Triathlon: Ironman Hamburg
Wandertag nach Hawaii – Casimir-Coup beim Hamburg-Ironman

Lüdinghausen -

Dirk Casimir (Union Lüdinghausen) hat am Sonntag den Hamburg-Ironman in der Altersklasse 50 gewonnen. Zudem darf sich der 49-Jährige jetzt Deutscher Meister nennen. Noch wichtiger war dem Steverstädter aber etwas anderes.

Montag, 29.07.2019, 19:20 Uhr aktualisiert: 29.07.2019, 19:22 Uhr
Strahlender Sieger: Dirk Casimir bei der Ehrung am Montag.
Strahlender Sieger: Dirk Casimir bei der Ehrung am Montag. Foto: Union

Es ist noch keine zwei Jahre her, da lag Hawaii – Sehnsuchtsort eines jeden Triathleten – für Dirk Casimir in unerreichbarer Ferne. Wobei nicht die Distanz von knapp 12 000 Kilometern zwischen Steverstadt und Pazifik das größte Hindernis darstellte als vielmehr das Wohlbefinden des 49-Jährigen. Eine schwere Muskelverletzung, anhaltende Rückenprobleme, die bis in die Beine ausstrahlten: „An Leistungssport war damals überhaupt nicht zu denken“, so der erfahrene Dreikämpfer, der erst seit dem Frühjahr wieder beschwerdefrei trainiert. Umso bemerkenswerter Casimirs Auftritt am Wochenende beim Ironman Hamburg. Nicht nur siegte der Mann von Union Lüdinghausen in der Altersklasse 50. En passant wurde er Deutscher Meister und löste – noch wichtiger – das begehrte WM-Ticket.

Hawaii-Premier am 12. Oktober

„Wahnsinn. Ein Mal auf Hawaii dabei zu sein, das war mein großes Ziel.“ Qualifiziert für das Spektakel hatte er sich vor ein paar Jahren schon mal, am Start war er noch nie. Somit feiert Casimir am 12. Oktober, einem Samstag, seine persönliche Weltmeisterschaftspremiere – in Begleitung von Peter Weiß, der bereits im Herbst 2018 nahe Rimini die Quali geschafft hatte.

Weiß, ebenfalls Unionist, habe entscheidenden Anteil an seinem jüngsten Coup, betont der Hamburg-Sieger: „Kurz nach Peters Ironman-Sieg haben wir uns in Italien getroffen.“ Damals sei in ihm, dem Urlauber, der Entschluss gereift, doch noch mal anzugreifen und es dem Vereinskollegen gleichzutun. Und auch an der Waterkant sei Weiß eine wichtige Stütze gewesen. Der vielfache Hawaii-Starter hatte tags zuvor die Mitteldistanz in Müritz gewonnen und legte auf dem Rückweg einen Zwischenstopp in der Hafenme­tropole ein – nur um Casimir die Zwischenzeiten beim Laufen durchzugeben: „Das hat mir enorm geholfen.“

Problemdisziplin Laufen

Gerade weil die dritte Disziplin buchstäblich seine Achillesferse sei: „Mein Marathon-Bestwert liegt bei etwa 2:50 Stunden, davon bin ich meilenweit entfernt.“ Dosiertes Training und vorsichtigeres Auftreten ließen kaum mehr Zeiten unter 3:20 Stunden zu. Insofern war die Leistung am Sonntag (3:28) aller Ehren wert. Zumal die Konkurrenten bei brütender Hitze reihenweise ausgestiegen seien. Er selbst habe auf den letzten Kilometern an jedem Verpflegungsstand Station gemacht. „Wandertag“ nennt das der Lüdinghauser (Triathleten haben einen ganz speziellen Humor). Da wusste Casimir freilich längst, dass in Sachen WM nichts mehr anbrennen würde. Der spätere Zweite hatte bereits zehn Minuten Rückstand, selbst Rang vier hätte für Hawaii gereicht.

Vier Kilometer extra

Den Grundstein hatte der Unionist, der als Schwimmmeister in Nottuln arbeitet, im Wasser gelegt. Trotz hohen Wellengangs auf der Außenalster erreichte er die Wechselzone nach guten 57:26 Minuten. Auch die zweite Disziplin sei nicht ohne gewesen, „der Wind blies mal von vorne, mal von hinten und dann wieder von der Seite“. Nach 5:03:01 Stunden stieg Casimir vom Rad. Statt der handelsüblichen 180 Kilometer mussten die Pedaleure aufgrund einer Streckenänderung 4000 Meter zusätzlich bewältigen. Auch deshalb verfehlte der Lüdinghauser die angepeilte Zielmarke – neuneinhalb Stunden glatt – um ein paar Minuten (9:38:24).

Was die Freude des Triumphators, der – ebenfalls bemerkenswert – unter 2534 Finishern Gesamtrang 68 belegte, in keiner Weise minderte. Sein Dank galt hernach nicht nur Weiß, sondern auch einem weiteren Vereinskollegen, Bernd Jakob, sowie der Familie und Freunden, die ihn vorbildlich vor Ort unterstützt hätten: „Die stehen bei diesen extremen Temperaturen den halben Tag an der Strecke und feuern dich an – riesig.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6814779?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F28152%2F
Warnstreik wirkt sich auf Flugbetrieb in NRW aus
Ein Passagier blickt im Flughafen in Düsseldorf auf eine Anzeigetafel.
Nachrichten-Ticker