Basketball: Dauerbrenner aus Peru
Villanueva Cruz steht seit 50 Jahren unter den Körben

Münster -

Ricardo Villanueva Cruz feiert Jubiläum: Seit 50 Jahren steht der 63-Jährige nun schon auf den Basketballplätzen der Welt – meistens auf dem des TSC Gievenbeck. Eine lange Geschichte, die vor 50 Jahren auf einem Schulhof in Peru ihren Anfang nahm.

Montag, 08.01.2018, 16:01 Uhr

Seit einem halben Jahrhundert spielt Ricardo Villanueva Cruz Basketball. Angefangen hat er als 13-Jähriger in Peru, nun geht er für den TSC auf Korbjagd.
Seit einem halben Jahrhundert spielt Ricardo Villanueva Cruz Basketball. Angefangen hat er als 13-Jähriger in Peru, nun geht er für den TSC auf Korbjagd. Foto: Peter Leßmann

Es ist 20.30 Uhr, in der Halle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums trainiert die zweite Basketball-Mannschaft des TSC Münster-Gievenbeck. Die Fehler der ver­gangenen Partie in Gronau werden aufgearbeitet, es folgen Rebound-Übungen. Die Spieler kämpfen um jeden Ball. Unter ihnen auch Ricardo Villanueva Cruz. Er gibt alles, kann sich gegen seine Mitspieler aber nur selten durchsetzen. Das hat einen Grund: Er ist 63 Jahre alt und der mit Abstand älteste Akteur des Teams, gar einer der ältesten Spieler der Liga. Doch der Spaß ist ihm noch lange nicht vergangen.

Villanueva Cruz wurde in der peruanischen Hauptstadt Lima geboren und begann im Alter von 13 Jahren mit seinem Sport. „Es war und ist für mich wie eine Passion, ich habe in jeder freien Minute gespielt, etwa auf dem Schulhof oder am Wochenende. Meine Mutter hatte schon Angst, dass ich die Schule nicht schaffe“, sagt er. In einem organisierten Verein spielte er allerdings in seiner südamerikanischen Heimat nie.

Nach seinem Schul­abschluss studierte er Journalismus und kam im Sommer 1981 erstmals nach Europa. Der Peruaner war damals als Auslandskorrespondent für eine Zeitung in Lima tätig, verband seine ­Tätigkeit auch mit touristischen Aktivitäten. Zurück in seiner Heimat reifte in ihm der Entschluss, sich auf dem alten Kontinent weiterzubilden. Gesagt, getan. Villanueva Cruz setzte sein Studium in Lausanne in der Schweiz weiter fort. 1983 führte ihn sein Weg nach Deutschland – und auch nach Münster. Hier wurde er sesshaft, hier lernte er seine Frau ­kennen und gründete eine Familie. Und hier schloss er sich dem UBC Münster an, um weiter seiner Leidenschaft Basketball nachgehen zu können. Jetzt erstmals auch in einem Verein.

Doch die Anfangszeit war nicht immer leicht. Vor allem die Sprache bereitete Schwierigkeiten. „Deutsch hat so viele kehlige Laute. Ich dachte, ich würde es niemals lernen. Zum Glück habe ich es dann doch irgendwann geschafft“, so Villanueva Cruz. Mit den neu gewonnen Sprachfertigkeiten gelang es ihm auch, beim UBC durchzustarten. Und das erfolgreich, mit Größen wie Lothar Waldowski und Peter Lüsebrink spielte er zusammen. Doch irgendwann in den 90er Jahren war die Zeit für einen Vereinswechsel gekommen, vom UBC ging es zum TSC. „Die Mannschaft trainiert nur fünf Fahrrad-Minuten entfernt von unserem Haus, das bot sich an. Außerdem hatten mich damals einige gute Bekannte überzeugt. Nun bin ich Gievenbeck schon lange treu“, sagt der Mann, für den bei allem Ehrgeiz der Spaß im Vordergrund steht.

Heute ist Villanueva Cruz examinierter Altenpfleger, trainiert zwei bis drei Mal pro Woche am Abend und muss am nächsten Morgen um 5 Uhr aufstehen. Trotz dieses harten Tagesrhythmus‘ und seines fortgeschrittenen Alters spielt sein Körper noch mit. „Ich werde häufig auf 50 geschätzt. Sport hält mich fit und hilft mir zusammen mit meiner gesunden Ernährung bei meinem anspruchs­vollen Job“, sagt Villanueva Cruz.

Doch Spaß ist nicht das Einzige, was zählt. Für ihn ist wichtig, dass alle Spieler in die Mannschaft integriert sind. Das ist nicht immer leicht, beim TSC sind viele ­Nationalitäten versammelt. „Bei uns spielen Leute aus der Ukraine und Nordafrika.“ Doch die Chemie stimmt, beim Training wird viel gelacht. „Der Sport hilft bei der Integration in unsere Gesellschaft“, sagt der Peruaner – auch aus eigener Erfahrung.

Für Villanueva Cruz ist trotz seiner 63 Jahre noch nicht Schluss. „Für die Zukunft wünsche ich mir, noch lange Basketball spielen zu können. Lust und Freude habe ich jede Menge.“ Immer noch so viel wie damals als 13-Jähriger in Lima.

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