Fußball: Bundesliga
Herbstmeister BVB – ein Titel aus dem Reich der Fabel

Dortmund -

Das Top-Spiel am Samstagabend war ein hochklassiges. Borussia Dortmund ist nach dem 2:1 gegen Werder Bremen Herbstmeister, kann aber mit diesem Titel so agr nichts anfangen. Und Lucien Favre bleibt sich als Mahner treu. Die jüngsten (knappen) Ergebnissen widersprechen dieser Sichtweise nicht.

Sonntag, 16.12.2018, 15:12 Uhr
Paco Alcácer nimmt Maß: Mit diesem Kopfball erzielte der Spanier das 1:0 und sein elftes Saisontor.
Paco Alcácer nimmt Maß: Mit diesem Kopfball erzielte der Spanier das 1:0 und sein elftes Saisontor. Foto: imago/Jan Huebner

Manchmal führen die Gedanken selbst überaus erfahrener Fußball-Funktionäre zu absurden Betrachtungen. Erst im November befand Bayern-Boss Uli Hoeneß, dass das Torverhältnis ja gar nicht zähle. Nun erklärte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc die gerade errungene Herbstmeisterschaft des BVB zur Fabel. „Diesen Titel gibt es doch gar nicht“, sagte er am Samstag trotzig zu vielen Schulterklopfern.

Hoeneß’ Einordnung ist mit dem Verweis auf das Regelwerk schnell als Versuch der eigenen Überhöhung entlarvt. Im Fall von Zorc liegen die Dinge anders. Tatsächlich gibt es für den Herbstmeister weder Lorbeer noch Preise. Streng genommen ist er eine Erfindung unserer Fußball-Gesellschaft. Und so geht Dortmund am kommenden Wochenende nicht dekoriert, sondern schlicht und einfach als Tabellenführer in die kurze Winterpause.

Mit dem 2:1 (2:1)-Erfolg über Werder Bremen hielt der BVB die Konkurrenz auf Distanz. Neun Punkte trennen ihn von den ersten Verfolgern. Ein hübsches Polster, dass in den noch ausstehenden Hinrunden-Begegnungen in Düsseldorf (Dienstag) und gegen Mönchengladbach (Freitag) nicht an Komfort verlieren soll. Mit zwei Siegen würde sich Dortmund auf spektakuläre 45 Zähler verbessern. Zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr war der FC Bayern mit 41 notiert – und wurde souverän Meister. Dieses Wort führen sie bei der Borussia noch auf dem Index. „Alles ist schwer. Wir müssen weiter von Spiel zu Spiel denken. Das ist unsere Philosophie“, sagt Trainer Lucien Favre.

Der Schweizer ist ein Mahner. Er sieht nicht nur die Tabelle, er sieht auch die Ergebnisse. Gegen Bremen gewann der BVB das sechste Ligaspiel in Folge. Großartig. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Primus in fünf Fällen nur ein Tor mehr schoss als der Gegner. Wer das mit Minimalismus beschreibt, irrt. Der ungeschlagene Tabellenführer hat zwar eine außergewöhnliche Qualität. Aber viele junge Spieler sind noch nicht so reif und souverän, wie es der flüchtige Blick aufs Klassement vermuten lässt. „Irgendwann wird auch einmal etwas schiefgehen. Damit müssen wir dann umgehen können“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Momentan leistet sich Dortmund nur temporäre Schwächen. Gegen Bremen schoss es früh Tore durch Paco Alcácer (19.) und Marco Reus (27.). Der BVB spielte auch nachher mit viel Fantasie, hatte grandiose Ballstafetten, brachte aber keinen Ball mehr über die Linie und wäre beinahe in Schönheit gestorben. Das Anschlusstor von Max Kruse (35.) brachte mutige Gäste in Position. Dortmunds sträfliche Versäumnisse vor dem Tor des Gegners, Ballverluste im Mittelfeld und einiger Leichtsinn in der Defensive (Abdou Diallo) hätten durchaus in einer Enttäuschung enden können. Doch wie schon gegen die Bayern sowie in Wolfsburg und Mainz hielt der seidene Faden. Sehr zur Freude von Mittelfeldspieler Thomas Delaney. Der Ex-Bremer sagte am Ende des Arbeitstages: „Die Herbstmeisterschaft bedeutet uns nichts. Der Vorsprung aber schon.“

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