Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland
Bunte und kurzweilige Show: Ein Pfund Williams, eine Prise Putin

Moskau -

„Danke Putin, danke Moskau, danke Russland“, wollte der Chef des Fußball-Weltverbandes Fifa, Gianni Infantino, unbedingt loswerden. Das war seine Botschaft, die Verneigung vor dem russischen Machthaber. Acht Jahre nach der Vergabe der globalen Titelkämpfe an Russland im Paket mit Katar 2022 waren es da nur noch wenige Minuten bis zum Anpfiff der ersten Partie.

Donnerstag, 14.06.2018, 20:39 Uhr

Impression von der Eröffnungsfeier
Impression von der Eröffnungsfeier Foto: dpa

Putin hatte wenige Augenblicke zuvor den Geist des Sports, die völkerverbindende Kraft betont – im Publikum wurden leise Unmutsäußerungen vernommen. „Wir freuen uns auf das größte Sport-Event der Welt“, meinte Putin. Spätestens in zwei Jahren mit der europaweit ausgerichteten EM 2020 wird Russland diesen Status wieder verlieren. Aber, um noch einmal Russlands Staatschef zu erwähnen: „Das ganze Projekt ist wie Liebe auf den ersten Blick.“

Herzflimmern zum Auftakt im und um das Luschniki-Olympiastadion: An dieser Stelle wurden viele der Widersprüche eines solchen Spektakels sichtbar. Hier die aufgeregten, aufgeheizten ausländischen Fans auf dem Weg ins Stadion, da die großen Sponsoren der WM omnipräsent. Hochdruckbetankung durch Werbung, Kaufanreize in Hülle und Fülle.

Robbie Williams machte sich derweil in den Katakomben bereit für seinen Auftritt bei der „greatest show on earth“, während für Wladimir Putin die Straßen geräumt wurden, damit er zügig die Arena erreichen konnte. Er musste vorbei an der Statue von Wladmir Iljitsch Lenin. Der Anführer der russischen Oktoberrevolution thront mahnend direkt vor der Arena mit Blick gen Moskau. Unter ihm standen die Menschen Schlange, um den offiziellen WM-Fan-Shop leer zu kaufen. Revolution und Reibach – Rendite siegt, beim Deal zwischen Fifa und Russland auf jeden Fall.

Aber auch das musste gesagt werden: Schon in den Tagen zuvor nahm, auch wenn es im Vorfeld Zweifel gegeben hatte, das WM-Ballyhoo Fahrt auf. Zumindest in Moskau. Die Touristen-Hotspots wurden von Fans in Beschlag genommen, tatsächlich war Vorfreude zu spüren, die Anhänger kamen aus Peru, Iran oder Australien, um ihre Mannschaft zu begleiten, anzufeuern, dabei zu sein. Da ist der eigentliche Geist eines solchen Turnieres mit noch 32 Nationen.

Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland

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  • Ein gutes Pfund Robbie Williams garniert mit einer Prise Wladimir Putin: Mit dieser Mischung aus Superstar und Weltpolitik hat Russland unter dem Jubel Zehntausender Fans die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Osteuropa eröffnet.

    Foto: Rebecca Blackwell
  • Putins bunte Show sollte die Welt vergessen machen, dass die WM durch internationale Konflikte und Streit des Westens mit Russland ein hochpolitisches Turnier geworden ist.

    Foto: Federico Gambarini
  • Rund 800 Tänzer, Statisten und Ball-Jongleure waren bei der Feier im Einsatz.

    Foto: Federico Gambarini
  • Für den ersten Aufreger bei der Fußball-WM sorgte der britische Popstar Robbie Williams, der bei der Eröffnungsfeier eine beleidigende Botschaft in die Welt schickte: Bei der Liedzeile „I did this for free“ („Ich habe dies umsonst gemacht“) streckte Williams demonstrativ den Mittelfinger seiner linken Hand in die Kamera.

    Foto: Adam Davy
  • Es blieb zunächst unklar, welche Botschaft der Musiker damit an wen übermitteln wollte.

    Foto: Victor Caivano
  • In den sozialen Netzwerken wurde spekuliert, der britische Künstler könne auf Kritik aus der Heimat an seinem Auftritt in Russland reagiert haben.

    Foto: Pavel Golovkin
  • Das russische Internetportal „lenta.ru“ vermutete dagegen, Williams habe den Russen den Finger gezeigt.

    Foto: Christian Charisius
  • Es folgen weitere Impressionen von der Eröffnungsfeier....

    Foto: Federico Gambarini
  • Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland Foto: Federico Gambarini
  • Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland Foto: Federico Gambarini
  • Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland Foto: Christian Charisius
  • Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland Foto: Federico Gambarini
  • Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland Foto: Victor Caivano
  • Eröffnungsfeier der Fußball-WM in Russland Foto: Christian Charisius

Andersherum wird kein Schuh daraus: In den Randgebieten der Millionen-Metropole war wenig von den erstmals in Russland ausgetragenen Titelkämpfen zu spüren. Es gibt kein Fenster an den großen Ausfallstraßen Moskaus, an dem mal eine Fahne hängt. Denn die Bevölkerung traut ihrer Mannschaft nach den letzten Umfragen gerade einmal den Einzug in das Achtelfinale zu, Putins „Liebe auf den ersten Blick“ gilt momentan (noch) nicht der Nationalelf. Das 5:0-Schützenfest über den krassen Außenseiter Saudi-Arabien könnte das ändern. Aber noch gilt, dass die Begeisterung der ausländischen Besucher gewaltig ist, die der Einheimischen gebremst.

Im Luschniki-Olympiastadion lief derweil die große, kurze Show planmäßig ab. Ein bisschen angelehnt an die National Football League und den Super Bowl, irgendwie schon Brimborium, aber auch kurzweilig. So soll es sein.

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