Cricket: Vereinsgründung
Ein Stück Heimat in der Fremde – Cricket in Davensberg

Davensberg -

Cricket mag aus deutscher Sicht ein Exotensport sein. In Südasien dagegen ist er populärer als hierzulande Fußball. Kein Wunder, dass plötzlich einige Pakistaner und Inder aus Ascheberg ganz aus dem Häuschen sind.

Mittwoch, 27.12.2017, 18:12 Uhr

Gut Holz: Schlagmann Zain Jodd (r.) trifft bei der spontanen Übungseinheit im Waldstadion den Spielball, Wicket-Keeper Ali Abid hat das Nachsehen.
Gut Holz: Schlagmann Zain Jodd (r.) trifft bei der spontanen Übungseinheit im Waldstadion den Spielball, Wicket-Keeper Ali Abid hat das Nachsehen. Foto: flo

Die Bescherung wird kurzerhand vorgezogen. Am dritten Adventswochenende hat Andrea Tegt­meier (Davaria Davensberg), Initiatorin der neuen Cricket-Abteilung am Rinkeroder Weg, den Gabentisch (kl. Bild) im Vereinsheim reich gedeckt. Protektoren, Helme, Schläger, Bälle, Handschuhe und was der geübte Cricket-Fan noch so braucht: alles da. Und die Anwesenden machen sich, fast wie an Weihnachten, mit großen, leuchtenden Augen über die Ausrüstung her.

Nachfrage in der Gemeinde groß

Moment mal: Cricket? Im Münsterland?! Das muss Tegtmeier den WN genauer erklären: „Ganz einfach. Die Nachfrage in der Gemeinde ist riesig.“ Asylbewerber aus Pakistan, Indien und Afghanistan, untergebracht im benachbarten Ascheberg, hätten sie gefragt, ob irgendwo in der Nähe die Möglichkeit bestehe, deren Nationalsport auszuüben. Nach der WN-Lektüre im Sommer über einen Cricket-Spieler aus Sri Lanka, der zwischen Seppenrade und Düsseldorf pendelt, um seinem geliebten Hobby nachgehen zu können, reifte in ihr der Gedanke: „Das kriegen wir auch hin.“

Cricket in Davensberg

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  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig
  • Der SV Davaria Davensberg hat just eine Cricket-Abteilung gegründet. Es ist die erste ihrer Art im ganzen Münsterland. Foto: Florian Levenig

Beim Kreissportbund (KSB) in Coesfeld 400 Euro für die Ausrüstung locker zu machen, war nicht das Problem. „Es gibt einen speziellen Fördertopf für integrative Angebote“, erklärt KSB-Fachleiter Alexander Bergenthal, wie sein Präsident Bernd Heuermann beim Pressetermin im Waldstadion zugegen. Schwieriger sei da schon gewesen, das nötige Equipment zu besorgen, schmunzelt Tegtmeier: „In Deutschland habe ich nichts gefunden.“ Bei einem Online-Anbieter im Cricket-Mutterland England sei sie schließlich fündig geworden.

Fehlt nur noch ein Pitch, also das Abschlagmal. Kokosmatten seien dafür geeignet, weiß die Initiatorin. Oder ein kleines Stück Kunstrasen. Derlei Petitessen halten Zain Jodd, 21, und Ali Abid , 30, beide aus Pakistan, natürlich nicht von einer spontanen Demonstration ab. Abid, seit zwei Jahren in Ascheberg, sehne sich ebenso lange danach, „richtig“ Cricket zu spielen. Bislang hätten seine Mitstreiter und er sich mit Tennisbällen beholfen. Oder Papierkugeln. Was gerade zur Hand war.

Bretthartes Spielgerät

Ein himmelweiter Unterschied zum offiziellen, brettharten Spielgerät aus Kork und Leder. Helm und Beinschoner haben schon ihren Sinn. Blaue Flecken gebe es trotzdem hin und wieder, erklärt Jodd. Doch die Leidenschaft ist größer als der Schmerz. Acht von zehn seiner Landsleute üben den Volkssport in Pakistan aus. Für Jodd, Abid und Co. ist das neue Sportangebot somit auch ein kleines Stück Heimat in der Fremde.

Training ab Anfang Februar

Ein weiterer Unterschied zum Cricket-Entwicklungsland Deutschland: die Temperaturen. Deshalb wird in Davensberg fürs Erste in der Schulturnhalle (Burgstraße) trainiert. Und zwar immer samstags zwischen 18 und 20 Uhr. Erster Termin: der 3. Februar. Jeder ist willkommen, gesucht wird noch ein Coach. Laut Tegtmeier hat bereits ein Grüppchen aus Münster Interesse bekundet, die derzeit 18 Mann umfassende Abteilung zu verstärken. In der Domstadt gab es bis zum Abzug der britischen Truppen eine HobbyCricket-Abordnung.

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