Fußball: Bundesliga
Sahin trifft gegen Hertha und ist beim BVB wieder mittendrin

Dortmund -

Von Ousmane Dembélé spracht am Samstag in Dortmund fast niemand mehr. Stattdessen stand beim 2:0-Sieg des BVB gegen Hertha BSC ein Mann im Mittelpunkt, der zuletzt schwere Zeiten durchmachte, sich jetzt aber wieder von seiner besten Seite zeigt: Nuri Sahin.

Sonntag, 27.08.2017, 16:08 Uhr

Sieben in einer Reihe und Nuri Sahin glücklich in der Mitte. Der bald 29-Jährige lenkte den BVB am Samstag mit einer famosen Leistung zum 2:0-Sieg über Hertha BSC.
Sieben in einer Reihe und Nuri Sahin glücklich in der Mitte. Der bald 29-Jährige lenkte den BVB am Samstag mit einer famosen Leistung zum 2:0-Sieg über Hertha BSC. Foto: dpa

Kein Plakat, kein Schmähgesang, nur ein Trikot mit durchgestrichenem Namenszug und dem roten Zusatz „verkauft“. Fußball-Fans vergessen schnell, wenn sie vergessen wollen. Bei Borussia Dortmund ging dies im Fall von Ousmane Dembélé besonders schnell. Im Heimspiel gegen Hertha BSC fanden sich kaum noch Spuren des vertragsbrüchigen und an den FC Barcelona verkauften Ausnahmespielers, er wurde schlicht ignoriert. Der BVB gewann die Partie im überraschend im nicht ganz ausverkauften Stadion 2:0 (1:0). Nachher verneigten sich die Fans vor einem, der auch einmal nach Spanien (Real Madrid) ausgezogen war, aber nie gegen Anstand und Sitte verstoßen hatte: Nuri Sahin , der einst mit 16 in der Bundesliga debütiert hatte, ist immer ein „Dortmunder Junge“ geblieben. Inzwischen zählt er fast 29 Jahre, hat vieles hinter sich und vielleicht noch vieles vor sich.

Sahin ist keiner, der die Gegner schwindelig fummelt oder kraft seines läuferischen Talents schlichtweg überrennt. Die besonderen Gaben des Deutsch-Türken liegen im Kopf. Er liest das Spiel wie ein Golfer das Grün – und schneller und gründlicher als die meisten seiner Berufskollegen. Sahin antizipiert und findet Lösungen. Er, der angenehm leise Profi, ist Stratege. Der Feldherr auf dem Fußballfeld. Der Mann für das große Ganze, der das Kleine nicht vergisst. Als Co-Trainer schaffte er mit seinem Heimatverein RSV Meinerzhagen in der vergangenen Saison den Aufstieg in die Landesliga. Chefcoach beim Meister ist Sahins Bruder Ufuk.

Am Samstag in Dortmund stand Sahin durchgängig im Fokus. Er dirigierte das Spiel des Spitzenreiters, bereitete das 1:0 (15.) durch Pierre-Emerick-Aubameyang mit feiner Flanke vor und erzielte das 2:0 (57.) spektakulär und mit seinem eigentlichen Standbein selbst. Es war Sahins 19. Bundesliga-Tor, das erste seit Februar 2015 und ein Zeichen für den Spieler, im Sommer alles richtig gemacht zu haben. Wäre Thomas Tuchel in Dortmund Trainer geblieben, hätte Sahin wohl das Weite gesucht. Im Streit zwischen dem Ex-Coach und Hans-Joachim Watzke stand der Spieler auf der Seite des BVB-Geschäftsführers. Es hat Sahin bis ins Mark getroffen, dass ihm Tuchel im Pokalfinale nicht einmal einen Platz auf der Reservebank zugestand. Eine Demütigung.

Vergessen. Wie Dembélé. Sahin ist geblieben und hofft auf den nächsten Frühling seiner Karriere. Dies in der ihm eigenen Bescheidenheit. Nach der fabelhaften Leistung gegen Hertha sagte er: „Ich will hier nicht der Beste und auch nicht der Wichtigste sein. Ich will in dieser Mannschaft einfach nur gebraucht werden.“

Aktuell kommt der BVB nicht ohne Nuri Sahin aus. Trainer Peter Bosz stellt ihm dennoch keinen Freifahrtschein aus. „Ob er spielt, hängt immer von seinen Leistungen ab und vom Personal, das uns zur Verfügung steht. Momentan bin ich mit Nuri sehr zufrieden“, sagte der Niederländer. Fans und Mitspieler sind es auch. Der Anhang feierte den Mann des Spiels am Samstag euphorisch. Mittelfeldpartner Gonzalo Castro sagte: „Wir freuen uns, dass er jetzt fit geblieben ist, das war sehr wichtig für ihn. Man sieht einfach, dass er den BVB lebt – jeden Tag.“

► Borussia Dortmund wird nach Angaben von Mediendirektor Sascha Fligge den dänischen Nationalspieler Kasper Dolberg nicht verpflichten. Fligge reagierte damit auf Meldungen, in denen Aussagen von Dortmunds Chefcoach Bosz als ein grundsätzliches Interesse an dem 19 Jahre alten Talent seines Ex-Clubs Ajax Amsterdam interpretiert wurden. „Das war Missverständnis“, erklärte Fligge.

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