Tennis: Veränderungen
Schnelle Entscheidung

Münster -

Robert Hampe ist fast fassungs-, aber auf alle Fälle machtlos. Die Satzung des Westfälischen Tennis-Verbandes (WTV) zwingt den Präsidenten zur Untätigkeit. Allein dem Sportausschuss obliegt es, die Durchführungsbestimmungen zu ändern. Und das hat das WTV-Gremium einschneidend getan.

Freitag, 12.12.2014, 14:12 Uhr

Julia Wachaczyk kennt es schon aus der 2. Liga: Ein dritter Satz wird ab Sommer 2015 dann auch ausnahmslos auf WTV-Ebene, von Kreis- bis zur Westfalenliga, als Match-Tiebreak gespielt..
Julia Wachaczyk kennt es schon aus der 2. Liga: Ein dritter Satz wird ab Sommer 2015 dann auch ausnahmslos auf WTV-Ebene, von Kreis- bis zur Westfalenliga, als Match-Tiebreak gespielt.. Foto: Jürgen Peperhowe

Mit Beginn der Sommersaison 2015 wird ein erforderlicher dritter Satz nicht mehr ausgespielt, sondern durch einen Match-Tiebreak (bis 10) ersetzt. In jeder Altersklasse, in jeder Liga – von der Kreis- bis zur Westfalenliga. Die Mammut-Matches, die Drei-Satz-Krimis und auf die Spitze getriebene Spannung gehören dann der Geschichte an. Das ohnehin schnelle Spiel wird noch schneller (gemacht).

„Ich bin dagegen, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen und war schockiert“, sagt Hampe offen her­aus. Der WTV-Präsident, leidenschaftlicher Tennisspieler, sagt auch, warum: „Der Charakter unseres Sports geht verloren“. So wie der 64-Jährige denken nicht wenige Aktive. „Zum Tennis gehört für mich auch Kondition und Fitness. Die ist ja nun nur noch bedingt erforderlich“, räumt ein 22-jährige Akteur der Münsterlandliga ein. Die Konzentration auf einen Satz und das Sammeln der Kräfte für den Tiebreak würden die Schwächeren stärken.

Eine Ansicht, die auch Carlo Bückmann teilt. „Schade, es gibt keine Fights mehr, wenn die Spiele nicht mehr so lange dauern“, sagt der Mannschaftsführer der Hiltruper Herren. Und er begründet seine ablehnende Haltung: „Zu einem frühen Zeitpunkt gerät man psychologisch unter Druck weil man weiß, dass die Chancen von Schwächeren im Tiebreak steigen.“

Lutz Rethfeld (THC Münster ) kann die Diskussion, die entbrannt ist, nicht nachvollziehen. „Die Entscheidung ist mit 13:1 Stimmen gefallen“, berichtet der WTV-Vizepräsident Sport von einem klaren Votum des Ausschusses. Und Rethfeld bricht eine Lanze für die neue Regelung: „Auch zwei Sätze können lang sein. Zudem ist der Match-Tiebreak kein Glücksspiel, geht er doch immerhin bis zehn.“

Ein Ansatz, die Spieldauer zu kürzen, war das veränderte Freizeitverhalten. Nicht jeder, so Rethfeld, sei gewillt, sich früh morgens auf den Weg zu machen, um spät nach Hause zu kommen. Ein anderer war die einheitliche Handhabung. Ungeachtet der Bundes- und Regionalligen, in denen längst der dritte Durchgang als Tiebreak gespielt wird, scherten nur drei von 18 Landesverbänden aus. Zwei Stadtverbände und eben der WTV ließen Satz drei ausspielen. „Jetzt haben wir eine einheitliche Regelung, die für Klarheit sorgt und Missverständnissen vorbeugt. Sicher gibt es auch eine Zeitersparnis.“ Er räumt ein, dass über eine Ausnahme für den Damen- und Herrenbereich nachgedacht, die letztlich aber verworfen wurde.

Pragmatisch sieht Thomas Heilborn die Entwicklung. „Man kann sich Neuerungen nicht verschließen. Manche Dinge sind bei aller Tradition, nicht zu stoppen. Zum Tennis gehören auch gute Nerven. Und die sind im Tiebreak ja gefordert“, sagt der Union-Trainer und Kreisjugendwart.

Im Winter 2015 findet die neue Regelung dann auch Anwendung für die Hallenspiele, bei denen aktuell schon ein erforderlicher dritter Satz im Doppel in der verkürzten Version gespielt wird.

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