Münster-Marathon
Im Marathonbüro: Von der Ausgabe der Startunterlagen bis zur Archivpflege

Münster -

Das Meiste ist vorbereitet – im Marathon-Büro in der münsterischen Windthorststraße laufen dennoch die Drähte heiß. Irgendwo läuft irgendetwas noch nicht rund, muss koordiniert, abgesprochen, organisiert werden. 

Dienstag, 03.09.2019, 09:32 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 15:47 Uhr
Münster-Marathon: Im Marathonbüro: Von der Ausgabe der Startunterlagen bis zur Archivpflege
Stressfrei geht’s kaum: Heike Keller (l.) und Christina Lünenborg organisieren das Marathon-Büro. Foto: VMM

Kleinigkeiten, denn das Gros der immensen Arbeit beruht auf Routine. Es ist schließlich die 18. Auflage des Volksbank-Münster-Marathon – da ist man vor Überraschungen gefeit.

Na ja, wie immer ist das eine Frage der Perspektive. „An meinem freien Tag war ich zehn Stunden hier im Einsatz“, sagt Heike Keller . Seit 2010 ist sie als eine von zwei hauptberuflich Angestellten für den Münster-Marathon tätig. „Manchmal ist es wie ein Hamsterrad“, sagt die ehemalige Bankerin, die vor neun Jahren zum Münster-Marathon stieß. Als Übungsleiterin im SV Teuto Riesenbeck weiß sie ganz genau, wo jetzt, wenige Tage vor dem Startschuss am 8. September, noch der Schuh drückt. Überall.

Es geht darum, die Anwohner an der Strecke zu informieren, wann sie am Marathon-Sonntag nicht von A nach B und zurück fahren können, weil die Straßen gesperrt sind. Oder es muss Material an die zahllosen Helfer verteilt und deren Utensilien zusammengepackt werden. Es geht schlichtweg um alles. Das Telefon ist manchmal der kürzere Weg, als auf eine Re-Mail zu warten. „Zumeist geht es um generelle Fragen zum Marathon, die beantwortet werden müssen. Einer wartet auf seine Meldebestätigung, anderen fällt plötzlich ein, dass sie umgezogen sind“, erzählt Heike Keller, derweil ihre Kollegin im Marathon-Büro, Christina Lünenborg , unterwegs zu einem Außer-Haus-Termin ist.

Die besten Bilder vom Münster-Marathon 2018

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  • Der Startschuss für den Marathon fiel am Sonntagmorgen um 9.15 Uhr. Der spätere Sieger Justus Kiprotich (im orangenen Trikot) war von Anfang an vorne mit dabei.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die 42,195 Kilometer führten vom Schlossplatz durch die Innenstadt und Münsters Westen bis zurück zum Zieleinlauf am Prinzipalmarkt.

    Foto: Claus Röttig
  • Entlang der Wegstrecke fanden sich zahlreiche Unterstützer. Manche haben sich ungewöhnliche Aktionen einfallen lassen, wie diese Gruppe, die ihre Hometrainer nach draußen verlagert haben.

    Foto: Claus Röttig
  • Natürlich gab es auch familiäre Unterstützung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Viele Helfer versorgten die Läufer mit Getränken und gesunden Snacks,...

    Foto: Annegret Lingemann
  • ...die dankend angenommen wurden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Motivation schöpfte mancher Läufer aus einem ungewöhnlichen Outfit.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Strecke wurde durch viele bunte Dekoration aufgefrischt.

    Foto: Claus Röttig
  • Und wie auf jeder großen Sportveranstaltung fehlten auch die Cheerleader nicht.

    Foto: Claus Röttig
  • Besondere „Zaungäste“ warteten beim Zieleinlauf am Prinzipalmarkt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nach den rund 42 Kilometern war bei vielen die Luft raus. 50 Teilnehmer mussten medizinisch versorgt werden. Ansonsten verlief die Veranstaltung aus Sicht der Hilfsorganisationen erfreulich ruhig.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Für gute Laune sorgten auch Künstler in bunten Kostümen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Als schnellste Frau lief Sheila Rono aus Kenia ins Ziel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die glücklichen Sieger. Aber nicht nur die beiden durften sich über eine Medaille freuen. Alle Teilnehmer, die es bis ins Ziel geschafft haben, bekamen eine Sammler-Medaille.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Detmolder Elias Sansar lief schon zum sechsten Mal als schnellster Deutscher beim Münster-Marathon ins Ziel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch die Läufer von Westfalenfleiß waren wieder mit dabei.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die wohlverdiente Abkühlung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Abwechslung bei den Getränken gab es nach der Anstrengung. Natürlich alkoholfrei.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nachwuchsläufer testen die Strecke. Vielleicht sehen wir sie ja in ein paar Jahren ihren ersten Marathon zurücklegen.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Bei allem Stress, der auf Heike Keller regelmäßig „so ab Anfang August einprasselt“, wenn also die heiße Vorbereitungsphase der Läufer auf die Beschäftigten im Marathon-Büro wechselt, laufen die beiden Damen zur Höchstform auf. „Es macht einfach Spaß, mit Läufern zusammenzuarbeiten. Es ist eine tolle Klientel“, sagt Heike Keller.

Wie viele Marathons sie schon hinter sich gebracht hat, also aktiv? „Keinen einzigen. Ich komme ja eher aus dem Sprint- und Sprungbereich“, betont Heike Keller, die sich in Riesenbeck um die leichtathletische Ausbildung und Wettkämpfe der Kinder und Jugendlichen kümmert. „Sozusagen habe ich also mein Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt die Leiterin der Geschäftsstelle.

Lange laufen - lange leiden

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  • Strapazen, Schmerzen und die reine Glückseligkeit

    Elf Marathonläufe hat David Schönherr bereits hinter sich, den zwölften läuft der schnelle Ausdauersportler von den Laufsportfreunden Münster im Herbst in Berlin – und nicht in seiner Heimatstadt. Hier war er bereits drei Mal über die 42,195 Kilometer lange Distanz unterwegs und kennt die Strecke – auch aus zahlreichen Trainingsläufen – wie seine Westentasche. Der 29-Jährige hat seine Sicht auf die Dinge und erklärt, was abgeht auf den Leidenswegen zwischen Münsters Innenstadt, Gievenbeck, Nienberge und Roxel. 

    Foto: Oliver Werner
  • Start

    Hunderte gehen schrittweise vor – bis sie die Startlinie sehen können, sind die ersten schon mit zwei Kilometern Vorsprung weit weg. „Irgendwie zwischen Vorfreude, Kribbeln und Zweifel“ befindet sich David Schönherr. Zweifel, ob das Training, die 30-Kilometer-Läufe zuvor, ausgereicht hat. „Der Start ist die Belohnung für die Mühen“, sagt er.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Km 5: Suchen

    Cool bleiben: „Keine Panik, das wird schon.“ Die Läufer suchen und finden ihren Rhythmus. Müssen sie auch. Vielleicht ist das Anfangstempo ein wenig zu schnell? Schönherr (Foto): „Man muss in den Lauf reinfinden.“ Und in sich hineinhorchen: „Sind die Beine gut?“ Na dann, weiter geht es.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 10: Fühlen

    Wie fühlt sich der Lauf an? Gute Marathonis wissen das jetzt schon. „Man darf nicht überzocken, auch wenn die Zuschauer in der Altstadt  die Läufer nach vorn peitschen. In der Promenade läuft’s sich gut. „Nur jetzt kein Pulver verschießen!“

    Foto: colourbox.com
  • Km 15: Essen nicht vergessen

    Alte Marathon-Weisheit: „Wenn man jetzt was merkt, ist es schon zu spät.“ Die Läufer beobachten nun die kleinsten Körperreaktionen. „Um Himmels willen: jetzt bloß nicht Essen und Trinken vergessen.“ Die Energie-Gels schmecken zwar fürchterlich süß, helfen aber      gegen den Hungerast und sind gut für die Psyche: „Man fühlt sich fitter mit dem ganzen Zeug.“ Also rein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 21: Die Hälfte

    Die Hälfte ist geschafft – oder ist es erst die Hälfte? Auf jeden Fall ist die Halbmarathon-Marke kurz vor Nienberge eine psychologische. Bis jetzt sollte man getrödelt haben, Tempo kann man noch aufnehmen, jedenfalls wenn sich der Körper immer noch „fluffig“ anfühlt. Man läuft den Marathon ja auch im aeroben Bereich – anders wäre nicht unbedingt ratsam.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 25: Einsamkeit

    Jetzt wird’s einsam, zwischen Haus Vögeding und Twerenfeldweg geht es etwas bergauf – und es droht zugleich ein mentales Loch. „Bin ich noch in der Zeit, die ich mir vorgenommen habe? Aber man freut sich auf Roxel. Da geht die Party wieder richtig ab.“ Bis dahin ist es extrem hart – „man hat noch so viele Kilometer vor sich. Für den Kopf ist das  wirklich nicht so vorteilhaft.“

    Foto: Oliver Werner
  • Km 30: Jetzt mal ordentlich Gas geben

    Die Läufer sind schon fast aus Roxel raus, „da entscheidet sich: Wird es ein guter Marathon?“ – denn der „fängt jetzt erst richtig an“. Über die Roxeler Straße geht es leicht bergab. „Wenn man sich die Kraft gut eingeteilt hat, kommt man ins Rollen“ – und zwar noch ehe der „Mann mit dem Hammer“ hinter der nächsten Kurve lauert.

    Foto: Sven Rapreger
  • Km 35: Der Hammermann von Gievenbeck

    Und da ist er schon, der Hammermann. Beim Münster-Marathon schlägt er oft in Gievenbeck zu. Wie hart er einen trifft, liegt auch an der Vorbereitung. Der Kerl trifft einen mit der vollen Breitseite. Das tut jetzt richtig weh. 80 Prozent aller Läufer haben hier die größten Zweifel, jeder Schritt schmerzt. Immer noch sind es sieben Kilometer bis zum Ziel, aber ab Kilometer 38 wird die Rest-Distanz überschaubar: „Noch vier, das geht eigentlich immer.“

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 40: Hart, härter

    Jetzt wird’s körperlich richtig hart: „Phänomen letzte Meile“ nennt man den Teil der Strecke, an dem das Ziel doch schon zum Greifen nah ist. Trotz der Schmerzen: Man freut sich auf die Liebsten, die jetzt irgendwo am Streckenrand stehen und jubeln. Und wenn man vorher noch gefragt hat, warum, weiß man nun: genau darum!

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Km 41: Geschafft

    Auf dem roten Teppich kurz vor der Ziellinie neigt man zum Endspurt. „Aber auf dem Kopfsteinpflaster geht das nicht wirklich – die Muskelfasern sind eh schon zerstört.“ Egal: Das Ziel ist pures Glück, die Emotionen überwältigen die Fi­nisher. Neulinge fühlen sich als Helden – die Frage ist nur: „Wer trägt mich denn nun heim?“

    Foto: Oliver Werner

Spaß an der Sache wird auch von den anderen Mitarbeitern neben Heike Keller und Christina Lünenborg im festen Marathon-Team hoch gehalten: Carolin Ischinsky organisiert die Verpflegung der Läufer an der Strecke, Felicitas Schlepper kümmert sich verantwortungsvoll darum, dass die Marathonis nicht nur wissen, was sie tun, sondern auch nachweisen, was sie getan haben. Sprich: Sie bearbeitet die Ausgabe der Startunterlagen. Christin Cerniuc hat den Nachwuchs im Blick und organisiert den Stadtwerke-Kids-Marathon. Helmar Winkler wirft als 2. Vorsitzender des Münster Marathon e. V. den Blick zurück und nach vorn als Archivar und Bereichsleiter „Start“.

Ludger Fliss ist als Geschäftsführer des Vereins für die Technik zuständig und – wenn man seine Aufgabenbeschreibung „dies und das“ zugrundelegt: eigentlich für alles. Dr. Ralf Schomaker vom Zentrum für Sportmedizin (ZfS) ist mit Dr. Gerrit Borgmann und weiteren Medizinern Rennarzt und medizinischer Delegierter. Gregor Veauthier kümmert sich um die Strecke und die damit zusammenhängende Logistik. Bernd Deistler und Johann Schulze-Buschhoff fungieren als Webmaster und organisieren die Brems- und Zugläufer. Ludger Risse sorgt dafür, dass rund 300 Künstler an der Strecke Läufer wie Zuschauer gleichermaßen unterhalten, und Thomas Schluer hat die Fäden in der Hand, wenn alles vorbei ist: Der Zielbereich ist sein Metier.

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