Sparda-Münster-City-Triathlon
Skulptur-Projekte behindern Sportler: Triathleten müssen über Kunstwerk klettern

Münster -

Es geht langsam ans Eingemachte: Am Sonntag steigt die zehnte Auflage des Sparda-Münster-City-Triathlons. Das Jubiläum wartet mit einer Besonderheit auf: Der Kunststeg, der aktuell die Uferseiten des Hafenbeckens verbindet, wird mit in den Wettkampf integriert.

Dienstag, 18.07.2017, 16:07 Uhr

Sparda-Münster-City-Triathlon : Skulptur-Projekte behindern Sportler: Triathleten müssen über Kunstwerk klettern
Spannend: Das Kunstwerk von Ayşe Erkmen wird in den Triathlon am Sonntag integriert. Die Rampe, die die Sportler überwinden müssen, befindet sich auf Höhe der Hafenkäserei (rechts im Bild). Foto: Matthias Ahlke/Montage: Lisa Stetzkamp

Dem biblischen Wunder so nah, der Illusion nicht fern: Einmal übers Wasser gehen – die Skulptur-Projekte Münster machen’s möglich. Im Hafen sind sie aktuell „On Water“ – der kreativen Ader der türkischen Künstlerin Ayşe Erkmen sei Dank. Ein Hingucker, der funktioniert.

„Spannend“, sagt Anne Hassenjürgen . Die 21-jährige angehende Juristin tut’s, genau wie so viele vor ihr. Watet bedächtig von der einen Uferseite zur anderen, zaghaft, Meter für Meter. Über einen scheinbar unsichtbaren Steg, der unter der Wasseroberfläche auf Containern installiert ist. So viel zum Unerklärlichen. Es ist Montagabend.

Nicht mal mehr eine Woche, dann tummeln sich neben diversen Touristen hier am Stadthafen 1 die Triathleten – Profis, ambitionierte und in der Breite organisierte. Der Clou für alle Ausdauerhelden: Das Kunstwerk wird in die zehnte Auflage des Sparda-Münster-City-Triathlons (SMCT) am 23. Juli integriert. Nur wie?

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

1/36
  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Fest steht: Das „Hindernis“ müssen die 600 Aktiven der Volksdistanz (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen) und die 400 Teilnehmer über die olympische Strecke (1300 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, zehn Kilometer Laufen) auf dem Wasserweg zum Ausstieg Stadtwerkeplatz irgendwie überwinden. Drunter her? „Keine Option. Zu gefährlich, so viel Sicherheitstaucher könnten wir gar nicht einsetzen“, stellt Hassenjürgen klar.

Zusammen mit Holger Fritze zeichnet sie im Rahmen des SMCT für das Ressort „Schwimmstrecke“ verantwortlich. Beide haben sich wochen-, ja monatelang das Hirn darüber zermartert, was gehen kann. Völlig abstruse Ideen eingeschlossen. „Wir haben anfangs sinniert, Europaletten mit Beton zu füllen und die ins Wasser zu lassen“, lacht Hassenjürgen, selbst Triathletin in Liga zwei bei Tri Finish Münster. Nur eine Spinnerei. Nach vielen Abwägungen kristallisierte sich schließlich ein Plan heraus – der am Sonntag nur noch flutschen muss.

Kunstobjekt von Statikern abgenommen

Und so soll’s laufen: Auf Höhe der Hafenkäserei und des 60 Meter langen und sechs Meter breiten Stegs wird eine gerüstartige Plattform errichtet – sechs Mal sechs Meter, 60 Zentimeter in der Höhe. Damit der Untergrund rutschfest ist, wird Teppich ausgerollt. Um die neue Ebene im Stile eines Grundwehrdienstleistenden erklimmen zu können, wird vor der Kunst-Brücke eine Rampe aus Wasserelementen mit rutschfestem Teppich konstruiert, die die Konditionsbolzen stufenweise raufklettern müssen.

Die ersten Reihen werden geflutet. So ist ein relativ unkomplizierter und sicherer Aufstieg gewährleistet. Das Konstrukt, das mit dem Kunstobjekt mit Spanngurten verankert wird, ist im Vorfeld von einem Statiker abgenommen worden – grünes Licht inklusive. Spannende Geschichte, ganz klar. „Wir sind froh, wenn das alles reibungslos über die Bühne geht“, sagt Fritze. Der Countdown läuft.

Mehr zum Thema

Alle Informationen und Ergebnisse finden Sie in unserem Triathlon-Special .

Sparda-Münster-City-Triathlon: Ralph Weidling ist ein Mann der ersten Stunde

Umfrage: Was ist Ihre Lieblings-Skulptur?  

"SkulpTouren": Radtour abseits der Innenstadt und Rundtour um das Landesmuseum

...

Die Profis müssen übrigens keinen auf Klettermaxe machen, wenngleich sie der Steg ebenfalls tangiert. Die 80 Bundesliga-Athleten schmeißen sich direkt vom Übergang aus in die Fluten des Kanals in Blickrichtung der Wechselzone am Stadtwerkeplatz, Wendeboje auf 750 Metern inbegriffen. Immerhin: Auf 40 Metern gönnt der Veranstalter jedem einen halben Meter Platz in seiner Startbox „On Water“. Auch ein Hingucker, wenn diese Jungs und Mädels ins Wasser hüpfen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5019386?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F3814580%2F
SPD sieht Probleme bei Verkehr und Lärm
Die stillgelegte Baustelle des Hafencenters am Hansaring.
Nachrichten-Ticker