Serie: Mein erstes Mal
„Du ruderst wie in der DDR“ – WN-Redakteur scheitert an Motorik

Lüdinghausen -

Stabhochsprung, raunen die Eingeweihten einander zu, sei die komplexeste Sportart von allen. Mag sein. Aber Rudern muss gleich dahinter kommen, glaubt unser Autor und Skull-Debütant.

Samstag, 17.08.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 18:34 Uhr
Christian Rohmann (v.l.), Stephan Sauer und Christoph Marxen (r.) wissen schon, dass es gleich lustig wird – was ganz wesentlich mit unserem Lokalsportredakteur und Ruder-Novizen zu tun hat.
Christian Rohmann (v.l.), Stephan Sauer und Christoph Marxen (r.) wissen schon, dass es gleich lustig wird – was ganz wesentlich mit unserem Lokalsportredakteur und Ruder-Novizen zu tun hat. Foto: Bastian Becker

Dass es mit meiner Kondition nicht zum Besten bestellt ist, wusste ich schon, seit ich vor gut einem Jahr einen Teil der Münsterland-Giro-Strecke geradelt bin. Nachdem ich nun das erste Mal in meinem Leben in einem Ruderboot gesessen habe, kann ich sagen: Fehlende Fitness ist noch mein geringstes Problem.

Vier Dinge gleichzeitig tun: schwierig

Der Laie (also ich) stellt sich das ja so vor: Ein paar kräftige Armzüge, und schon fliegt man förmlich übers Wasser. Was der Laie nicht weiß: Wie viel man dabei falsch machen kann. Schon die beeindruckend langen Skulls (je 2,90 Meter) richtig zum Körper zu führen, ist für Ungeübte eine Herausforderung. „Arme erst gestreckt lassen und dann zum unteren Rippenbogen bewegen“, wiederholt Christoph Marxen, Vorsitzender des RV Lüdinghausen, mit einer Engelsgeduld. Was zunächst auch halbwegs funktioniert – bis wir Stufe zwei üben: den rollenden Sitz nach vorn und hinten schieben. Um gleichzeitig – Stufe drei – die Ruderblätter senkrecht ins Wasser zu tauchen und waagerecht herauszuholen.

Nicht zu vergessen die richtige Handhaltung: Die Linke weilt dicht über der Rechten. Immer. Außer, klärt mich Marxen auf, man sei hinterm eisernen Vorhang aufgewachsen. Bin ich nicht. Weil ich aber anfangs unmöglich vier Dinge gleichzeitig beherzigen kann, liegt die Rechte regelmäßig über der Linken. „Du ruderst wie in der DDR“, lacht der Vorsitzende. Lustig. Von den Luftlöchern oder – schlimmer noch – den bremsenden, weil zu früh vertikal versenkten Skulls ganz zu schweigen.

Viel Bewegung, frische Luft: herrlich

Ich frage mich, ob es Christian (Rohmann) und Stephan (Sauer) schon bereuen, den blutigen Anfänger mit ins Boot geholt zu haben (die Knöchel bluten übrigens ebenfalls wegen unsachgemäßer Bedienung). „Alles gut“, lügt Christian. Während Stephan (beim Rudern ist man schnell per Du) mir erklärt, was eigentlich das Tolle an diesem Sport ist (wenn man ihn denn beherrscht): „Man bewegt sich, schont die Gelenke und ist immer an der frischen Luft – herrlich!“

Stephan rudert seit knapp 40 Jahren und will 2019 noch die 1000 Kilometer vollmachen. Mit dem WN-Redakteur an Bord wird das nix, aber dazu später. Auf dem Kanal bieten sich zwei Trainingsstrecken an. Eine kürzere, landschaftlich schönere nach Senden. Und eine längere (zehn Kilometer) nach Olfen. Nicht ganz so reizvoll, dafür gebe es dort aber dieses nette Ausflugslokal, weiß Marxen. „Jetzt ein kühles Bier“, schießt es mir durch den Kopf, ich gebe Gas – und mache vor lauter Aufregung gleich wieder alles verkehrt.

„Es muss im Kopf Klick machen, das braucht Zeit und Übung“, trägt der Chef des Rudervereins meine bedingt tauglichen Versuche mit Fassung. Nach einer Stunde macht es tatsächlich einige Male Klick im Kopf. Anstrengung und Verkrampfung weichen einem unbeschreiblichen Hochgefühl. Stephan hatte recht: Herrlich! Zurück im Bootshaus, Kilometerzahl eintragen im elektronischen Fahrtenbuch. „Und – wie viele?“, frage ich erwartungsfroh. „Zwei“, kommt Marxens ernüchternde Replik – „großzügig aufgerundet“.

Üben wie die Profis

Wer motorisch begabter ist als unser Redaktionsmitglied, zusätzlich Talent mitbringt und den nötigen Trainingsfleiß, kann es beim Ruderverein Lüdinghausen weit bringen. Philipp Stüer wurde 2006, im englischen Eton, Weltmeister mit dem Deutschland-Achter, vier Jahre eher hatte er bereits im Vierer ohne in Sevilla WM-Gold gewonnen. Auch Alexander Kortmann und Maximilian Wagner waren international erfolgreich. Zuletzt belegte Lena Sarassa bei der U 23-Weltmeisterschaft in Florida im DRV-Großboot Rang fünf. Wer ähnliche Großtaten vollbringen will: Am morgigen Sonntag und dem darauffolgenden (18./25. August, jeweils 10 Uhr) lädt der Ruderverein Interessierte zur Probefahrt ein. Einfach vorab eine Mail an christoph.marxen@rvlh schicken.

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