Eine pferdeverrückte Familie
Ulrike, Georg und Claudia Bruns Leben dreht sich ganz um die Vierbeiner

Münster -

Große internationale Erfolge hat Ulrike Bruns vor Jahren als Ponyreiterin gefeiert. Heute bildet die junge Frau vom RV Nienberge Pferde aus, die sie zumeist selbst in den Sport bringt.

Donnerstag, 23.11.2017, 17:11 Uhr

Züchterin der Stute Coco Malou ist Ulrike Bruns (l.). Bei der täglichen Arbeit in ihrem kleinen Springpferdeausbildungsstall kann die Reiterin auf Unterstützung ihrer Mutter Claudia setzen.
Züchterin der Stute Coco Malou ist Ulrike Bruns (l.). Bei der täglichen Arbeit in ihrem kleinen Springpferdeausbildungsstall kann die Reiterin auf Unterstützung ihrer Mutter Claudia setzen. Foto: Privat

Auf Turnieren ist sie oft – mit mehreren Pferden – in Springprüfungen zu sehen. Sie legt mit Unterstützung ihrer Familie den Grundstein für die Ausbildung der Tiere für den Parcours. Höhepunkt der Saison ist dabei oft das Bundeschampionat in Warendorf. Wenn es dann richtig gut läuft, folgt häufig die Trennung. Dann übernehmen andere Reiter die Pferde. Über deren Erfolge kann sich die Amazone dann mindestens genau so freuen wie über eigene Siege.

Pferdevirus in der ganzen Familie

Den Pferdevirus hat Ulrike Bruns von ihren Eltern Georg und Claudia Bruns geerbt. Ein Leben ohne die Vierbeiner kann sich die heute 30-Jährige nicht vorstellen. Von klein auf hat die für den RV Nienberge startende Amazone viele Stunden im Sattel verbracht. 1993 – als Sechsjährige – feierte sie mit ihrem Schimmelpony Milton die erste Platzierung in einem E-Springen.

Heute widmet sich die gelernte Bürokauffrau und Pferdewirtin beruflich mit einem eigenen kleinen Stall der Ausbildung von jungen Springpferden. Über 200 Erfolge in schweren Springprüfungen kann die Reiterin bereits für sich verbuchen. Darunter ein Sieg in einer Drei-Sterne-Prüfung. Dazu kommen ungezählte Siege und Platzierungen in Prüfungen für Nachwuchspferde. Und die sind der Reiterin vielleicht sogar ein wenig mehr wert als die in den großen Prüfungen.

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Bezüglich der Auswahl von Nachwuchspferden setzt Ulrike Bruns auf die Erfahrung ihres Vaters Georg. Foto: Marion Fenner

Junge Pferde behutsam in der täglichen Arbeit an die sportlichen Aufgaben heranzuführen, die ersten Sprünge unter dem Sattel zu absolvieren sowie die ersten Turniere mit ihnen zu bestreiten, darin sieht die Nienbergerin ihre Aufgabe. Dass dann vielleicht später andere Reiter den sportlichen Lorbeer mit den Pferden ernten, stört sie keineswegs. „Denn genau diesen Job habe ich mir ausgesucht.“

Angebote aus dem Ausland

Erst vor Kurzem musste sich Ulrike Bruns von einem vielversprechenden Talent trennen – weil es ein wirklich gutes Angebot aus dem Ausland für das Pferd gab. Seawillow heißt der siebenjährige Wallach, mit dem sie beim Bundeschampionat in Warendorf im September im Finale noch Platz drei erritt. Ihr Vater hatte ihn als Dreijährigen bei einem Freispringwettbewerb entdeckt. Höchstnoten gab Georg Bruns, der die Prüfung als Jurymitglied bewertete, dem Pferd damals und konnte es wenig später kaufen. Doch dann entwickelte sich der Wallach erst einmal nicht so, wie alle gehofft hatten.

„Unter dem Sattel war von seinem Springvermögen nichts mehr zu sehen“, erzählt der Vater, was die Tochter bestätigt. Ulrike Bruns ließ dem Pferd Zeit, und eines Tages sei es so gewesen, als sei ein Schalter umgelegt worden, berichtet die Reiterin, die dann mit Seawillow reichlich Schleifen sammelte.

Uli+Milton

Auf Schimmelpony Milton ritt Ulrike Bruns ihre ersten Springprüfungen. Foto: privat

Nun träumt eine spanische Reiterin davon, mit dem Pferd einmal bei den Olympischen Spielen an den Start zu gehen. „Natürlich trenne ich mich von so einem Pferd mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, erklärt Ulrike Bruns. Aber es sei in gute Hände gekommen, und sie werde die sportlichen Erfolge verfolgen. Da gehört dann auch mal ein Kurztrip mit ihrem Vater in den Süden dazu, um das Pferd bei einem Turnier live zu sehen.

Etliche Erfolge hat Ulrike Bruns als junge Reiterin im Ponysattel gefeiert. Sie war zwei Mal Deutsche Meisterin und zudem Dritte mit der Mannschaft bei den Europameisterschaften.

Drei prägende Pferde

Drei Pferde haben ihre sportliche Karriere bis heute besonders geprägt. Neben EM-Pony Nelly Kim waren das Lexington, ein Pferd, das nur ein Auge hatte und mit dem sie bei einem Aufenthalt in den USA am 100 000-Dollar-Grand-Prix teilnahm („allerdings ohne die Siegprämie zu gewinnen“), und Levistino, der sie zu S-Erfolgen in der Seniorenklasse trug. „Es ist immer wieder schön, auch einmal in schweren Prüfungen zu reiten“, sagt die Amazone. Doch ihr Schwerpunkt ist und bleibt die Ausbildung. „Ich hätte auch gar nicht die Zeit, von Woche zu Woche zu den großen Turnieren zu fahren, daheim muss die tägliche Arbeit ja schließlich auch gemacht werden.“

Ulrike Bruns hat immer nur so viele Pferde im Stall, um die sie sich auch – mit Unterstützung ihrer Pflegerin sowie der Hilfe ihrer Mutter, die ebenfalls früher als Springreiterin erfolgreich war – selbst kümmern kann. Nicht jeder von ihr ausgebildete Vierbeiner wird einmal im großen Sport gehen, das ist ganz klar. „Mir ist es wichtig, dass auch ,normale‘ Reiter mit den Pferden zurechtkommen, denn aus diesem Kreis kommen ja auch die meisten Kunden.“

Wenn wieder Plätze im Stall frei sind, hilft Georg Bruns bei der Neuauswahl junger Pferde. Seinen Erfahrungen, einen „Rohdiamanten“ zu finden, der dann von ihr ausgebildet wird, vertraut sie voll und ganz. Außerdem kommt ihr Vater als Wertungsrichter und international gefragter Turnieransager weit herum und sieht viele verschiedene Tiere. Ulrike Bruns legt vor allem Wert darauf, dass die Pferde bei ihr Pferd sein dürfen. „Sie müssen nicht jedes Wochenende auf Turnieren an den Start gehen, sondern sollen auch einmal auf der Weide entspannen können. Das spreche ich mit den Besitzern ab, die mir ihr Pferd zur Ausbildung anvertrauen“, betont die Reiterin.

Eigene Pferde gezüchtet

Bei Familie Bruns werden auch Pferde gezüchtet. Mittlerweile reitet Ulrike Bruns ein von ihr selbst gezüchtetes: die Cornet-Obolensky-Tochter Coco Malou. Gelegentlich steigt sie auch noch mal in den Ponysattel. Die besondere Liebe zu den kleinen Pferden teilt sie mit ihren Eltern. „Wir kommen aus dem Ponysport“, sagt Georg Bruns, der beim RV Nienberge unter anderem verantwortlich für das große LVM-Ponychampionat ist. „Die Unterstützung junger Reiter ist für uns alle eine Herzenssache.“

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