Handball-WM: Deutschland-Island
Große Aufgaben, kleine Defizite

Berlin -

Primetime. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist da angekommen, wo sich die Sportler gerne häufiger sehen würden: Zum Auftakt der Hauptrunde am Samstagabend (20.30 Uhr, ARD) wird ein Millionenpublikum vor den Fernsehern die Daumen drücken. Doch Island hat das Zeug, die Handball-Euphorie schnell abzukühlen.

Freitag, 18.01.2019, 21:56 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 21:59 Uhr
Stimmungsaufheller ganz in weiß: Deutschlands Handballer sorgen ab sofort in Köln für gute Laune.
Stimmungsaufheller ganz in weiß: Deutschlands Handballer sorgen ab sofort in Köln für gute Laune. Foto: dpa

Handball zieht. Und zwar so sehr, dass kurzerhand nicht nur das erste Hauptrundenspiel der Deutschen gegen Island am Samstag um 20.30 Uhr angepfiffen wird, sondern auch die beiden folgenden gegen Kroatien (Montag) und Spanien (Mittwoch), die ursprünglich für 18 Uhr terminiert waren. ARD und ZDF haben den Sport für sich entdeckt. „Die Primetime ist eine Riesenchance“, sagt DHB-Vorstand Mark Schober. „Ich hoffe, die Zuschauer mit Karten haben dafür Verständnis.“

Die Vorfreude auf die nun folgenden Top-Spiele ist auch im Team riesig, auch das Selbstvertrauen wächst fast täglich. „Langsam zeigt sich, dass einiges möglich ist“, sagt Fabian Böhm. Pa­trick Groetzki kann „die nächsten Weltklasse-Teams“ kaum erwarten. Und Paul Drux beschreibt noch mal die Entwicklung in der ersten Turnierwoche: „Nach dem Remis gegen Russland kam ein kleiner Knick, aber 24 Stunden später gegen Frankreich sind wir wieder aufgestanden, hätten zwei Punkte verdient gehabt. Das hat uns zusammengeschweißt.“ Keeper Andreas Wolff bestätigt: „Wir haben uns nach zwei späten Ausgleichstoren erfolgreich eingeredet, dass damit jede Pechsträhne beendet ist.“

Objektiv lässt sich inzwischen festhalten, dass da eine Einheit auf und neben dem Platz steht. „Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen, Dinge aufgearbeitet. Den Schritt haben uns viele nicht zugetraut“, sagt Sportvorstand Axel Kromer. „Inzwischen können wir wieder jeden schlagen.“ Auch DHB-Vize Bob Hanning streckt die Brust raus: „Wir sind dran an der Weltspitze und haben die Chance, die beste Abwehr aller zu stellen.“

Klar, die Deckung um Pa­trick Wiencek, Hendrik Pekeler oder Drux funktioniert top. 22,2 Gegentore im Schnitt sind beachtlich. „Diese Leistung ist unser Fundament“, so Trainer Christian Prokop . „Das ist aber auch keine Überraschung. Einsatz, Laufwege, Absprache – das passt. Dazu nehmen die Torwartleistungen stetig zu.“ Zudem sieht er ein „variables, cleveres Angriffsspiel mit drei verschiedenen Spielmachern“. Trotz fehlenden Shooters aus neun, zehn Metern hat der 40-Jährige viele Rückraum-Optionen. „Stark über den Kreis sind wir auch wie gewohnt.“ Und dann ist da noch Uwe Gensheimer. Der Kapitän ist zweitbester WM-Schütze mit 31 Treffern, hat die meisten Siebenmeter verwandelt (17). „Er ist in Top-Form und reißt auch das Publikum mit. Diese Trümpfe müssen weiter stechen“, so Prokop. Über die linke Seite strahlt der Spielführer zwar meist Gefahr aus, doch das Außenspiel hat noch Luft nach oben. Groetzki (acht Tore) muss sich noch sammeln und ist konkurrenzlos auf seiner Position. „Nach drei kompletten Spielen brauchte ich auch mal eine Pause“, sagte er nach dem 31:23 gegen Serbien. Gegenstöße gelingen dem deutschen Team nur selten. Die schnelle Mitte oder die erste, zweite Welle werden mittlerweile auf dem höchsten Niveau gut verteidigt. Hanning erkannte richtig: „Wir brauchen mehr einfache Tore.“ Und die Methode siebter Feldspieler, mit der Prokop 2018 gegen Spanien schon baden ging, funktionierte erneut nicht.

Dass es nun zunächst gegen den wohl schwächsten Gegner der Hauptrunde geht, sei „belanglos“, so der Coach. „Die Isländer verteidigen aggressiv und mannbezogen. Und sie bringen viel Support mit.“ Heraus sticht vor allem Rückraumschütze Aron Palmarsson. Auch andere Akteure sind aus der Bundesliga bekannt. „In den vergangenen Testspielen haben wir fast immer gewonnen“, sagt Kromer.

Bei aller Euphorie wissen aber auch alle, dass eine Niederlage fast das jähe Ende der Medaillenträume wäre.

Zwischenbilanz

Die Überschneidungen zwischen Deutschland und Dänemark sind bislang überschaubar. „Es stimmt, wir können fast von zwei Turnieren sprechen, die im Halbfinale zusammengeführt werden“, sagt DHB-Vize Bob Hanning. „Viel kriegen wir von da oben nicht mit, der Fokus liegt klar auf unserem Land.“ Gemeinsam aber haben die Nachbarn einige Rekordwerte geschaffen.So kamen 511 000 Besucher zu 60 Partien, die dabei allerdings alle einzeln betrachtet wurden. 171 000 davon in Berlin, 136 000 in München, wo nur zwei Spieltage nicht ausverkauft waren. In der Hauptstadt galt das nur für den einen ohne deutsche Beteiligung. Die Auslastung liegt, auch mit Blick auf die noch ausstehenden Begegnungen, bei rund 97 Prozent. Tickets für Köln gibt es kaum mehr, das gilt auch für die Halbfinals in Hamburg. Auch die TV-Quoten sind stark. Gegen Serbien sahen 6,76 Millionen Menschen am Bildschirm zu, in der Spitze sogar über 8 Millionen (Marktanteil 27,5 Prozent). Im Schnitt hatte jedes deutsche Spiel bislang 7,2 Millionen Zuschauer. „2007, als wir Weltmeister wurden, waren es nur vier Millionen“, so DHB-Vorstandschef Mark Schober. Auch Verbandspräsident Andreas Michelmann hat keinen Grund zu klagen. „Mit einer fünf Mal vollen Halle in Berlin war zu rechnen. Positiv war aber auch die gigantische Auslastung in München.“ 9500 Fans gönnten sich dort etwa den „Knaller“ Mazedonien gegen Bahrain. „Das zeigt die Wirkung, die der Handball entfaltet.“ Die wirtschaftlichen Erwartungen wurden zudem übertroffen. Der Gewinn wird siebenstellig ausfallen.

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