SCP-Sportchef hat auf vielen Feldern etwas vor
Metzelder plant die Preußen-Zukunft

Münster -

Malte Metzelder plant die Zukunft des SC Preußen Münster. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern setzt der 36 Jahre alte Ex-Profi beim Fußball-Drittligisten ganz auf die Entwicklung von jungen Spielern. Nachwuchsleistungszentrum, Trainersuche, Kaderplanung, Stadion-Entwicklung – in allen Bereichen will sich der 113 Jahre alte Club in der nahen und mittleren Zukunft weiterentwickeln.

Samstag, 09.02.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2019, 17:29 Uhr
SCP-Sportchef hat auf vielen Feldern etwas vor: Metzelder plant die Preußen-Zukunft
Foto: Jürgen Peperhowe

Das Nachwuchsleistungszentrum

Alles steht und fällt mit den vorgeschriebenen Flächen. Erste Option sind Kooperationen, etwa mit dem Hochschulsport. Beim brachliegenden Sportplatz am Sonnenbergweg oder beim ESV stehen Eigennutzung und bestehende Verträge dazwischen. Zudem fehlt überall Flutlicht. „Aktuell unser größtes Problem“, sagt Metzelder mit Blick auf das angestrebte DFL-Zertifikat, für das die Felder nicht nur auf dem Papier existieren sollen („keine Flickschusterei“). Ein Kunst- und drei Naturrasenplätze sind dafür vorgesehen. Momentan fehlen also mindestens zwei. Gespräche mit der Stadt und HSP-Verantwortlichen laufen. Irgendwann sollen am Berg Fidel weitere eigene Trainingsplätze gebaut werden. Im Sommer erneuert die Stadt schon mal den bestehenden Kunstrasen.

Weiter ist der SCP personell. In diesem Punkt sollen zur nächsten Saison möglichst viele Voraussetzungen erfüllt sein. Arne Barez macht gerade seinen Fußballlehrer, als designierter Leiter des Zentrums muss er diesen aufweisen. Im ersten Schritt übernimmt er die U 19, eventuell wird er auch an den Profibereich angedockt, etwa als Leiter von Sondereinheiten. Zudem soll ein weiterer Trainer diesen höchsten Schein irgendwann erwerben, vielleicht auch um einen Mann aus dem eigenen Stall mal zu den Profis zu führen. Tobias Harink, künftig U-17-Coach, ist derzeit das hoffnungsvollste Talent im Verein. Metzelder: „Unser Signal ist: Wer sich gut entwickelt, wird mit den nächsthöheren Aufgaben betraut.“ Im NLZ müssen mindestens drei Trainer in Vollzeit beschäftigt sein. Diesen Bedarf wird der Verein aber erst mit Klärung des Spielflächen-Themas angehen, da es vorher keine Fördergelder gibt. Gern würde der SCP talentierte Übungsleiter langfristig an sich binden. Möglich ist auch, dass ein Übungsleiter aus dem Junioren-Sektor gleichzeitig Assistent bei den Profis ist. Klar ist bei all diesen Plänen, dass künftig wesentlich mehr Geld als bislang in den Jugend-Bereich fließt.

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Foto: Jürgen Peperhowe

Der Stadion-Umbau

Die vor einer Woche unterzeichnete Absichtserklärung weist den Weg: Es soll keine Zeit verloren werden, ein zweitliga-taugliches Stadion an der Hammer Straße entstehen. Sorgen bereitet den Entscheidern nicht die Errichtung der Arena selbst, die mit einem gewissen Erfahrungsschatz der beteiligten Seiten und Baufirmen gestaltet werden soll. Das Drumherum auf dem Areal ist die größere Herausforderung. Zum Projekt-Team zählen aus dem Verein neben Malte Metzelder auch Bernhard Niewöhner, Jochen Terhaar und Christoph Strässer, bei Bedarf rücken andere Gremienmitglieder auf. Geplant ist definitiv eine Vollüberdachung, dazu natürlich die Ausweitung der Sitzplätze auf mindestens 6000 bis 8000. Die technischen Anforderungen sind nicht gering, zudem muss die bestehende Haupttribüne am besten irgendwie eingebunden werden.

Ein besonderer Wunsch der Preußen ist, dass das Stadion zur Stadt passt. „Wir wollen es mit Dingen, die Münsteranern wichtig sind, verknüpfen“, sagt Metzelder und denkt an Grünflächen oder eine gute Mobilität. Die neue Arena des SC Freiburg, die gerade im Außenbereich entsteht, dient als Beispiel. Investoren stehen allerdings nach wie vor nicht zur Verfügung. Auftraggeber der Maßnahme ist aber ohnehin die Stadt, dort laufen die Fäden zusammen.

Die zweite Mannschaft

Die U 23, Spitzenreiter in der Westfalenliga, soll schon im Sommer, wenn irgendwie möglich, aufsteigen, um die Distanz zu den Profis zu verringern. Mit Loris Deiters und Julis Hölscher wurden hierfür bereits in der Winterpause zwei hochklassige Zugänge geholt. Denkbar ist sogar, dass am Saisonende, wenn es hart auf hart kommt, die Reserve personell noch stärker gemacht wird. „Es kann nur Vorteile haben, in der Oberliga zu spielen“, sagt Metzelder. „Auch wenn man darauf schaut, dass wir Verträge an A-Jugendliche vergeben, die über die U 19 hinaus gehen. Sie hätten dann bei den Senioren auch direkt eine gute Perspektive.“

Das Scouting

Bereits 2018 wurde Kieran Schulze-Marmeling als fester Scout installiert. Ein Meilenstein für den Club, der sich früher oft aufs Hörensagen und die Torjägerliste verließ. „Er ist wertvoll, viel unterwegs, leistet konzeptionelle Arbeit und bereitet Mengen an Bildmaterial vor“, schwärmt Metzelder vom 29-Jährigen. Der hat längst Unterstützung. Pascal Koopmann, ein weiterer früherer Preußen-Spieler, bringt sich im Video-Schnitt ein („Da ist er richtig fit“), zudem ist Tobias Harink in der Spielerbeobachtung am Ball und dokumentiert, was er sieht, gewissenhaft. „Er hat richtig Bock darauf“, so Metzelder über den U-15-Trainer.

Zum Grundsatz gehört es, potenzielle Neuverpflichtungen öfter als nur einmal zu sichten. Über jeden Kandidaten entstehen genaue Profile. Eine eigene Software besitzt der SCP für seine Ergebnisse noch nicht, er nutzt aber die üblichen und extra für Fußballvereine entwickelten Datenbanken. „Jeder hat andere Ansprüche, aber hier können wir ganz genau aufführen, wer wo Stärken, Schwächen, Auffälligkeiten mitbringt“, so Metzelder. Auch im Nachwuchs-Bereich greifen diese Methoden vielfach.

Für Marco Antwerpen wird ein Nachfolger gesucht.

Für Marco Antwerpen wird ein Nachfolger gesucht. Foto: Jürgen Peperhowe

Der neue Trainer

Nein, verraten hat Metzelder ihn immer noch nicht. Grundsätzlich hat er auch Trainer, die noch kein Fußballlehrer sind, auf dem Schirm. Dass sie die Lizenz parallel zur Arbeit beim SCP nachholen, hält er aber für schwierig. „Ich merke, dass Münster für viele noch eine gute Adresse ist. Preußen hat einen guten Klang.“ Bewerbungen laufen fast reflexartig ein. Ein Profil, wie es der aktuelle Coach Marco Antwerpen hat – Regionalliga-Expertise als Trainer sowie ehemaliger Profispieler – wäre im Sinne des Vereins. Die Verzahnung mit dem Nachwuchs gehört in Münster ab sofort zum Arbeitsauftrag. Genau wie „Fleiß, Persönlichkeit und die Eigenschaft, über den Tellerrand zu schauen“.

Trainerkandidaten für den SC Preußen Münster

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  • Immer die Augen offen, hält Malte Metzelder! Der Sportdirektor des SC Preußen ist auf der Suche nach einem neuen Trainer für die nächste Saison.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev: War schon einmal recht erfolgreich mit den Preußen und ist zurzeit vereinslos. Sein Marktwert könnte allerdings zu hoch für den SCP sein.

    Foto: Axel Heimken
  • Auch Marc Fascher kennt sich in Münster aus. Der Aufstiegsheld von 2011 soll aber bereits abgewiegelt haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Peter Vollmann ist eine Art Preußen-Urgestein. Malte Metzelder sucht aber wohl einen Trainer mit anderem Profil.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Farat Toku trainiert derzeit noch in Wattenscheid. Er gehört zu der jungen Regionalliga-Generation. Sein Vertrag läuft zudem am Saisonende aus.

    Foto: Johannes Oetz
  • Enrico Maaßen ist auf der Erfolgsspur. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber Rödinghausen läuft es gut. Demnächst auch als Trainer des SC Preußen?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ismail Atalan war sehr erfolgreich in Lotte, in Bochum eher weniger. Geht es für ihn mit dem SC Preußen wieder bergauf?

    Foto: Johannes Oetz
  • Nils Drube war jahrelang Jugendtrainer beim SCP. In dieser Saison trat er seine erste Profistation in Lotte an und führte die Mannschaft vom Autobahnkreuz vom letzten Platz der 3. Liga ins Mittelfeld.

    Foto: Alfred Stegemann
  • Große Namen wie Stefan Effenberg, Peter Neururer oder Lothar Matthäus fallen immer wenn irgendwo ein Trainer gesucht wird. Bei den Preußen wird es aber wohl keiner der drei genannten werden. Alleine schon wegen dem teuren Gehalt, das diese verlangen würden.

    Foto: Uwe Anspach

Die Transfer-Ideologie

Das große Geld ist in Münster nicht mehr zu verdienen. Kein Problem, findet Metzelder. „Wenn man gut und kreativ arbeitet, lässt sich das ausgleichen.“ Ein Mantra ist die homogene Gehaltsstruktur. Das Modell mit leistungsbezogenen Verträgen und geringerem Grundgehalt bewährt sich. „Wir fahren gut damit“, so Metzelder. „Wer sich darauf einlässt, hat eine gewisse Überzeugung. Und mir gibt es auch ein gutes Gefühl.“ Zugleich wuchert der SCP inzwischen schon im Junioren-Bereich mit anderen Pfunden. Münster als große Universitätsstadt mit Jugend-Internat und Elite-Schule des Sports (Pascal-Gymnasium) – das kann ziehen bei Kickern mit klarem Kopf.

Aber auch bei Fußballern, die keine glatte Vita haben, wollen die Preußen hellhörig bleiben. René Klingenburg gilt da als bestes Beispiel. „Solche Typen sind aber rar“, sagt Metzelder über den Glücksgriff des vergangenen Sommers. In so manchem NLZ eines Bundesligisten werden unbequeme, aber auch zu schmächtige Akteure aussortiert. Genau hier möchte der SCP wach sein und zuschlagen.

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Foto: Jürgen Peperhowe

Der künftige Kader

Insgesamt 13 Verträge laufen aus. Mit den lokalen Größen und Routiniers Max Schulze Niehues und Ole Kittner würde der SCP gern weiter arbeiten. „Sie sind wichtig für den Verein, bringen eine hohe Identifikation mit“, sagt Malte Metzelder. Konkret äußern wollte er sich aber eigentlich zu keiner Personalie. Dass auch viele Spieler gehen, liegt auf der Hand. Einige, wie René Klingenburg, Martin Kobylanski oder Lion Schweers, haben höherklassige Ziele im Kopf (Metzelder: „Wir haben Spieler, für die es einen Markt gibt“), einige – wie Benjamin Schwarz, Tobias Rühle, Sandrino Braun – besitzen noch Verträge aus anderen Zeiten.

Beim Etat hofft Metzelder „auf eine ähnliche Größenordnung wie in dieser Saison“, also knapp drei Millionen Euro. Damit läge der SCP wieder im (unteren) Mittelfeld der 3. Liga. „Ich agiere aber betont defensiver, weil ich nicht will, dass uns am Ende Geld fehlt“, so der Sportchef. „Aber wir werden auch nicht nur blutjunge Spieler holen, sondern brauchen auch ein gutes Gerüst. Dazu werden auch Leute aus der 3. Liga kommen, eventuell mit einer kleinen Karrieredelle. Wir haben schon etliche Spieler im Kopf, die super passen könnten.“ Es gilt auch, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Viele Profis warten erst mal, was so an Anfragen kommt.

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