Welt- und Europameisterin im Schießsport
Immer die bessere Zehn im Blick

Münster-Hiltrup -

Im Ferienlager lernte Bianca Glinke als Zwölfjährige zufällig den Schießsport kennen. Der Trainer erkannte das Talent der heute 19-Jährigen und sorgte dafür, dass sie gefördert wird. Heute gehört Bianca Glinke zu den besten Schützinnen Deutschlands. Vor allem in ihrer Paradedisziplin, dem Armbrustschießen, macht ihr kaum jemand etwas vor.

Freitag, 16.01.2015, 13:01 Uhr

 Die Sportschützin  Bianca Glinke hat zu ihrer Armbrust ein ganz besonderes Verhältnis. Sie beherrscht dieses technisch anspruchsvolle Gerät wie kaum ein anderer.
 Die Sportschützin  Bianca Glinke hat zu ihrer Armbrust ein ganz besonderes Verhältnis. Sie beherrscht dieses technisch anspruchsvolle Gerät wie kaum ein anderer. Foto: Jürgen Peperhowe

Nur die Zehn zu treffen, das reicht der Sportschützin Bianca Glinke nicht. Für sie gibt es immer noch eine „bessere Zehn“, eine Neun gilt fast schon als persönliche Niederlage. Eine Acht bezeichnet sie als „tödlich“. Mehrmals in der Woche trainiert sie für die „perfekte Zehn“.

Die 19-Jährige, die seit dem vergangenen Jahr den Sportschützen Hiltrup angehört, hat sich auf das Armbrust-Schießen spezialisiert. Mit dem Luftgewehr gehört die Studentin, die aus Hessisch Oldendorf stammt, ebenfalls zu den besten Schützinnen Deutschlands .

Titel hat sie schon viele gesammelt. Einzel- und Mannschafts-Juniorenweltmeister ist sie, zudem Weltrekordhalterin, weil sie mit der Armbrust bei einem Wettbewerb 394 von 400 möglichen Punkten geholt hat. „Bianca hat einen hohen Anspruch an sich selbst,“ hat der Sportliche Leiter der Sportschützen Hiltrup, Heino Enting, festgestellt. Sie motiviere mit ihrer Einstellung vor allem die jüngeren Vereinskollegen, die allein vom Zuschauen beim Training oder im Wettbewerb von Bianca Glinke viel lernen können. Mit dem Bolzen der Armbrust wird auf eine kleine Scheibe geschossen, die an einem Brett befestigt ist. Foto: Jürgen Peperhowe

„Natürlich schauen auch wir Erwachsenen hin und versuchen, das eine oder andere in das Training einzubauen“, verrät Enting augenzwinkernd. Doch einfach nachmachen, das funktioniere nicht. „Bianca ist ein unglaubliches Talent in diesem Sport, so etwas ist nicht nur alleine mit Fleiß zu erreichen.“

Die Ruhe, die sie ausstrahle, sei einfach faszinierend. Entdeckt wurde diese Gabe übrigens in einem Ferienlager . Ihr jüngerer Bruder nahm am Ferienspaß-Angebot Luftgewehrschießen teil. Das sei eher etwas für Jungen gewesen, erinnert sich Bianca Glinke. Doch dann sollten die Mädchen einmal an die Reihe kommen. Die damals Zwölfjährige probierte es. Der Trainer erkannte das Gespür der Schülerin und überzeugte die Eltern, dass das der richtige Sport für ihre Tochter sei. Auch Glinke wollte weitermachen. Schnell stellten sich Erfolge ein.

Liebgewonnenes Sportgerät

„Schießen ist eine Randsportart“, weiß Bianca Glinke, dass sie damit nie berühmt werden wird. Auch Sponsoren ständen in dem – unter anderem wegen der Gewehre – relativ teuren Sport nicht gerade Schlange. Bianca Glinke strebt eher die persönlichen Erfolge im Training und Wettbewerb an. Nach den ersten gelungenen Versuchen mit dem Luftgewehr kam die Armbrust dazu – ein Sportgerät, das ihr dann sehr schnell ans Herz gewachsen ist, auch wenn die Technik deutlich komplizierter ist als mit dem Luftgewehr. Damit zählt Bianca Glinke schon jetzt weltweit zu den besten Schützen.

„Wenn ich schieße, konzentriere ich mit voll und ganz auf den nächsten Schuss. Ich kann dann die ganze Anspannung des Tages hinter mir lassen, den Unistress vergessen und auch das gelegentliche Heimweh. Eigentlich ist Schießen Entspannung“, betont die ehrgeizige Sportlerin.

Bianca ist ein unglaubliches Talent in diesem Sport, so etwas ist nicht nur alleine mit Fleiß zu erreichen.

Heino Enting, Sportlicher Leiter der Sportschützen Hiltrup

Zwischendurch gönnt sie sich eine Tasse Tee, die ihr die Trainer schon zubereitet haben. Sie wissen, was die zierliche junge Frau braucht, um sich wieder der Zielscheibe zu widmen. Die Konzentration beim Sport sei erlernbar, erklärt Glinke. Dadurch finde sie zur nötigen Ruhe für den nächsten Schuss. Diese Technik habe ihr auch schon in der Schule zu guten Noten verholfen, verrät die 19-Jährige ihr Geheimnis.

Die Hiltruper Schützen sind froh über die prominente Verstärkung. Bianca Glinke studiert seit Oktober Biowissenschaften in Münster. Bei der Suche nach einer neuen Trainingsstätte stieß sie auf die Sportschützen im Süden der Stadt. Dort findet sie optimale Trainingsbedingungen, ein nettes Team und gute Ausbilder. Außerdem seien die Sportfreunde auch ein wenig Familienersatz. Ihre eigene Familie fehlt der Studienanfängerin nämlich sehr. Wenn keine Wettbewerbe anstehen, fährt sie freitags immer nach Hause.

Paradedisziplin

In Hiltrup verstärkt Bianca Glinke ihre Vereinskollegen in der ersten Kreisklasse. „Das ist für mich ein super Training“, sagt sie. Um das Armbrustschießen – ihre Paradedisziplin – zu verbessern, fährt sie gelegentlich nach Ennigerloh. Sportlich hat Bianca Glinke noch einiges vor. Sie hat kürzlich mit dem Luftgewehr erfolgreich eine Sichtung für die Europameisterschaften absolviert.

Auch bei Weltmeisterschaften will sie wieder antreten. Wenn bei der Siegerehrung die Nationalhymne angestimmt werde, sei das ein wirklich erhebendes Gefühl, erzählt die junge Sportlerin. Beim ersten Mal habe sie mit dem Sieg gar nicht gerechnet, damals sei alles sehr schnell gegangen. Allein deshalb möchte sie das noch einmal erleben.

Auch mit der Armbrust will sie weiter gute Leistungen zeigen. Und für die Hiltruper in der Kreisklasse optimal treffen. An Olympische Spiele, die wären nur im Luftgewehrschießen möglich, mag sie noch nicht denken. „Dort sind andere zurzeit noch besser als ich.“ Deshalb ist ihr eigener Anspruch letztlich doch bescheiden: „Ich will mich täglich weiter verbessern.“ Und im Blick hat sie dabei immer die „perfekte Zehn.“

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