Paralympics: Dressurreiten
In Rio bei Dorothée Terstegge in den richtigen Händen

Münster -

Dorothée Terstegge hat die meisten Sachen, die sie in Rio brauchen wird, längst Richtung Brasilien verschifft. Die Physiotherapeutin aus Münster kümmert sich bei den anstehenden Paralympics um die deutschen Reitsportler. Und kennt sich längst aus mit den Bedürfnissen der Athleten.

Dienstag, 23.08.2016, 16:08 Uhr

Startklar für Rio  sind (sitzend v. l.) die Para-Dressurreiter Elke Philipp, Claudia Schmidt, Steffen Zeibig, Alina Rosenberg, Hannelore Brenner sowie (stehend v. l.) das Begleitteam mit Dr. Bernadette Unkrüer (Mannschaftstierärztin), Larissa Simon, Stefan Sevenich (Mannschaftsarzt), Dorothée Terstegge, Claudia Rosenberg, Bernhard Fliegl (Bundestrainer), Britta Bando (Equipechefin) und Dorte Christensen.
Startklar für Rio  sind (sitzend v. l.) die Para-Dressurreiter Elke Philipp, Claudia Schmidt, Steffen Zeibig, Alina Rosenberg, Hannelore Brenner sowie (stehend v. l.) das Begleitteam mit Dr. Bernadette Unkrüer (Mannschaftstierärztin), Larissa Simon, Stefan Sevenich (Mannschaftsarzt), Dorothée Terstegge, Claudia Rosenberg, Bernhard Fliegl (Bundestrainer), Britta Bando (Equipechefin) und Dorte Christensen. Foto: Uta Helkenberg

Eine ungetrübte Perspektive stellt sich schwerlich ein bei denjenigen, die in den Flieger gen Rio de Janeiro steigen. Kein Wunder. Nach Olympia ist vor den Paralympics , und die in 22 Sportarten geplanten Spiele für Sportler mit Handicaps stehen unter finanziell wackeligen Vorzeichen und finden im Vorfeld kaum Interesse bei der Bevölkerung. Dorothée Terstegge weiß das alles. Und freut sich trotzdem auf den Abflug am 2. September.

Die 52-jährige Physiotherapeutin aus Münster , die gemeinsam mit Susanne Plake-Simon seit 1992 eine eigene Praxis betreibt und bis Ende der letzten Serie für den Volleyball-Bundesligisten USC Münster arbeitete, gehört zum 94-köpfigen Funktionsteam, das sich um 148 vom Nationalen Paralympischen Komitee nominierte deutsche Athleten kümmert. Trainer, Ärzte, Betreuer und Physiotherapeuten. Terstegge ist zuständig für die Para-Dressurnationalmannschaft. Hannelore Brenner (Wachenheim), Elke Philipp (Treuchtlingen), Alina Rosenberg (Konstanz) und Steffen Zeibig (Arnsdorf) reiten für Deutschland, Reservestarterin Claudia Schmidt (Darmstadt) reist ebenfalls an. Im paralympischen Reitsport werden Medaillen in elf Entscheidungen vergeben – ausschließlich in der Dressur.

Seit zehn Jahren betreut die Praxis im Olympia-Stützpunkt Westfalen in Warendorf die Vielseitigkeits-, Spring- und Nachwuchsreiter. „Vor zwei Jahren kam eine Anfrage des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten“, sagte Terstegge dem Kooperationspartner der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zu. Bei der WM 2014 und der EM 2015 reiste sie schon mit. Und weiß genau, was auf sie zukommt. „Ich habe damals gleich klargestellt, dass ich keine Pferdesport-Expertin bin. Aber das war auch gar keine Bedingung.“ Die Vielseitige sorgte zuvor auch schon bei der Wasserball-Nationalmannschaft für das Wohlfühlen.

Der gute Draht und das Einfühlungsvermögen sind entscheidend. Terstegge weiß, wie Sportler ticken. „Die kennen ihren Körper und können klar benennen, was los ist. Das erleben wir auch in unserer Praxis.“ Die Frage „Wo ist das Problem?“ steht immer an erster Stelle. Schnell entwickelt sich aus der Antwort das Gespräch und womöglich die Behandlung. Die Para-Reiter werden so behandelt „wie alle anderen Leistungssportler“. Nichts anderes wollen sie, trotz ihrer persönlichen Einschränkungen. Alle Dressurstarter sind gemäß ihren Handicaps in Wettkampfklassen eingeteilt, so genannte „Grades“. In Grade I starten dann beispielsweise die am schwersten behinderten Sportler.

Die Sportphysiotherapeutin, wie einige ihrer Mitarbeiterinnen lizenziert durch den Deutschen Olympischen Sportbund, hat das offene Ohr und ist aus sich heraus sensibel, um den Gehandicapten helfen zu können. Menschen mit einer Rumpfinstabilität oder Prothesenträger „zeigen sicherlich bestimmte Kompensationsmechanismen“, die sie kennen muss, weil sich aus diesen Belastungsbilder ergeben können. Reiter, die kaum oder gar nicht in der Lage sind, mit Händen, Beinen oder Füßen Signale zu geben, entwickeln eigene Methoden, um mit dem Pferd zu kommunizieren.

Terstegge wird als „Staff-Zugehörige“ im Olympischen Dorf leben und eng eingebunden in die Gesamtversorgung aller deutschen Starter. „Die Zentrale der Physiotherapeuten reguliert täglich von 8 bis 22 Uhr alle Einsätze“, ist sie auf Flexibilität im Arbeitspensum eingeschworen. Bis zum Gepäckschleppen. „Es ist klar, dass unsere Sportler auf ihren Wegen jede Unterstützung brauchen“, sagt Terstegge.

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