Boxen: WM-Kampf in Potsdam
Elina Tissen dominiert nach Fehlstart

Potsdam/Warendorf -

So einfach wie erhofft hatte es die Titelverteidigerin nicht: Elina Tissen wirkte zu Beginn ihres WM-Kampfes alles andere als souverän, doch ab der vierten Runde nahm sie das Zepter in die Hand.

Samstag, 19.05.2018, 18:26 Uhr

Diese Linke von Elina Tissen findet ihr Ziel. Am Ende gewann die Warendorferin den WM-Kampf gegen Nina Meinke nach Punkten.
Diese Linke von Elina Tissen findet ihr Ziel. Am Ende gewann die Warendorferin den WM-Kampf gegen Nina Meinke nach Punkten. Foto: Tristan Köppa

Elina Tissen wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. Die 31-jährige Warendorferin verteidigte in Potsdam ihre zwei Weltmeistergürtel der Verbände WIBF und GBU im Federgewicht in einer wahren Ringschlacht gegen die Berlinerin Nina Meinke .

Noch Tags zuvor beim Wiegen hatte die Weltmeisterin ihre Gegnerin mit der Aussage provoziert: „Nina Meinke ist keine Herausforderung für mich. Das wäre vielleicht eine Ramona Kühne.“ Dass diese Aussagen die Herausforderin eher angestachelt als eingeschüchtert haben, bekam Tissen zu Beginn des Kampfes zu spüren. Die 25-jährige Rechtsauslegerin trat selbstbewusst auf und überzeugte mit ihrer Boxtechnik. Tissen hingegen hatte große Mühe, in den Kampf zu finden. Ihr fehlte häufig die nötige Distanz, etliche Schläge fanden ihr Ziel nicht, weil Meinke geschickt aus der Rückwärtsbewegung agierte. Tissen versuchte es mit all ihrer Kraft und Einzelschlägen zum Erfolg zu kommen.

Meinke startet stark

Doch in den ersten drei Runden deutete sich eine Überraschung an. Meinke drückte aufs Tempo und Tissen fand überhaupt nicht zu ihrem Rhythmus. Allerdings konnte die Berlinerin ihr Tempo nicht durchhalten, sie musste ihrem kraftvollen Beginn Tribut zollen, es schwanden die Kräfte. Hinzu kam, dass Tissen durch ihre Schlaghärte ihrer Gegnerin Mitte des Kampfes einen großen Cut am rechten Auge verpasste, der sie stark beeinträchtigte, das Blut strömte. In der neunten Runde musste sogar der Ringarzt prüfen, ob Meinke noch weiterboxen könne. Das Blatt wendete sich, Tissen war wieder die Chefin im Ring.

Erstaunliche Urteile

Meinke verlor zunehmend ihre technische Linie und pumpte kräftig, die perfekt austrainierte Warendorferin marschierte weiter unbeirrt nach vorne und landete die klareren und wirkungsvolleren Treffer. Der Kampf war stilistisch nicht sonderlich schön, aber mit aller Härte geführt. Am Ende erwarteten alle Experten ein klares Urteil, doch daraus wurde nichts. Während Juror Dieter Adam die Warendorferin mit 99:91 zu deutlich vorne sah, muss Pablo Morales scheinbar einen anderen Kampf gesehen haben, er wertete ihn mit 96:94 für Nina Meinke. Einzig Manfred Küchler traf mit seinem Urteil, 97:93 für Elina Tissen, ins Schwarze. „Das war ein klarer Sieg für Elina. Ein Punktrichter hat sich wohl zwischendurch eine Pizza geholt“, wunderte sich Tissens Trainer Maiki Hundt.

„Härter als gedacht“

„Es war heute härter als gedacht. Am Anfang hatte ich Mühe und schlug häufiger mal ins Leere. Doch nach den schwachen Anfangsrunden von mir wendete sich das Blatt, als ich Nina hart getroffen hatte. Dann kam noch der Cut hinzu“, erklärte die Titelverteidigerin. Die Verliererin schätzte ihren Kampf ebenfalls richtig ein: „Nach dem Cut habe ich meine Linie etwas verloren, war nicht mehr so spritzig und schnell wie zu Beginn des Kampfes, konnte nicht mehr an die Leistungen zu Beginn des Kampfes anknüpfen.“

Kampf mit Ramona Kühne?

Wie geht es nun weiter mit Elina Tissen, die ihren 23. Sieg im 25. Kampf feierte und seit zehn Jahren unbesiegt ist? Es könnte auf ein Duell mit Ramona Kühne hinauslaufen, die auch in Potsdam vor Ort war und sich dieses Duell gut vorstellen kann. „Wenn die Rahmenbedingungen passen, dann könnte es ein schöner Fight werden“, sagte Tissen nach dem Sieg kurz und knapp. Damit es dazu aber überhaupt kommen kann, müsste eine der Boxerinnen ihre Gewichtsklasse wechseln.

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