Leichtathletik: Weitsprung
Lena Malkus verlässt Münster und wechselt zum HSV

Münster -

Viele Jahre prägte Lena Malkus die Leichtathletik in Münster. Nach zahlreichen Triumphen folgten Jahre voller Verletzungs- und Krankheitsfrust. Nun, nach dem Aus des Spitzensports beim SC Preußen, nimmt sie keinen neuen Anlauf beim Stadtrivalen LG Brillux, sondern geht zum Hamburger SV.

Mittwoch, 28.11.2018, 14:24 Uhr aktualisiert: 28.11.2018, 18:39 Uhr
Weiter Satz vor großer Kulisse: Im Juli 2015 sicherte sich Lena Malkus auf dem Nürnberger Hauptmarkt die Deutsche Meisterschaft.
Weiter Satz vor großer Kulisse: Im Juli 2015 sicherte sich Lena Malkus auf dem Nürnberger Hauptmarkt die Deutsche Meisterschaft. Foto: dpa

Absprung in den Norden: Lena Malkus , über viele Jahre die aufregendste Leichtathletin Münsters, verlässt die Stadt. Die 25-jährige Weitspringerin wechselt vom SC Preußen zum Hamburger Sportverein. Weil der SCP die finanzielle Unterstützung für den Leistungssport im Leichtathletik-Ressort zum Jahresende einstellt, war Malkus gezwungen, eine neue sportliche Heimat zu suchen.

Fündig wurde die Athletin beim HSV . Dort wird sie zukünftig von Sebastian Bayer trainiert. Der 32-Jährige war selbst ein Ass im Sand. 2012 gewann er Gold bei den Europameisterschaften in Helsinki. Sein weitester Flug trug Bayer 2009 auf sensationelle 8,71 Meter hinaus.

Vielleicht ist der neue Coach genau der Richtige für Malkus in diesem Moment. Eine langwierige Erkrankung und immer neue Verletzungen haben der Psychologie-Studentin in den vergangenen drei Jahren heftig zugesetzt. Es gab wenige Fortschritte und viele Rückschläge. Bayer kennt das – aus eigener Erfahrung. Wegen anhaltender Knieprobleme beendete er seine Karriere im vergangenen Winter. Nun unterstützt er Malkus bei der Fortsetzung ihrer. Zwei, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn es nicht vorwärts geht.

Ein Wechsel zur LG Brillux war für mich keine Option. Der Streit zwischen den Vereinen hat auch mich belastet.

Lena Malkus

Bis Januar wird Malkus zwischen Münster und Hamburg pendeln. Danach folgt der Umzug „in die große Stadt“, wie sie sagt. Den Wechsel nennt sie „kompletter Neuanfang“, sicher werde sie Familie und Freund vermissen. Natürlich auch die Trainingsgruppe beim SCP um die Trainer Elke und Frank Bartschat, denen sie „sehr dankbar ist und viel zu verdanken hat.“ Aber da sei auch ein lachendes Auge: „Ich glaube, es wird mir guttun, das Gewohnte aufzugeben und die Komfortzone zu verlassen. Es waren schöne Jahre in Münster, jetzt kommt eine neue Zeit.“

Malkus ist in Aufbruchstimmung. Klar gab es Selbstzweifel in den vergangenen drei Jahren. Ihre letzten großen Sprünge hatte sie 2015. 6,94 Meter in Weinheim – Weltklasse. 6,74 Meter kurz darauf in Nürnberg – Deutsche Meisterin. Glanz, Gloria, das Leben hat die junge Frau, die 2010 Gold bei den Olympischen Jugendspielen errang und später U-20- und Juniorinnen-Europameisterin wurde, lange geküsst. Die Erfahrungen auf der Schattenseite habe sie nicht wirklich gebraucht. Doch Malkus ist eine Kämpferin, ihre Hoffnung auf ein erfolgreiches Comeback lebt. Aktuell fühlt sie sich gesund und verletzungsfrei. Und angriffslustig. „Ich möchte nicht abtreten ohne den perfekten Sprung. Den hatte ich noch nicht“, sagt sie.

Zur Person: Lena Malkus

- 25 Jahre alt

- Vereine: TV Borghorst, TV Jahn Rheine, LG Ratio Münster, SC Preußen Münster, Hamburger SV

- Erfolge: Jugend-Olympiasiegerin 2010 in Singapur, U-20-Europameisterin 2011 in Tallinn, Junioren-Europameisterin 2013 in Tampere, Junioren-Vizeweltmeisterin 2012 in Barcelona, Deutsche Meisterin 2015 in Nürnberg 6,94 Meter (30. Mai 2015 in Weinheim)

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In Hamburg beginnt der lange Anlauf auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Malkus hat sich immer hohe Ziele gesetzt. Das macht sie auch jetzt – beim Neuanfang. Behutsam will sie dahin zurück, wo sie lange war: im Kreis der Besten. Körperliche Fitness vorausgesetzt, könnte die Ungeduld der schärfste Rivale auf dem Weg nach Tokio sein. In diesem Wissen plant sie ihr Comeback in kleinen Schritten.

Die Wintersaison gilt ausschließlich als Vorbereitung auf den Sommer. Wieder konkurrenzfähig will die 25-Jährige dann sein und Teilnehmerin an den Deutschen Meisterschaften. Eine Weite von 6,50 Meter nimmt sie vorsichtig ins Visier, es wäre eine gute Basis für große Sprünge im Jahr danach. Dann soll alles so sein wie früher. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Lena Malkus, „und eine Wundertüte war ich ja schon immer.“

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