Fußball: Nations League
Böses Erwachen für die DFB-Elf am Abend danach

Gelsenkirchen -

24 Stunden nach dem späten Tiefschlag gegen die Niederlande hat sich die Sorglosigkeit der deutschen Nationalmannschaft gerächt. Weil Polen in Portugal punktete, rutscht der DFB aus Topf 1 für die Auslosung der EM-Qualifikation. Die vielen guten Ansätze gerieten kurzzeitig in den Hintergrund.

Mittwoch, 21.11.2018, 13:48 Uhr aktualisiert: 21.11.2018, 14:00 Uhr
Gut gespielt, aber schlechte Laune: Die deutschen Nationalspieler (hier Antonio Rüdiger) schlichen frustriert vom Feld, während die holländischen Gäste den späten Ausgleich feierten.
Gut gespielt, aber schlechte Laune: Die deutschen Nationalspieler (hier Antonio Rüdiger) schlichen frustriert vom Feld, während die holländischen Gäste den späten Ausgleich feierten. Foto: dpa

Es hätte ein gelöster Abend und auch ein entspannter Abreisetag für die deutschen Nationalspieler werden können. Ein Sieg gegen die Niederlande hätte ja am Montag gereicht, um die kleine Trendwende zu bestätigen und gleichzeitig den Verbleib in Topf 1 bei der Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen gesichert. Nach den späten Gegentoren und dem 2:2 (2:0)-Endstand zum Abschluss der Nations League aber und dem 1:1 der Polen am Dienstag in Portugal trat der schlechteste Fall ein. Die DFB-Kicker mussten nach dem Abstieg aus der A-Division den nächsten Tiefschlag verpacken.

Mit einem Tag Abstand ließ sich zumindest festhalten, dass Bundestrainer Joachim Löw seinen Weg weg vom Ballbesitzfußball und hin zu Tempo- und Umschaltbewegungen in der Offensive weiter verfolgt. Wer das Resultat gegen Oranje ausblendet, kann immerhin zum Schluss kommen, dass der Weltmeister-Coach von 2014 mit Verspätung tatsächlich ein Umdenken eingeleitet hat. Dieses macht sich weniger durch den Verzicht auf Thomas Müller oder Jerome Boateng bemerkbar, sondern in erster Linie durch das Formieren einer Dreierkette (3-4-3-System) und die Abkehr von langen Passstafetten. Stattdessen muss es schnell gehen. „Wir waren diszipliniert und gut organisiert, hatten Tempo und Ideen“, sagte Löw. „Auf den Ansätzen können wir aufbauen.“

Die Schludrigkeit in den letzten Minuten aber hatte auch der 58-Jährige nicht übersehen. Erst verschenkte Leon Goretzka vor dem 1:2 durch Quincy Promes den Ball, dann verhinderte Toni Kroos vor dem 2:2 die Flanke von Tonny Vilhena nicht, im Zentrum kamen Antonio Rüdiger und Joshua Kimmich gegen Luuk de Jong, der den Ball verlängerte, und Thilo Kehrer gegen Torschütze Virgil van Dijk zu spät. „Man muss über die gesamte Spielzeit konzentriert und konsequent arbeiten. Eine junge Mannschaft braucht solche Erfahrungen“, sagte Löw, der erst nach 79 Minuten die erste Torchance der Niederländer notiert hatte.

Unschlagbar waren sie weder beim 0:3 in Amsterdam und erst recht nicht diesmal auf Schalke. Die in früheren Zeiten fast sinnbildliche deutsche Cleverness und Abgebrühtheit ist in diesem Herbst zumindest in den Partien der Nations League aber abhanden gekommen.

So endete das Länderspieljahr letztlich so enttäuschend wie nahezu alle Partien 2018. Der misslungene Test gegen Brasilien im März, die schwachen Vorbereitungsspiele gegen Österreich und Saudi-Arabien vor der WM, das Fiasko in Russland, die Sieglosigkeit im neuen Uefa-Wettbewerb danach – was schief gehen konnte, ging schief. Mehr Niederlagen als Siege unterm Strich – das gab es so selten.

„Sehr enttäuschend“ fand auch Löw die zurückliegenden Monate. „Aber ich gehe mit einem guten Gefühl in die Winterpause. Wir sind gut aufgestellt. Es gibt immer wieder Änderungen, aber die jungen Spieler bekommen weiter die Möglichkeit, Praxis zu sammeln.“ Gleichwohl betonte er erneut, dass er auch auf „drei, vier Stützen“, setzen werde. Neben Torhüter Manuel Neuer, hinter dem sich Marc-André ter Stegen wohl weiter gedulden muss, zählen offenbar Mats Hummels und Kroos dazu. Der Mittelfeldstratege verhehlte seinen Ärger über den späten Ausgleich nicht. „Ein 2:0 muss auch mal reichen. Das ist bitter und ärgerlich“, sagte er.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff war dennoch bemüht, das Positive herauszustreichen: „Die junge Mannschaft geht das schon sehr gut an. Daraus kann man Vertrauen schöpfen, auch wenn die zwei Tore ein Dämpfer sind.“

Am Montag überzeugte Deutschland mehr als 80 Minuten, hätte locker höher führen können. Eine neue Basis ist gelegt. Doch 2019 müssen auch wieder die Ergebnisse stimmen.

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