NRW-Meisterschaften der Gespannfahrer
Pferde mit Kämpferherz

Münster-Roxel -

In Roxel gingen an diesem Wochenende die Gespanne an den Start.

Sonntag, 12.06.2016, 18:06 Uhr

S
S Foto: ann

Liegt das größte Glück der Erde – wie ein Sprichwort sagt – auf dem Rücken der Pferde? Für manche Menschen liegt es dahinter. Für sie bedeutet Glück, ein Gespann zu fahren, das von einem oder mehreren Pferden gezogen wird. So bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der NRW-Meisterschaften der Gespannfahrer, die an diesem Wochenende in Roxel stattfanden.

„Das Fahren gibt schon den besonderen Kick“, meint Dressurrichter Uli Hengemühl aus Lienen . Er selber ist, wie die meisten Mitglieder der Jury, über die Spring- und Vielseitigkeitsreiterei zum Gespannfahren gekommen.

„Das ist deshalb so spannend, weil man hinter dem Pferd viel weniger reiterliche Hilfen zu Gebot hat als auf seinem Rücken. Das Verhältnis zwischen Pferd und Fahrer ist intensiver und muss in gewisser Weise enger sein. Und erst recht mit zwei oder gar vier Pferden. Die sind nämlich nicht von selbst ein Gespann. Es braucht die erfahrene Hand des Lenkers, und die Tiere müssen vom Temperament und Charakter zusammen passen. Sie müssen ein Kämpferherz haben“, sagt Hengemühl. Seit 17 Jahren ist er Richter, jetzt bereitet er sich auf die höchste Richterprüfung in der S-Klasse vor.

Ein „Kämpferherz“ hat auch Franz Schnider aus Mels in der Schweiz. Er hat erst nach seiner Pensionierung mit 62 Jahren mit dem Fahrsport begonnen. Mittlerweile fährt er vier- und sechsspännig und erreichte schon auf zahlreichen Turnieren vordere Plätze. Ein „Draufgänger“ sei er, sagt er und fasziniert vom Pferdesport.

Gefordert werden bei den Turnieren die Disziplinen Dressur, Hindernis und Gelände, aus allen Bereichen errechnet sich dann die Gesamtplatzierung. Bei der Dressurprüfung gibt es auch Noten für den Gesamteindruck. Kein Wunder also, dass nicht selten Zylinder und schöne Hüte zu sehen sind, und auch die Pferde mit stramm geflochtenen Mähnenzöpfchen oder „Brezel-Locken“ herausgeputzt werden. Wer glaubt, dass gelbe Schaumstoffbälle nur auf dem Tennisplatz zu Übungszwecken zum Einsatz kommen, irrt. Beim Hindernis-Parcours liegen sie als empfindliche Anzeiger auf den roten Begrenzungskegeln und zeigen den Richtern auch noch auf Entfernung, ob die Durchfahrt an den Hindernissen reibungslos genommen wurde.

Der Fahrsport ist seit gut 30 Jahren im Aufwind. Maschinen und Traktoren hatten die Pferde auf den Höfen weitgehend verdrängt. Dann aber kam das Pferd als „Sportkamerad“ zurück. Gespannfahren – einst alltägliche Fortbewegungsart – wurde zu einer kleinen aber feinen Sparte im Pferdesport.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4075892?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F3814580%2F4846778%2F4846785%2F
Nachrichten-Ticker