Viele Zahlen, eine Menge Emotionen
Stadtforum zum Thema Profi-Fußball in Münster - Wird das Preußenstadion saniert?

Münster -

Jochen Temme machte anständig Dampf, Hartwig Schultheiß gab sich engagiert, Helmut Kalthoff ließ ein ganzes Lexikon von Zahlen sprechen und Marco de Angelis war im höchsten Maß emotional bei der Sache: Keine Frage, beim Stadtforum des münsterischen Sports zum Thema „Profi-Fußball in Münster – Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten“ wurden alle Register gezogen.

Mittwoch, 25.04.2012, 01:04 Uhr

Es ging um nicht weniger als das „Herzstück“ des münsterischen Fußballs, das Preußen-Stadion an der Hammer Straße. 1926 eingeweiht, ursprünglich mit einem Fassungsvermögen von 40 000 Zuschauern und im Laufe der Jahrzehnte „zurückentwickelt“. Nur rund 15 000 passen heute noch hinein. Und schlimmer noch: „Zur Einweihung war es eines der modernsten Stadien Deutschlands, heute hat man aber das Gefühl, man sehe die Einschlagstellen der Diskuswurf-Veranstaltung der 20er Jahre immer noch“, sagte Stadtdirektor Hartwig Schultheiß.

Und genau darum ging es am Dienstagabend bei der Diskussion, geht es morgen bei der Sportausschuss- und am 9. Mai bei der Ratssitzung: Welchen Anforderungen genügt das Stadion noch, soll es genügen und – in ganz vorsichtiger Erwartung eines neuen Standortes in der Nieberdingstraße – darf es noch genügen? Rund 500 000 Euro sind für die dringlichsten Sanierungen notwendig, das Gesamtpaket so Schultheiß verschlinge etwa drei Millionen (bis 2020).

Helmut Kalthoff , Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung präsentierte ein umfangreiches Zahlenwerk und bereicherte die lange zuvor kontrovers geführte Diskussion um einen neuen Aspekt. Den der Wettbewerbsfähigkeit. „Was hat die Konkurrenz, was haben wir? fragte Kalthoff. Im Wettbewerb der 57 Bundes- und Drittliga-Standorte, bei denen es auch und gerade um TV-Gelder, Sponsoring und Standortvorteile geht, steht Münster noch ganz gut da. Vorausgesetzt, es bleibt nicht beim Ist-Zustand.

Der sei angesichts des jahrzehntelangen Sanierungsstaus der städtischen Immobilie schlichtweg katastrophal, meinte Schultheiß und forderte „einen zumindest mittelmäßigen akzeptablen Zustand herzustellen, um „vernünftig Fußball spielen zu können“. Da war das Thema schnell weg von den Wettbewerbs-begründeten Zahlen zum Naheliegenden: Ein neuer Rasen muss her, inklusive einer Vorrichtung, später einmal eine Rasenheizung einbauen zu können. 200 000 Euro bedarf es dafür als Zuschuss von der Stadt. Zu viel für einen Werbeträger?

„Welchen Mehrwert bringt ein Proficlub der Stadt?“ lautete die rhetorische Frage von Preußen-Präsident Marco de Angelis. „Wir sprechen hier über 200 000 Euro, derweil andernorts schon eine ganze Generation von Stadien abgerissen und ersetzt wurden“, so der SCP-Vorsitzende, der damit auch beim Verwaltungschef offene Türen einrannte.

Kein Diskussionsteilnehmer verhehlte zudem, dass es an der Verkehrssicherheit mangele, sanitäre Anlagen erstellt werden müssten. Die mitunter etwas polemische Diskussion der Vergangenheit wurde gestern im Stadioninnern moderat und vielleicht auch richtungweisend geführt „Ich habe das Gefühl, dass die Problematik in den politischen Gremien angekommen ist“, sagte Schultheiß. Die eingeforderten Sanierungsmaßnahmen seien „kommunizierbar, auch bei denen, die dem Fußball nicht so zugewandt sind“. Besserung war also angemahnt.

Das letzte Wort wird der Rat der Stadt haben. Weshalb Jochen Temme als der Vorsitzende des gestern gastgebenden Stadtsportbundes auch auf die Tube drückte: Ich war im Stadttheater und in der Halle Münsterland – alles picobello. Nur im Stadion ist nichts passiert.“

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