Boxen: Weltmeisterschaften in Hamburg
Münsters Männer bei der Box-WM in Hamburg

Münster/Hamburg -

Münsters Boxer sorgen bei den Weltmeisterschaften der Amateure in Hamburg für Furore. Zwar musste sich der 19-Jährige Salah Ibrahim dem kubanischen Weltmeister Joahnys Argilagos im Viertelfinale beugen, Abbas Baraou, der vor geraumer Zeit zu Gast am münsterischen Sportinternat war, sorgte jedoch für riesengroße Freude im Lager der deutschen Boxer und steht im Halbfinale. Eine Medaille ist ihm also sicher.

Dienstag, 29.08.2017, 20:08 Uhr

Der erste Sieg: Salah Ibrahim (links) bezwingt den Kenianer Shaffi Bakani zum Auftakt souverän.
Der erste Sieg: Salah Ibrahim (links) bezwingt den Kenianer Shaffi Bakani zum Auftakt souverän. Foto: Witters

Sie gehören zu den besten acht Boxern ihrer Gewichtsklasse – weltweit. Salah Ibrahim in der Kategorie bis 49 Kilogramm und Abbas Baraou (bis 69 Kilogramm) haben das Viertel- beziehungsweise sogar das Halbfinale der Amateur-WM in Hamburg erreicht. Zwei, die mehr oder weniger stark Wurzeln in der Boxsportszene Münster geschlagen haben. Ibrahim, erst 19 Jahre altes Eigengewächs vom BC 23, und Baraou, der 22-Jährige war nicht nur Trainingsgast im heutigen Boxzentrum Münster, sondern auch Schüler am Sportinternat: Sie sind positive Erscheinungen im deutschen WM-Team in Hamburg dieser Tage.

Verfolgt man die Clubnachrichten in den sozialen Netzwerken, dann sind Ibrahim und Baraou ein Thema. Eine zehnköpfige Delegation vom BC, angeführt von Ibrahims Bruder Tarek, verfolgte den souveränen Auftaktsieg über Shaffi Hassan aus Kenia. Die „Halbfliege“ Ibrahim hätte noch mehr Unterstützung aus der Heimat erfahren, wenn sie tatsächlich um Gold boxen würdee. Dann wäre der BC Münster von 1923 mit einer großen Reisegruppe nach Hamburg augebrochen. Es sollte aber nicht sein für Ibrahim.

Heimtrainer Stjpan Prcic war bei den Kämpfen stets vor Ort in Hamburg. Er wollte sehen, was sein Schützling veranstaltet. Natürlich genügte ihm der Livestream von der WM nicht. Allerdings – betreut wird Ibrahim von Bundestrainer Gregory Tolkovets.

Angela Merkel ist interessiert

Professor Farid Vatanparast bekam den „Wahl-Münsteraner“ Baraou 2013 in die Finger. Damals kam der 18 Jahre junge U-21-Meister aus Oberhausen zum Telekom-Post SV. Ein Jahr später gewann er sensationell den prestigeträchtigen Chemie-Pokal in Halle. Nach knapp zwei Jahren endete die Zeit des Weltergewichtlers in Münster, er wechselte zum Olympia-Stützpunkt nach Berlin. Baraou gehört nun der Sportfördergruppe der Bundeswehr an und kann sich optimal vorbereiten. Seine Bilanz: dreimal Deutscher Meister, zweifacher Gewinner des Chemie-Pokals, gerade erst der Triumph bei der Europameisterschaft in der Ukraine. Und auch das ist wichtig für ihn: Er hat nachträglich das Fachabitur in Hohenschönhausen abgelegt. Das wäre damit geschafft für den Sohn togolesischer Eltern.

„Wir haben kurz vor der WM noch miteinander telefoniert. Während des Turniers melde ich mich nicht bei ihm mit Tipps und Ratschlägen. Da haben Sportler und Trainer ein besonderes Vertrauensverhältnis“, sagt Vatanparast zum Umgang von Bundestrainer Ralf Dickert und Baraou. Nach der WM aber hat der Athlet bereits einen Besuch im Trainingscamp des Boxzentrums in Münster ausgemacht.

Viertelfinale: Baraou hat Medaille sicher – Ibrahim verliert

Abass Baraou (Oberhausen), einst Schüler des münsterischen Sportinternats, hat die erste Medaille für das deutsche Team gewonnen. Der 22 Jahre alte Weltergewichtler gewann sein spektakuläres Viertelfinale gegen Tuvshinbat Byamba (Mongolei) einstimmig nach Punkten und hat damit Bronze sicher. Baraou kämpft nun gegen Quinton Randall (USA) oder Roniel Iglesias (Kuba) um den Einzug ins Finale am Samstag.

Für Salah Ibrahim war Weltmeister Joahnys Argilagos aus Kuba dagegen eine Nummer zu groß. Der Münsteraner verlor in der Klasse bis 49 Kilogramm mit 0:5-Richterstimmen gegen den Kubaner. Dabei zeigte Ibrahim in der ersten Runde wenig Respekt vor dem Champion. Allerdings legte Argilagos, der bei Olympia in Rio 2016 Bronze gewann, danach mächtig los. Für Ibrahim ist die Viertelfinale-Teilnahme der größte Erfolg seiner Laufbahn. 

...

Der 22-Jährige ist sowieso neben dem Lokalmatador und Olympia-Medaillengewinner Artem Harutyunyan das Aushängeschild der deutschen Equipe. Beim Sommerfest im Olympischen Trainingszentrum Kienbaum traf er unlängst Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er überreichte ihr Boxhandschuhe, machte Werbung für die WM. Merkel zeigte sich interessiert. „Ich bin ja nicht hier, um sie zu nerven. Ich hatte ja einen guten Grund: Wenn nach 22 Jahren wieder eine Box-WM in Deutschland stattfindet, ist das doch was Tolles“, erklärte Baraou seinen Vorstoß bei der Kanzlerin in der Berliner Zeitung.

Livestream
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5112428?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F3814580%2F
Pendler nach Münster verzweifeln
Zugausfälle durch Streik bei der Eurobahn: Pendler nach Münster verzweifeln
Nachrichten-Ticker