwisterliebe reicht nicht so weit, dass die eine der anderen die Punkte gönnt. Vielleicht wird sie ihren sensationellen Torrekord überbieten, denn die Berliner Luft tut ihr ja besonders gut.

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