Leichtathletik: Leistungsstützpunkt
Der Kampf um die Deutungshoheit zwischen Preußen und LG Brillux

Münster -

Früher waren sie unter dem Dach der LG Ratio vereint, seit 2014 gibt es zwei Leichtathletik-Adressen in Münster: Die des SC Preußen und die der LG Brillux Münster. Möglicherweise gibt es demnächst wieder ein gemeinsames Dach. Möglicherweise, denn es braucht erhöhten Gesprächsbedarf.

Dienstag, 19.06.2018, 16:58 Uhr

Die Sportler Seite an Seite und gegeneinander: Kai Sparenberg (LG Brillux, l.) und Jonas Breitkopf (SC Preußen, M.) bei der DM 2017. Beide Vereine pflegen indes eine herzliche Abneigung.
Die Sportler Seite an Seite und gegeneinander: Kai Sparenberg (LG Brillux, l.) und Jonas Breitkopf (SC Preußen, M.) bei der DM 2017. Beide Vereine pflegen indes eine herzliche Abneigung. Foto: Wolfgang Birkenstock

Seit 2014 gibt es die LG Brillux Münster als Zusammenschluss der Leichtathletik-Vereine im Umkreis. Vorher gab es die LG Ratio Münster, die über Jahrzehnte national wie international die Stadt Münster in der olympischen Kernsportart repräsentierte: Harald Norpoth und Franz-Josef Kemper sind in Erinnerung geblieben mit deutschen Rekorden sowie EM- und Olympia-Teilnahmen. Später kamen Athleten wie Sprinterin Katchi Habel, Weitspringerin Lena Malkus (unter anderem Deutsche Meisterin 2015 in Nürnberg) und Top-Läuferin Tatjana Pinto (EM-Gold 2012, Olympia-Fünfte in London 2012 jeweils mit der Staffel und Deutsche Meisterin über 100 Meter 2014) hinzu.

Die LG Ratio ist längst Geschichte, zurzeit spielt die Abteilung des SC Preußen Münster (wohin sich die erfolgreichsten Sportler nach dem Ratio-Aus zurückorientierten) die sportlich erste Geige. Mittlerweile holt die LG Brillux aber stark auf. Inzwischen ist Münster Landesleistungsstützpunkt, der ist beim SCP angedockt und soll sich nach dem Willen des Landesverbandes zu einem Leichtathletik-Leistungszentrum (LAZ) neben den großen Stationen in Dortmund und Wattenscheid etablieren.

So weit, so gut. Aber: Seit Jahren schwelt ein Kampf um die Deutungshoheit, wer das Sagen hat, wer auf dem richtigen und wer folgerichtig auf dem falschen Weg sein könnte. Die Konkurrenz zwischen der SCP-Leichtathletik-Abteilung sowie der LG Brillux ist eine, die mit Intrigen, gegenseitigen Beschuldigungen und Anfeindungen, sogar Verunglimpfungen der anderen Seite gegenüber dem Verband, ausgetragen wird. Persönliche Gegnerschaften resultieren daraus. Stützpunktleiterin Elke Bartschat , Brillux-Sportleiter Jörg Riethues, Preußen-Cheftrainer Frank Bartschat und Thomas Brack (Wurf-Coach) sitzen zwischen den Stühlen beziehungsweise sehen sich kaum mehr in der Lage miteinander zu kommunizieren. Es ist mittlerweile kaum mehr möglich, Grenzen zwischen Gut und Böse zu ziehen.

An diesem Mittwochabend findet nun eine weitere Gesprächsrunde statt mit Falk Sparenberg (Vorsitzender der LG Brillux), Bernhard Niewöhner (Geschäftsführer SC Preußen), Hubert Funke (Vorsitzender Leistungssport im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen) und Stützpunktleiterin Elke Bartschat. Thema: „Die LG Brillux Münster ist und war immer daran interessiert, die Leichtathletik in Münster unter ihrem Dach zu vereinen“, wie Sparenberg sagt. Es gebe allerdings (noch) keine Hinweise, ob der „runde Tisch“ auch zu „einer finalen Entscheidung“ führe, so Sparenberg, der sich zum weiteren Prozedere des „schwebenden Verfahrens“ nicht näher äußern wollte.

Da trat die LG schon mal forscher auf. Gegenüber dem Verband und dem SCP lautete das dann so: „Der Verband und der SC Preußen haben sich (im Falle der Stützpunktübertragung) dem Ausbildungskonzept der LG Brillux Münster zu unterwerfen“. Ein Beispiel, wie verhärtet die Fronten sind.

Der Vorstand des SC Preußen in Person von Niewöhner verfolgt indes eine klare Position, dass nämlich „die Leichtathletik in bisheriger Form nur bis zum 31. Dezember dieses Jahres fortgesetzt“ werde. So lange läuft der Vertrag. Der Verein wolle, wenn, dann die Leichtathletik nur noch als Breitensportsparte führen. Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit, betonte Niewöhner: „Wenn der Verband die Fortsetzung des Engagements wünsche und diese dann auch (mit-)finanziert.“ Ein hoher fünfstelliger bis niedriger sechsstelliger Betrag stehe beim SCP zurzeit zu Buche. „Es geht nur ums Geld, jetzt interessieren gar keine Leistungsaspekte mehr“, betonte FLVW-Leistungssportmanager Winfried Vonstein, der mittlerweile vom FLVW von den Verhandlungen abgelöst wurde. Dem Vernehmen nach hatte die LG seine Beteiligung an den Beratungen abgelehnt. Zudem erinnerte Vonstein an den gültigen Arbeitsvertrag zwischen Verband und Elke Bartschat.

FLVW-Mann Hubert Funke betonte, dass es im Interesse des Verbandes sei, ein künftiges Leistungszentrum in Münster zu etablieren. „Wir wissen, dass es für die beteiligten Personen schwer ist, aufeinander zuzugehen. Wir hoffen auf Einsicht und Verstand, aber es wird keine Zwangsehe geben, an deren Ende doch allzu oft die Scheidung steht.“

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