Silberner Satz von Lena Malkus
Leichtathletik: Ratio-Athletin springt im letzten Versuch auf 6,80 Meter und wird WM-Zweite

Münster/Barcelona -

Die junge Dame hält Wort: Lena Malkus hat im letzten Sprung, im sechsten Versuch, im Weitsprung bei der U-20-Weltmeisterschaft einen richtig großen Satz rausgehauen. Sie sprang auf 6,80 Meter und damit auf den zweiten Rang hinter der Britin Catherine Thompson-Johnson. Die hatte windunterstützt im ersten Durchgang 6,81 Meter erreicht. Der Konter von Malkus auf den letzten Drücker hätte fast einen goldenen Anstrich gehabt. Aber auch so durfte sie mehr als zufrieden sein. Tags zuvor hatte sie noch gesagt: „Ich habe die Nerven, um auch im sechsten Sprung noch eine Bestweite zu springen.“ Und Trainer Frank Bartschat fügte an: „Lena hat schon oft im letzten Versuch gewonnen. Ich hatte bis zuletzt ein gutes Gefühl.“ Als ob das alles ganz einfach und normal wäre.

Freitag, 13.07.2012, 22:07 Uhr

Silberner Satz von Lena Malkus : Leichtathletik: Ratio-Athletin springt im letzten Versuch auf 6,80 Meter und wird WM-Zweite
Lena Malkus, hier beim EM-Sieg im Vorjahr, gewann in Barcelona die Silbermedaille im Weitsprung bei der U-20-EM. Foto: Iris Hensel

Wahnsinn, vielleicht konnte es Malkus dann selbst nicht fassen, was sie da noch hinbekommen hatte. Nie zuvor war sie so weit gesprungen, von Platz sechs im Klassement katapultierte sie sich noch auf den Silberrang. Unglaub­lich, einfach unglaublich war das. Der Finaltag hatte für die Ratio-Athletin gut begonnen. Mit 6,47 Meter war die Qualifikationsweite des Vortages um zwei Zentimeter verbessert. Doch die Konkurrenz, vor allem die Britin Thompson-Johnson, packte groß aus. Die 6,81 Meter waren ein Schocker für alle Springerinnen. Zwar half der Wind ordentlich mit, doch in diesem Wettkampf zählte nur die Weite. Malkus hatte damit zu kämpfen. Der Wind spielte auch ein bisschen verrückt, schwierig war es. Mit 6,18 Meter war der zweite Versuch nicht gerade dafür da, Zuversicht zu sammeln. Doch der Bartschat-Schützling gab so einfach nicht klein bei. Versucht drei mit 6,28 Metern war wieder vielversprechender. Versuch vier mit 6,38 m zeigte, dass noch nicht aller Tage Abend war. Im fünften Durchgang flog Malkus an die Sieben-Meter-Marke – hatte allerdings den Absprungbalken übertreten. Die Windunterstützung betrug dabei 4,4 Meter pro Sekunde. Pokerpartie, alles oder nichts. Und dann machte Malkus ernst. Sie lief an, riskierte beim Absprung alles, hob ab und flog auf 6,80 Meter. Eine fantastische Reaktion in diesem Augenblick, wo der Druck am größten war, eine solche persönliche Bestleistung abzurufen, bislang standen 6,70 Meter zu Buche. Der Traum von der WM-Medaille, diese mutige Ankündigung, ohne Edelmetall wäre es keine gute U-20-WM, wurde zu einem tollen Ende geführt. „Einen Moment haben wir uns geärgert, es fehlte ja nur ein Zentimeter. Aber dann haben wir nur gejubelt“, umschrieb Bartschat das Wechselbad der Gefühle. Mit 6,80 Metern überbot Malkus auch die Norm für die Olympischen Sommerspiele in London . Der Deutsche Leichtathletik-Verband DLV hatte 6,75 Meter gefordert. Aber da die Windunterstützung knapp über 2,0 Meter lag, zudem die Nominierungsfrist abgelaufen ist, dürfte es mit einem Start in London nichts mehr werden. Eigentlich. Trainer Frank Bartschat: „Das Thema ist durch. Aber man sollte nie nie sagen.“ Vielleicht geht da noch was für die „Silberfrau“ aus Münster, die junge Dame mit Nerven aus Stahl.

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