Triathlon-Kolumne: Der rasende Reporter
Im Land der Dichter und Lenker

Ahlen -

Seit einigen Wochen ist unser Autor Cedric Gebhardt stolzer Besitzer eines Rennrads. Unterwegs ist er damit inzwischen auch. Bislang besteht allerdings keine Gefahr, dass er wegen Geschwindigkeitsübertretung belangt wird.

Freitag, 20.04.2018, 05:04 Uhr

Keine Gnade für die Wade: Egbert Borgschulte, Cedric Gebhardt und Torsten Heinemann bei ihrer gemeinsamen Tour, deren größtes Hindernis der Kurricker Berg ist, den sie aber tapfer erklimmen. Auf dem „Gipfel“ entsteht dieses Bild.
Keine Gnade für die Wade: Egbert Borgschulte, Cedric Gebhardt und Torsten Heinemann bei ihrer gemeinsamen Tour, deren größtes Hindernis der Kurricker Berg ist, den sie aber tapfer erklimmen. Auf dem „Gipfel“ entsteht dieses Bild. Foto: Torsten Heinemann

Langsam drehe ich durch. Nicht etwa, weil mir das hohe Trainingspensum in der Vorbereitung auf meinen ersten Triathlon zu schaffen macht. Sondern weil ich nun endlich aufs Rennrad gestiegen bin und kräftig in die Pedale trete.

Dass es so lang gedauert hat, hat einen profanen Grund: Ich hatte bis vor Kurzem kein Rennrad. Vor rund einem Monat bin ich aber fündig geworden und habe einen guten, gebrauchten Drahtesel gefunden. Zumindest diese Hürde war also genommen.

Ein Häufchen in der Hose

Daraus ergaben sich aber schon die nächsten. Ein Rennrad ist für einen Anfänger wie mich die pure Wissenschaft. Ritzelpaket, Rahmenhöhe, ein Schnellspanner aus Titan, Ultegra-Schaltung – bisweilen fühle ich mich wirklich überfordert, was das (Detail-) Wissen um die Komponenten angeht. Und das, obwohl ich nicht auf den Kopf gefallen bin.

Für den Fall, dass das doch mal passieren sollte, musste ich natürlich auch nach dem passenden Helm Ausschau halten. Der ist mittlerweile auch gefunden.

Ebenso wie ein Radhose. Als ich diese zum ersten Mal anziehe, fühlt es sich so an, als hätte ich ein Häufchen in der Buxe. Auf dem harten Sattel weiß ich die zusätzliche Polsterung aber durchaus zu schätzen.

Was aktuell noch fehlt, sind Klickpedalen. Bislang habe ich meine Trainingskilometer mit normalen Pedalen und in Laufschuhen absolviert. Das reicht für den Anfang.

Fliegenfänger ohne Flügel

Mein Rennrad ist von der Marke Red Bull. Mit dem österreichischen Energydrink hat das aber nichts zu tun. Es verleiht zwar keine Flügel, aber wie ein Ochse malochen muss ich darauf auch nicht. Es ist erstaunlich, wie viel Tempo man mit einem Rennrad gegenüber einem normalen Leeze bei überschaubarem Kraftaufwand entwickeln kann.

Diese Erfahrung mache ich gleich bei meiner ersten Tour, die ich gemeinsam mit Torsten Heinemann und Egbert Borgschulte vom ASC Ahlen unternehme und die uns über Ameke, den KurrickerBerg, durch Walstedde und über Brockhausen zurück führt. Etwas mehr als 30 Kilometer legen wir bei meiner Premiere zurück. Im Schnitt fahren wir 25 km/h.

Dabei erweise ich mich als hochtalentierter Fliegenfänger: Denn während der Fahrt sammeln sich immer wieder Insekten an meinem Shirt und der Hose. Dass sie nicht an mir zerschellen, zeigt mir, dass ich noch nicht allzu schnell unterwegs bin.

Profis als Vorbilder

Phasenweise fühle ich mich dennoch wie Erik Zabel oder Rolf Aldag, die schon vor mir bewiesen haben, dass Deutschland nicht nur ein Land der Dichter, sondern auch der Lenker ist. Aber Geschwindigkeit steht zunächst einmal hinten an. Die erste Einheit auf dem Rennrad macht vor allem eines: Lust auf mehr.

Und das ist wohl auch nötig. Denn wie ich in einschlägiger Triathlon-Fachliteratur mit Erschrecken gelesen habe, sollte das Radtraining den größten Teil der Vorbereitung einnehmen, da das Radfahren im Wettkampf stets die längste Distanz darstellt und man dementsprechend viel Zeit gewinnen, aber auch verlieren kann.

Bisher habe ich dieser Disziplin am wenigsten Platz eingeräumt. Nun ja, das Schwimmen erscheint mir trotz einiger (bescheidener) Fortschritte nach wie vor als das Betätigungsfeld, mit dem ich mich am dringlichsten befassen muss.

Richtig schalten – wann macht‘s klick?

Aber auch als Pedalritter habe ich noch reichlich Nachholbedarf. Frei nach Achim Achilles gilt ab sofort auch für mich: Keine Gnade für die Wade. Ich werde künftig in die Gänge kommen müssen. Apropos: Ich muss erst mal noch lernen, richtig zu schalten – und das im doppelten Sinne.

Ich tue mich noch schwer damit zu erkennen, wann ich einen Gang hoch- oder runterschalten muss. Intensiv widmen muss ich mich auch noch einer aerodynamischen Sitzposition. Es ist ungewohnt, so tief über dem Lenker zu hängen und diese Körperhaltung über einen längeren Zeitraum beizubehalten.

Wenn ich mich aufrichte, bin ich mein eigener Bremsklotz. Es gibt schon genug Widerstände, gegen die ich in der Triathlon-Vorbereitung ankämpfen muss. Da kann ich getrost auf den Wind verzichten. Trotz allem fühle ich mich einigermaßen sattelfest. Das Rennradfahren macht Spaß. Und ich glaube, meine Leistung in dieser Disziplin hat Substanz – aber keine verbotene. Eine Dopingprobe könnte ich jedenfalls ruhigen Gewissens abgeben.

Nach dem Training habe ich mir übrigens erst mal eine Erfrischung gegönnt. Es war – na was wohl? – ein Radler. Klingelt’s?

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