Boxen: Bundesstützpunkt
Köln oder Münster – wer erhält den Zuschlag für NRW?

Münster -

Die Frage ist einfach: Wer erhält im nächsten Monat den Zuschlag für den Bundesstützpunkt Boxen in NRW? Münster oder Köln? Ein enges Rennen. Die erste Abstimmung brachte kein Ergebnis. Nun gehen beide Kandidaten noch mal auf Werbetour.

Freitag, 14.07.2017, 15:07 Uhr

Hinter den Kulissen geht es darum, wo der Ring steht, in dem künftig die Olympia-Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen für die Spiele fit gemacht werden.
Hinter den Kulissen geht es darum, wo der Ring steht, in dem künftig die Olympia-Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen für die Spiele fit gemacht werden. Foto: Witters

Anfang August soll die Entscheidung darüber fallen, ob es einen Bundesstützpunkt Boxen in NRW in Münster geben wird oder nicht. Etwas überraschend scheiterte der Zuschlag für Münster Anfang Juli, auch weil die handelnden Figuren mit dem Bundesministerium des Innern, dem Deutschen Olympischen Sportbund sowie mit dem Land NRW keine einstimmige Entscheidung gefällt hatten. Alle Ampeln auf grün? Mindestens eine Partei machte das nicht mit bei der Abstimmung nach den sogenannten Strukturgesprächen. Das Land, offenbar lediglich vertreten durch einen Sprecher der Olympia-Stützpunkte, machte sich für Köln stark.

Ein Blick in die neuere Geschichte ist dabei nicht unbedeutend: Denn im Jahr 2014 war Köln der erste und alleinige Kandidat für einen Bundesstützpunkt, vorgeschlagen vom Deutschen Boxsport-Verband ( DBV ) und dem Landesverband NRW. Die Rheinländer lehnten aber ab, weil die langjährige Finanzierung einer Trainerstelle nicht zu garantieren war. „Es ist nie gesagt worden, dass Köln ein schlechter Standort wäre“, so Hans-Martin Stork , Vorstandsmitglied im Verband NRW. Aber Köln wollte nicht.

Dann erst kam Münster ins Spiel, legte ein Konzept vor und überzeugte auf ganzer Linie. „Unter zwei guten Bewerbern ist Münster der bessere“, erklärt Stork und genießt auch Unterstützung durch DBV-Chef Jürgen Kyas. Stork nennt zudem zwei wesentliche Vorteile für Münster: „Das Trainings- und Leistungszentrum ist vielleicht das modernste in ganz Europa. Und die Finanzierung der Top-Trainerstellen ist deutlich besser.“ Beide Standorte hätten Anschluss an Eliteschulen, Universität, Internats-Möglichkeiten und Wohnheime. Wichtig sei dem NRW-Verband vor allem auch, dass ein Bundesstützpunkt im Land bleibt. Frankfurt/Oder, Berlin, Schwerin und Heidelberg sind dabei gesetzt. Münster wäre die Nummer fünf.

Wobei nach den Vorschriften der Entscheider Köln gar nicht mehr in Betracht kommen dürfte. Warum? Nur Münster wird im Strukturplan des DBV, ein Muss für den Entscheidungsprozess, genannt. Köln steht – siehe Rückzug 2015 – nicht auf dieser Vorschlagsliste. So gesehen wäre der „worst case“, dass Münster keinen Zuschlag erhält und Köln rechtlich außen vor ist. Mit dem Ergebnis, dass es dann keinen Bundes-Stützpunkt Boxen mehr in NRW gäbe.

Birka geht auf Werbetour

hef Herbert Birka ist Chef des Boxverbandes Mittelrhein, Die Hochburgen Köln und Leverkusen gehören zu diesem. „Ich habe absolute Hochachtung vor dem Team in Münster und den Leistungen. Aber der bessere Stützpunkt ist Köln“, sagt er. Große Erfolge, drei U-19-Titelträger bei Deutschen Meisterschaften aktuell, eine WM-Dritte wie Nadine Apetz oder Superschwergewichtler Max Keller führt er an, um die sportliche Leistungsfähigkeit des Stützpunktes im Rheinland zu unterstreichen. Mit Lukas Wilaschek hätte man auch einen Top-Trainer und ein funktionierenden Stab. Und, so Birka weiter bei der PR-Tour für Köln: „Bei der WM in Hamburg sind zwei Athleten von uns dabei, ein weiterer ist zudem Reserve.“

Unausgesprochen bleibt dabei seine Frage, was der Konkurrent aus Münster da zu bieten habe? „Im Radius von 200 Metern haben wir Olympia-Stützpunkt, Sporthilfe, Sporthochschule und das Internat“, erklärt er. Allerdings gesteht der Verbandschef auch ein, dass die Finanzierung eines geforderten weiteren hoch qualifizierten Trainers über Jahre in Köln nicht zu stemmen sei. Man habe keinen Sponsor dafür. Münster offenbar schon. Und: „Wir wissen natürlich, dass Münster eine super Halle hat.“

Birka hofft auf den Zuschlag für Köln, sieht aber gleichzeitig auch die Gefahr, dass am Ende beide Städte leer ausgehen könnten: „Das wäre danneine Katastrophe für den Boxsport in Nordrhein-Westfalen.“

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Und noch das: Vermutet wird, dass Köln sein Interesse erst da wieder auffrischte, als klar war, dass es in Zukunft keine Bundes-Nachwuchsstützpunkte mehr gibt und eine „Zurückstufung“ zum Landesleistungsstützpunkt bevorsteht.

Der neue Status als Bundesstützpunkt wird für acht Jahre vergeben, nicht mehr nur für vier. Münster ist bereit, DBV-Präsident Kyas muss „nur den Schalter umlegen“. Alles sei bestellt. Aber auch Köln hofft weiter, setzt auf sein gewachsenes Umfeld am Olympia-Stützpunkt, die Nähe zur Deutschen Sporthochschule, seine siegreichen Kader-Athleten und, und, und.

Möglicherweise bekommt die Sache aber eine Wendung durch die neue NRW-Regierung um Armin Laschet. Die just ernannte Staatssekretärin Sport, Andrea Milz, ist an Laschets Ministerium angedockt. Die CDU, nicht mehr Hannelore Krafts SPD, setzt auf Moderation durch den DOSB. Vorteil für – ja, für wen eigentlich?

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